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Söders Moskaureise - Tradition seit Seehofer, Stoiber, Strauß | BR24

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Zum ersten Mal als CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident ist Markus Söder nach Russland gereist. Damit steht er in einer Reihe bayerischer Regierungschefs - ein Blick zurück auf Reisen von Franz Josef Strauß, Edmund Stoiber und Horst Seehofer.

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Söders Moskaureise - Tradition seit Seehofer, Stoiber, Strauß

Zum ersten Mal als CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident ist Markus Söder nach Russland gereist. Damit steht er in einer Reihe bayerischer Regierungschefs - ein Blick zurück auf Reisen von Franz Josef Strauß, Edmund Stoiber und Horst Seehofer.

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Es dürfte wohl DIE Geschichte sein, die in CSU-Kreisen noch immer gerne über Franz Josef Strauß erzählt wird. Im Dezember 1987 fliegt der damalige Ministerpräsident nach Moskau zu Sowjet-Generalsekretär Michail Gorbatschow und sitzt selbst am Steuer der Maschine. Wegen starken Schneetreibens wird ihm die Landung auf dem Moskauer Flughafen verweigert, Strauß landet trotzdem. Weil kaum mehr Sprit im Tank war. Mit ihm seien nur wenige nach Russland gereist, erzählte Strauß später:

"Wenn schwarze Potentaten zu uns kommen, die haben immer gleich einen Tross von 30-70 in ihrer Delegation. Weil's alle mitnehmen, von denen sie fürchten, dass sie in ihrer Abwesenheit daheim einen Staatsstreich machen. Aber wenn ich jetzt nach Moskau mitgenommen habe Herrn Waigel, Herrn Tandler und Herrn Stoiber, dann sicher nicht aus dem gleichen Grund wie es meine schwarzen Freunde in Afrika tun." Franz Josef Strauß

Strauß - zum zweiten Mal in Russland

Nach dem Gipfeltreffen von US-Präsident Ronald Reagan und Gorbatschow in Washington im Jahr 1987 ist Strauß der erste westliche Politiker, der von Gorbatschow empfangen wird. Edmund Stoiber erinnert sich:

"Gorbatschow kommt rein, hat den Strauß zum ersten Mal gesehen, und mit freundlicher Geste: 'Herr Strauß, was ich schon fragen wollte, sind Sie das erste Mal in der Sowjetunion?' Und darauf antwortet Strauß - ich weiß nicht, was ihn geritten hat: 'Nein Herr Gorbatschow, das erste Mal kam ich nur bis Stalingrad'." Edmund Stoiber

Das Gespräch läuft trotzdem gut, Gorbatschow kann hervorragend mit dem direkten bayerischen Politiker. Die Linie der Bundesregierung gegenüber Russland kümmert Strauß wenig – er betreibt bayerische Außenpolitik nach seiner Façon.

Stoiber und Putin - ziemlich beste Freunde

Später reist Stoiber – inzwischen selbst Ministerpräsident – wieder nach Russland und trifft sich dort mit Präsident Wladimir Putin. Mehrmals. Russland ist für Stoiber längst kein Gegner, sondern ein Partner. Stoiber und Putin, die beiden mögen sich und pflegen ihre Freundschaft. Seit 2007 duzen sie sich. Und der russische Präsident lässt Stoiber kurz vor dessen Amtsende eine besondere Ehre zuteil werden: eine Parade des Kreml-Wachbataillons – als erstem ausländischen Gast.

"Ich betrachte das natürlich auch als ein besonderes Zeichen der Verbundenheit und der Freundschaft. Wir haben in mehreren Stunden in sehr offener und freundschaftlicher Atmosphäre alle Probleme angesprochen, die gegenwärtig zwischen Deutschland und Russland, zwischen Europa und Russland bestehen." Edmund Stoiber

Auch Stoiber schlüpft in Russland wieder in die Rolle eines Neben-Außenministers. Allerdings vertritt er die Position der Bundesregierung, beispielsweise, wenn es um die Pläne der USA bei der Raketenabwehr in Mitteleuropa geht.

Seehofer erntete harsche Kritik

Als 2016 Ministerpräsident Horst Seehofer nach Russland reist, muss er viel Kritik einstecken. Er fordert nämlich, die Sanktionen gegen Russland zu lockern und bezeichnet den Ukraine-Konflikt als "Schießerei". Für viele ein Affront gegen die Kanzlerin. Seehofer verteidigt sich:

"Wir haben diese Reise sehr sorgfältig vorbereitet. Auch mit den maßgeblichen Kräften der Bundesregierung. Also wir machen keine Nebenaußenpolitik." Horst Seehofer

Weitere Russland-Reisen folgen, Seehofer wählt seine Worte bedächtiger und vermeidet die offene Konfrontation mit der Berliner Regierungslinie.

Söder kommt nicht als "Nebenaußenminister"

Jetzt also Markus Söder. Er ist in Russland und wird dort Präsident Putin treffen. Eines macht Söder schon vor seinem Abflug in München klar: Er betreibe keine Nebenaußenpolitik – der Besuch sei eng mit der Kanzlerin abgestimmt, im Interesse aller:

"Wenn's zwischen Deutschland und Russen gut funktioniert, dann kann es auch nur für Europa und den Frieden in Europa sinnvoll sein. Trotzdem hat man seine Wertvorstellungen und wir haben unsere Positionen und die muss man auch unter Partnern, manchmal auch unter schwierigen Partnern, deutlich ansprechen." Markus Söder

Eine Gelegenheit für Söder dürfte das geplante Gespräch mit Putin sein.