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"SoKo Tierschutz" von Ausmaß des Kuhskandals überrascht | BR24

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Kuh auf dem Milchhof in Bad Grönenbach

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"SoKo Tierschutz" von Ausmaß des Kuhskandals überrascht

Nach den Durchsuchungen in dem Großbetrieb und der gestrigen Pressekonferenz der Ermittler ist auch Friedrich Mülln von der "SoKo Tierschutz" vom Ausmaß der Missstände in Bad Grönenbach überrascht. Offenbar hatte jedes zweite Rind Verletzungen.

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Friedrich Mülln von der "SoKo Tierschutz", einem gemeinnützigen Verein zum Schutz von Tierrechten, hatte vor drei Wochen Videoaufnahmen aus dem Großbetrieb in Bad Grönenbach öffentlich gemacht. Nach den Durchsuchungen der Ställe ist auch er vom Ausmaß der Missstände überrascht.

Brisanz zu spät erkannt?

Im Gespräch mit dem BR-Studio Schwaben sagte er heute, diese "extrem hohe Zahl an verletzten Tieren" habe auch er nicht erwartet. Wenn jedes zweite Rind Verletzungen aufweise, dann sei das "katastrophal". Mülln wirft die Frage auf, warum die gestrigen Durchsuchungen erst mit so langer Verzögerung stattgefunden haben. Möglicherweise sei "die Brisanz zu spät erkannt" worden.

Neue Erkenntnisse erwartet der Tierschützer nun durch beschlagnahmte Unterlagen zur Behandlung verletzter Tiere, etwa zum Einsatz von Medikamenten. Geklärt werden müsse, ob Behandlungen stattgefunden hätten oder ob "Behandlungsprotokolle erst im Nachhinein entstanden" seien.

Forderung: überregionale Kontrolle

Als Konsequenz fordert die "SoKo Tierschutz" eine überregionale Tierschutz-Kontrolle. Die Veterinärämter seien "verfilzt, überfordert oder unfähig", so Mülln. Die Kontrolle müsse "weg aus der Region, wo sich die Leute kennen und sich nicht wehtun", damit sie ähnlich wirksam arbeiten könne wie die bayerische Polizei.

Zehntausende Liter Milch jeden Tag

Nach wie vor fallen in dem Bad Grönenbacher Betrieb jeden Tag mehrere Zehntausend Liter Milch an. Diese Milch – im Wert von rund 20.000 Euro – wird von der Allgäuer Großmolkerei Champignon allerdings nicht mehr abgenommen. Zwischenzeitlich, so Friedrich Mülln, sei die Milch nach Italien verkauft worden.

Die "SoKo Tierschutz" habe einen Transporter über den Brenner verfolgen können, der die Milch aus dem Unterallgäu beim größten italienischen Molkereikonzern abgeliefert habe. Von dort würden letztlich viele Produkte für den deutschen Einzelhandel wieder zurück nach Deutschland verkauft.

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Friedrich Mülln von der "SoKo Tierschutz" im Interview mit Bayern 1