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Söders Ratgeberstunde für CDU und Groko | BR24

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CSU-Chef Söder im Interview mit dem BR-Politikmagazin "Kontrovers"

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Söders Ratgeberstunde für CDU und Groko

Vor einem Jahr steckte er selbst im CSU-Machtkampf, heute präsentiert sich Markus Söder als krisenerprobter Ratgeber für die CDU und die Groko. Dabei setzt er auch auf Tipps seiner Tante - und geht auf Distanz zur Merz-Kritik an Merkel.

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Krisenstimmung in Bayern - zumindest im Fußball: Nach Liga-Pleiten haben sowohl der FC Bayern als auch der 1. FC Nürnberg ihre Trainer entlassen, bei 1860 München flüchtete der Coach selbst. Für Markus Söder ein Anlass, um zu einer CSU-typischen Fußball-Metapher zu greifen - und der CDU einmal mehr ins Gewissen zu reden. Man dürfe keine überzogenen Personaldebatten führen, denn man merke "auch im Fußball dieser Tage" deutlich: "Nur das Team gewinnt. Und wenn das Team nicht gut zusammenspielt, dann wird's schwer", betonte Söder am Abend im BR-Politikmagazin "Kontrovers".

Vor einem Jahr noch schaute ganz Deutschland gebannt auf das CSU-interne Machtdrama mit den Protagonisten Horst Seehofer und Markus Söder. In diesen Tagen steht nun die CDU im Fokus der Öffentlichkeit - und CSU-Chef Söder richtet an die Schwesterpartei reihenweise Tipps und Ratschläge.

Die CSU als Vorbild

Die Art und Weise, wie die CSU seinerzeit ihre parteiinternen Querelen beilegte, hält Söder der CDU nun als Beispiel vor Augen: "Wir haben auch lange diskutiert über Personalfragen", sagte der CSU-Vorsitzende. "Am Ende aber haben wir die Kraft gefunden, es gemeinschaftlich zu machen, Horst Seehofer und ich." Daran solle sich die CDU auch erinnern, so Söders Tipp in Richtung Konrad-Adenauer-Haus.

Der zermürbende Machtkampf zwischen Söder und Seehofer hatte die CSU zwar über Monate in Atem gehalten. Nachdem Seehofer schließlich aufgegeben und seinen Rückzug von der CSU-Spitze angekündigt hatte, bekam die Partei aber einen insgesamt friedlichen Wechsel hin. Auch weil Seehofer sich an sein Versprechen hielt, keine offenen Rechnungen zu begleichen.

Söder: Schluss mit Jammern

Und da Söder darüber hinaus seit Monaten konsequent an seinem neuen Image als besonnener Staatsmann feilt und sich steigender Beliebtheitswerte erfreut, findet er sich mittlerweile in einer Rolle wieder, die Mitte 2018 kaum jemand für möglich gehalten hätte: Der einst als polarisierender Haudrauf verschriene Nürnberger gilt mittlerweile als stabilisierender Faktor in der wackeligen Groko.

Der Großen Koalition wirft der CSU-Chef ihr schlechtes Erscheinungsbild vor - und greift dabei auf den Erfahrungsschatz einer Verwandten zurück: "Eine alte Tante von mir hat immer gesagt, 'wer jammert, bekommt keinen Besuch'. Das heißt, der ist nicht attraktiv." Denn während sich die Grünen tagtäglich selbst feierten, werde in der Groko trotz guter Arbeit ständig gejammert, beklagte Söder im BR-Interview. Sein Ratschlag an die Berliner Koalitionspartner: nicht in der Öffentlichkeit streiten, die Dinge intern regeln, und mehr "innere Bereitschaft zu Leistung" zeigen.

Die Grünen als Hauptgegner

Der Schwesterpartei CDU wiederum empfahl Söder angesichts der jüngsten innerparteilichen Machtkämpfe, keine "Rückspiele" zu betreiben und sich auf die Zukunft zu konzentrieren. Zugleich warnte er davor, aus den jüngsten Landtagswahlen in Ostdeutschland die falschen Schlüsse zu ziehen. "Thüringen ist nicht ganz Deutschland, die Herausforderungen sind andere."

Die AfD bleibe zwar ein harter Gegner, von dem man sich klar abgrenzen müsse. Bundespolitisch gesehen gilt es laut Söder aber, sich auf die Grünen als Hauptgegner einzustellen. Seine CSU hat er schon vor Monaten auf diese Linie eingeschworen.

Söder verteidigt Merkel

Zugleich nahm Söder angesichts der jüngsten Attacken auf Angela Merkel (CDU) die Bundeskanzlerin in Schutz. In den Jahren von Merkels Kanzlerschaft sei "unglaublich viel vorangebracht" und manches gelöst worden, wie in der Finanz- und der Eurokrise. "Natürlich sind auch Fehler gemacht worden, aber das ist in einer langen Bilanz doch normal." Vor wenigen Tagen hatte der CDU-Politiker Friedrich Merz die Kanzlerin scharf kritisiert und ihr "Untätigkeit und die mangelnde Führung" vorgeworfen.

"In Bayern eine Menge zu tun"

An seiner Aussage, dass er sich selbst nicht als Anwärter für die Merkel-Nachfolge sieht, hält Söder derweil eisern fest. Er sei für Bayern gewählt, "und in Bayern gibt es eine Menge zu tun und in der CSU natürlich auch", betonte der CSU-Chef. Natürlich wolle er aber helfen, "dass die Union insgesamt gut aufgestellt ist" - also mitentscheiden, wer Kanzlerkandidat der Union wird.

Die Herausforderung werde dabei nicht sein, jemanden aufzustellen, der am Ende nur "den Partei-Leuten" gefalle. Vielmehr müsse der Kanzlerkandidat bei den Bürgern das Vertrauen wecken können, Deutschland in die Zukunft zu führen.

Kein "Mitleidsbonus" für die SPD

CDU und SPD gleichermaßen warnte Söder vor ständigen "Ultimaten und Bedingungen" sowie einem "Aufgepluster" im Streit über die Grundrente. "Das bringt doch nichts", sagte er und rief die Koalitionspartner zur Kompromissbereitschaft auf.

Söder sieht Union und SPD eigentlich an einem Punkt, an dem sie eine Entscheidung über die Grundrente treffen könnten. Daher gebe es keinen Grund, die Große Koalition an dieser Frage scheitern zu lassen, sagte der CSU-Chef, warnte aber zugleich die Sozialdemokraten vor falschen Erwartungen: "Klar ist auch: Da gibt’s keinen Mitleidsbonus oder einen Bleibe-Rabatt für die SPD, sondern man tut nur das, wovon man überzeugt ist."