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Haus des Geldes: So arbeitet das Landesamt für Steuern in Bayern | BR24

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Auch wenn das Landesamt für Steuern derzeit mehr als tausend Mitarbeiter hat, kämpft die Behörde mit Nachwuchssorgen.

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    Haus des Geldes: So arbeitet das Landesamt für Steuern in Bayern

    Weit über Tausend Beschäftigte, Herr über 76 Finanzämter und etwa 120 Milliarden Euro an Steuereinnahmen im vergangenen Jahr - in unserer Sommerserie stellen wir die bayerischen Landesämter vor. Heute: Das Landesamt für Steuern.

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    Von
    • Daniel Knopp

    Edle Wohnlage, direkt gegenüber dem alten Botanischen Garten - das Bayerische Landesamt für Steuern hat seinen Hauptsitz in der Sophienstraße in München. In nächster Nähe das fünf Sterne Hotel "Charles". Weitere Dienststellen gibt es in Zwiesel und Nürnberg.

    Gründung und Aufgaben

    Das Landesamt für Steuern entstand 2005 im Zuge der bayerischen Verwaltungsreform. Zusammengelegt wurden dabei die Steuerabteilungen der Oberfinanzdirektionen München und Nürnberg. Als sogenannte "Mittelbehörde" erfüllt das Landesamt eine Scharnierfunktion zwischen dem Finanzministerium und den 76 bayerischen Finanzämtern. Schlicht gesagt: Im Landesamt für Steuern kümmert man sich darum, dass die Finanzämter "laufen".

    "Was tun wir, damit die Finanzämter laufen, wir sorgen fürs Personal", erklärt Roland Jüptner, Präsident des Landesamts für Steuern. "Wir stellen ein, wir bilden aus, wir bilden fort, wir befördern auch. Wir sorgen dafür, dass es eine gleiche Rechtsanwendung gibt in Bayern von Hof bis Lindau und Berchtesgaden bis Amorbach. Und: Wir sind auch zuständig für IuK, also Informations- und Kommunikationstechnik."

    Vieles wurde "zentralisiert"

    Das Landesamt ist quasi der IT-Dienstleister der Finanzämter. Zugleich entwickelt das Landesamt neue Steuersoftware und hilft den Finanzämtern somit in technischen, aber auch in inhaltlichen, also in Steuerfragen. Seit Gründung mit dabei im Landesamt ist Sabine Leidel-Dick, die sich an die Zusammenlegung der Oberfinanzdirektionen München und Nürnberg im Jahr 2005 noch gut erinnern kann. Heute ist sie Abteilungsleiterin für Grundsatzfragen im Bereich Information und Kommunikation.

    "Wir haben beide Standorte beibehalten, München und Nürnberg, die gibt es ja immer noch, aber mittlerweile hat man ziemlich viel zentralisiert und die Aufgaben an einem Standort zentralisiert (...)", so Leidel-Dick."Zu den Workshops haben wir uns in der Mitte getroffen oder auf zentralem Boden und mittlerweile verdient die Bundesbahn durchaus Geld an uns, weil wir öfters hin und her fahren."

    Grüne und SPD fordern mehr Personal

    Grüne und SPD im Bayerischen Landtag befürworten die Zentralisierung von landesweiten Aufgaben in der Steuerverwaltung. Die Gründung des Landesamtes sei demnach durchaus sinnvoll gewesen, so die SPD.

    "Prinzipiell als Mittelbehörde eine gute Idee und kann in Zukunft noch mehr leisten als bisher", meint Harald Güller, der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion. "So beim Thema zentrale Steuerfragen, wie Umsatzsteuerbetrug, bei Steuersparmodellen, legale und halblegale. Voraussetzung wäre, dass die Finanzverwaltung und damit auch das Landesamt für Steuern personell gestärkt wird, so wie es die SPD seit Jahren fordert."

    Fehler der Vergangenheit

    So schnell könne man die Fehler der Vergangenheit aber nicht wieder gut machen, sagen die Grünen, denn die Staatsregierung habe bis 2010 viel zu viel Personal eingespart. "Das Problem ist nicht die Stellenschaffung vor Ort, sondern die Stellenbesetzung, weil wir jetzt diese Stellen wiederaufbauen wollen, aber gleichzeitig gehen sehr viele Menschen in Ruhestand und gleichzeitig wirbt die private Wirtschaft, Steuerkanzleien, ebenfalls Personal ab, also das ist ein gewisses Problem, dass wir trotz voller Ausbildungslast, diesen Rückstau nicht mehr aufgefüllt bekommen," erklärt Tim Pargent, finanzpolitischer Sprecher der Grünen.

    Landesamt ringt um Nachwuchs

    Im Landesamt wurde das Problem erkannt. Dramatisch sei die demografische Entwicklung und die damit verbundenen Altersabgänge in der Behörde, so Präsident Jüptner: "Wir haben die politische Zusage bekommen, dass wir alle Altersabgänge ersetzen können und das ist im Moment die Hauptaufgabe im Personalwesen. Wir sind momentan an den Finanzämtern mit 3.300 jungen Anwärtern in der Ausbildung, bei einer Mitarbeiterkapazität von rund 15.000 Beschäftigten."

    Tobias Batzke hat das dreijährige duale Studium zum Finanzwirt gerade absolviert. "Meine Erwartung war ehrlich gesagt, dass das viel trockener ist als es im Endeffekt dann war", sagt Batzke. "Größter Vorteil ist natürlich das Beamtentum, da bin ich sehr froh in der aktuellen Situation. Geregelter Job, gesichertes Einkommen." Während des dualen Studiums verdienen die Anwärter monatlich fast 1.400 Euro brutto Ausbildungsvergütung, bei bestandener Prüfung folgt eine Übernahmegarantie.

    Bewerber brauchen Affinität für Digitalisierung

    Eine Voraussetzung für den Job muss laut Batzke jedoch bestehen: "Eine Abneigung gegen die Digitalisierung sollte nicht vorhanden sein, weil damit gehen wir Hand in Hand und steuerlich braucht man dennoch die gleichen Kompetenzen, weil wenn wir einen Fall bearbeiten sollten, dann muss man sich steuerlich genauso auskennen."

    Trotz lukrativer Ausbildungsvergütung und Werbung in den Medien werden Steuerfachleute weiterhin gesucht. Beste Aufstiegschancen also für Steuerinspektor Tobias Batzke. Für das Landesamt für Steuern ist die Nachwuchssuche hingegen eine echte Herausforderung.

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