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Markus Söder und Horst Seehofer
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Nikolaus Neumaier
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Markus Söder und Horst Seehofer

Über der Veranstaltung schwebt die Frage, streiten Seehofer und Söder auf offener Bühne oder gelingt ihnen eine Demonstration der Geschlossenheit?

Ungewohnte Freundlichkeiten

Horst Seehofer spricht nach Markus Söder, aber er beginnt seine Rede mit seltener Freundlichkeit in Richtung Söder. Als Seehofer auf die Bühne im Stadttheater Ingolstadt steigt, geht er auf Söder zu, schüttelt ihm die Hand, macht anerkennende Handzeichen und findet nette Worte.

"Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber Markus", sagt Seehofer und schickt auch noch ein Lob hinterher "für diese fulminante Rede, danke."

Seehofer nennt Spannungen normal

Nachdem Seehofer am Wochenende noch Richtung Söder gestichelt hatte, der Ministerpräsident trage allein die Verantwortung für die schlechten Umfragewerte, spricht er jetzt von guter Zusammenarbeit. Dass es manchmal Differenzen gebe, führt er auf den natürlichen Spannungsbogen zwischen Berlin und München zurück: "Danke Dir lieber Markus für die Zusammenarbeit zwischen Berlin und München", sagt Seehofer.

Söder bleibt freundlich aber distanziert

Markus Söder bleibt ebenfalls sehr freundschaftlich, aber nur selten geht er direkt auf Seehofer ein. Wenn er es tut, dann in einem Nebensatz und in der Art "lieber Horst" und er betont die Geschlossenheit der CSU-Spitze: "Sie können es an der ersten Reihe hier sehen, die ziemlich harmonisch beinander sitzt." Doch Söder grenzt sich auch von Seehofer ab. Er redet von Strauss und macht deutlich, dass er sich als der wahre Erbe von FJS versteht, auch weil die Raumfahrtforschung wieder zu neuem Blühen bringen möchte. „Der Freistaat Bayern“, sagt Söder und dabei kann man unterstellen, dass er sich meint, „hat sich entschieden, die alte Tradition von Strauß wieder aufzunehmen und weiterzuentwickeln.“

Will wer jemand zum Mond schießen?

Passend zur Raumfahrt reißt Söder einen Witz, den man auch als Spitze gegen Seehofer verstehen könnte. "Dabei geht es uns nicht darum, irgendwo jemand auf den Mond zu schießen, wobei ich einige wüsste."

Später reagiert Seehofer darauf. Es ist ein Manöver, um dem Publikum zu zeigen, dass die zwei wieder gut miteinander können: "Ich will nur eines klarstellen: Ich kann mir vorstellen Markus, wie Du gesagt hast, Du würdest einige Leute kennen, die Du auch gerne auf den Mond schießen würdest. Ich war nicht gemeint, meine Damen und Herren.“

Seehofer und Söder wollen alles vermeiden was nach Streit aussieht

Für ihren gemeinsamen Auftritt haben sich Ministerpräsident und Parteichef offenbar abgesprochen keinen weiteren Anlass für Streit zu liefern. Schon bei ihrer Ankunft vor dem Stadttheater wird das deutlich. Streit, den gibt es nicht, sagen beide: "Ich könnte da keinen Streit feststellen", sagt Seehofer und Söder erwidert. "Nein natürlich net, es geht ja nur um die Frage wie wir stärker werden können." Seehofer mag auch nicht mehr darüber reden, ob er der CSU vielleicht den Wahlkampf verhagele und ob Söders Klage über den Berliner Gegenwind berechtigt sei. Seehofer muss an eine alte Langspielplatte denken: "Das ist doch immer die gleiche Platte. Frühere hatten die Schallplatten Sprünge. Da ging immer die gleiche Melodie wieder von vorne los."

Mitglieder sind genervt

Doch der Streit der letzten Tage hat an den Nerven gezerrt. Auch an den Nerven der Mitglieder, die am Abend gekommen sind. Johann Wallner oder Roswitha Rocholtz sind genervt: "Na, des müsste nicht sein. Das ist ganz schädlich für alles, was so ansteht. Mein Gott, des ist Bundespolitik und Bayernpolitik und ist halt weiter nicht schön, weil es ist natürlich sehr ungut momentan und ich hoff, dass sich die Leute doch noch besinnen und richtig wählen."

Und wer trägt die Verantwortung? Johann Wallner muss nicht lange überlegen "Mehrheitlich der Seehofer. Denk ich mir schon. Die ganzen Streitereien in der Koalition und auch mit dem Söder selber."

Für Emil Ludwig Mayer vom Ortsverein Ingolstadt und stolzer Trachtenträger sind die Spannungen zwischen Seehofer und Söder vor allem eine Frage der Herkunft. Der eine Franke, der andere Oberbayer, das musste ja schiefgehen. "I hob an Söder persönlich kennengelernt in der Residenz amoi. Mei des is a Franke und de ham a ihre eigenen Ansichten. Aber der werd sich bei der Wahl schwer tun, wenn man weiß: Franken, Oberbayern.“

Ein anderer meint, Seehofer und Söder sollten sich an einen Tisch setzen und ihren Streit wie Männer ausreden. Zumindest beim gemeinsamen Auftritt schienen beide bemüht, ihre Spannungen nicht weiter zu vertiefen.