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Söders Appell an die CSU: "Kämpfen! Kämpfen! Kämpfen!"

Markus Söder macht keinen Hehl daraus, dass er vor einem Rätsel steht: "Noch nie ging es Bayern so gut, und noch nie war die Politik so zersplittert." In Zahlen ausgedrückt: Die Arbeitslosigkeit im Freistaat liegt bei unter drei Prozent, die CSU bei nur 35 Prozent. Und bis zur Landtagswahl sind es noch 30 Tage.

Markus Blume, der Generalsekretär, sieht sich deshalb zur Klarstellung veranlasst: "Die CSU ist nicht verzagt", sagt er zu Beginn des Parteitags in München.

Kampf gegen die schwachen Umfragewerte

Man muss zwar nicht lange suchen, bis man Delegierte findet, die durchaus verzagt klingen. Einer, der obendrein auch noch sehr bekannt ist, spricht sogar von allgemeiner "Ratlosigkeit".

Aber Markus Söder will das nicht gelten lassen. Er fordert von seiner CSU einen selbstbewussten Wahlkampf. Was er damit meint, zeigt seine ganze Rede: "Außer uns kann es keiner", ruft der Spitzenkandidat in den Münchner Postpalast. "Ja zu Bayern heißt Ja zur CSU!" Oder auch: Die CSU sei die letzte Volkspartei und wolle es bleiben. Oder: Bayern werde nicht von Berlin aus regiert, sondern von München. Stabile politische Verhältnisse - laut Söder gibt es sie nur mit der CSU. Die schlechten Umfragewerte müssten ein "Weckruf" sein, betont er und fordert die Parteimitglieder auf: "Kämpfen, kämpfen, kämpfen!"

Spitzen gegen die Opposition - Attacken gegen die AfD

Die SPD dagegen sieht Söder auf dem Weg in die "politische Insolvenz", die Grünen als Verbotspartei. Gegen die FDP zückt er die Jamaika-Keule: "Wer in Berlin kneift, braucht nicht zu erwarten, sich in München an den gedeckten Tisch setzen zu können." Am härtesten aber attackiert Söder die AfD. Noch vor kurzem hatten Söder und andere CSU-Spitzenpolitiker die AfD aktiv ignoriert. In Chemnitz marschierten die AfDler dann Seit an Seit mit Pegida und NPD. Seitdem herrscht Angriffsmodus. "Schäbig und unanständig" sei die AfD, ruft Söder.

Jubel für den Spitzenkandidaten

Solche Dinge wollen die Delegierten hören. Sie klatschen, sie jubeln, immer wieder. Nur ein anderer kann nach diesem Parteitag von sich sagen, dass er die fast 900 Christsozialen ähnlich aufgemischt hat: Edmund Stoiber, der eine "Jetzt-erst-recht-Stimmung" verlangt und dabei alles andere als altersmilde wirkt.

Höflicher Beifall für Seehofer

Für Horst Seehofer begeistern sich die Delegierten weniger. Schon bei der Begrüßung erntet der Parteichef lediglich netten Applaus, während Söder bejubelt wird. Danach lobt Seehofer den "lieben Markus", dessen Tag das heute sei. Niemand übertreffe Söder im Einsatz fürs Land, Söder garantiere Stabilität.

Ausführlich erläutert Seehofer nochmal seine Linie in der Asylpolitik. Der Beifall bleibt bis zum Ende höflich, Söder wird später sagen, der Rückenwind aus Berlin sei "nicht so richtig" spürbar. Tröstlich für Seehofer, dass sein Nachfolger wenigstens an dieser Stelle nicht bejubelt wurde.