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Söder fordert Fleischerzeugung nach bayerischem Vorbild | BR24

© dpa-Bildfunk

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder

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    Söder fordert Fleischerzeugung nach bayerischem Vorbild

    Per Videobotschaft auf Twitter hat sich Bayerns Ministerpräsident zur Fleischerzeugung zu Wort gemeldet. Nach Corona-Ausbrüchen in Schlachthöfen steht die Fleischindustrie in der Kritik. Söder hält die bayerische Landwirtschaft für wegweisend.

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    Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert für Deutschland eine Agrarwende nach bayerischem Vorbild. Die Landwirte in Bayern legten großen Wert auf die Liebe zum Tier und auf die Qualität der Produkte. "Warum setzen wir nicht mehr in Deutschland auf die kleineren Betriebe und unterstützen sie, als die großen Agrarfabriken zu haben", fragte Söder am Samstag in einer via Twitter verbreiteten Videobotschaft.

    Söder will Tierwohl und bezahlbares Fleisch

    "Agrar-Ökologie statt Agrar-Kapitalismus - das könnte doch ein Weg sein für die Zukunft." Viele Bürger seien auch bereit, dafür mehr Geld auszugeben. "Es soll so sein, dass Fleisch nicht unendlich teuer wird, es soll für jeden erschwinglich sein."

    Söder fordert: "Mehr Geld für Agrar, aber für eine Wende hin zu mehr Agrar-Ökologie." Die Landwirte müssten mehr Möglichkeiten bekommen, ihre Ställe und das Tierwohl zu organisieren und trotzdem wirtschaftlich zu bleiben. "Das ist unser bayerischer Weg, vielleicht kann es auch ein Weg in Deutschland sein."

    Kaniber: Große Strukturen "nicht zukunftsfähig"

    Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) schloss sich ihm an. "Die großen Strukturen, die wir in anderen Bundesländern vorfinden, sind nicht zukunftsfähig", erklärte sie. Sie forderte einen bundesweiten Umbau der Schlachthof-Strukturen nach bayerischem Vorbild. Bayern stelle schon jetzt rund ein Drittel aller Schlachtstätten in Deutschland mit 1.800 EU-zugelassenen Betrieben.

    Kritik kam dagegen vom Thüringer Landwirtschaftsminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke). Söder habe mit seinem Vorschlag die Situation im Osten vergessen. "Die landwirtschaftlichen Betriebe in Ostdeutschland sind traditionell wesentlich größer als westdeutsche Kleinbetriebe", schrieb Hoff auf Twitter. "Ich bin es leid, diese wichtigen Unternehmen, die unseren ländlichen Raum prägen und stützen, als Agrarkapitalismus denunzieren zu lassen." Grundsätzlich gehe der Weg, den Söder vorschlage, aber in die richtige Richtung, erklärte Hoff.

    Debatte nach Corona-Fällen bei Tönnies

    Durch den aktuellen Corona-Ausbruch bei Tönnies wächst der Druck auf die Agrarpolitik. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) dringt daher auf grundlegende Veränderungen im Fleischmarkt, um den ständigen Preiskampf und die problematischen Arbeitsbedingungen zu unterbinden.

    Grüne fordern Schließung großer Schlachthöfe

    Auch SPD und Grüne fordern eine völlige Umstellung der Fleischerzeugung. "Die großen Schlachthöfe müssen zugemacht werden. Wir müssen das dezentralisieren", hatte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt am vergangenen Sonntag in der Internetsendung "Bild Live" gesagt. Es gehe jetzt um eine andere Politik und andere Rahmenbedingungen in der Fleischindustrie.

    SPD will Landwirte gegenüber Schlachthöfen stärken

    SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil äußerte sich in der Sendung ähnlich. "Ich glaube, das ganze System ist zu groß geworden an dieser Stelle", sagte Klingbeil. Ihm gehe es darum, dass die Landwirte gegenüber den Schlachthöfen gestärkt würden. "Und ich persönlich bin der Meinung: Wir brauchen kleinere Schlachthöfe. Wenn Tiere durch halb Europa gefahren werden, dann sieht man, dass das System nicht mehr gesund ist."

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