Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Söder und Aiwanger: Mit Bäumen gegen die Grünen | BR24

© BR24

Wissenschaftler haben vor kurzem aufhorchen lassen mit der These, dass mehr Bäume auf der ganzen Welt den Klimawandel so effektiv bekämpfen würden, dass das 1,5-Grad-Ziel bei der Erderwärmung noch erreichbar sein könnte.

49
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Söder und Aiwanger: Mit Bäumen gegen die Grünen

Der Ministerpräsident und sein Vize zeigen ein Herz für Bäume: Söder und Aiwanger präsentieren sich derzeit verstärkt als Naturfreunde - und wollen sich damit in Stellung gegen die Grünen bringen. Deren Fraktionschef Hartmann kontert. Eine Analyse.

49
Per Mail sharen
Teilen

Erst ist es nur ein Baum, dann kommen weitere dazu, bis es viele sind. Oben lacht die Sonne, von links und rechts fliegen zwei Bienen ins Bild - mit einer Videoanimation feiert die CSU auf Twitter und Facebook den "Klimaschutz Made in Bayern". Im Begleittext heißt es: "Wir pflanzen im Freistaat in den nächsten Jahren 30 Millionen Bäume und bauen somit den schönsten CO2-Speicher aus."

Am Mittwoch hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Baumpflanz-Offensive der Staatsregierung angekündigt. Jetzt verbindet die CSU sie in den sozialen Netzwerken mit einem Seitenhieb auf die Grünen, den neuen Hauptgegner der Christsozialen. "Klimaschutz entsteht nicht durch Reden oder durch Parteitage der Grünen, sondern durch Handeln", schreibt die CSU auf Facebook und Twitter. "Bayern handelt."

Baumfreund Aiwanger

Eine ähnliche Stoßrichtung hatte vergangene Woche im Landtag eine Attacke von Freie-Wähler-Chef und Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger auf die Grünen: Während die Grünen in den 80er-Jahren den Untergang des deutschen Waldes vorausgesagt hätten, habe er selbst mit seinem Vater Bäume gepflanzt: "Meine Bäume sind heute zwanzig Meter hoch, sie tragen Kirschen, Äpfel, Birnen. Sie haben keinen Baum."

Bäume gegen das Volksbegehren

Bereits im Mai hatte Aiwanger anlässlich des Freie-Wähler-Landesparteitags in Amberg 450 junge Büsche und Bäume gespendet und vor dem Tagungsort aufbauen lassen - und wollte das als Kritik an Grünen und ÖDP verstanden wissen. Denn in Folge von deren Volksbegehren "Rettet die Bienen" habe manch Besitzer von Streuobstwiesen Obstbäume gefällt, damit die Wiese nicht zum Biotop erklärt werde.

Er selbst investiere daher gleich seine erste Ministerdiät in Bäume, "um wiedergutzumachen, was die Grünen angerichtet haben", betonte der Wirtschaftsminister. Die Kernbotschaft von Aiwangers Pflanzaktion glich jener des heutigen CSU-Tweets. "Andere reden, wir machen etwas, wir packen tatsächlich an", sagte der Freie-Wähler-Chef.

Der Wald als CO2-Speicher

Aiwanger nutzt seine Baum-Rhetorik also, um vor einer Umweltpolitik zu warnen, die sich gegen die Landwirte richtet. Dagegen präsentiert Söder seine Aufforstungs-Offensive als wichtigen Beitrag zum Klimaschutz: ihm zufolge soll der bayerische Staatswald durch zusätzliche Neupflanzungen als "Klimaspeicher" gestärkt werden. Im Wald finde "die beste CO2-Speicherung überhaupt" statt. Eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich hatte kürzlich aufgezeigt, wie viel Potenzial es für Aufforstung auf der Erde gibt, um CO2 zu binden.

Söders Vorstoß steht auch im Kontext der Debatte über die Grünen-Forderung nach einer CO2-Steuer, die der CSU-Chef strikt ablehnt: "Ich glaube, dass das auch ein bayerischer Beitrag ist gegen den Klimawandel, besser als manche CO2-Bepreisung."

Schwarz gegen Grün

Schon seit Monaten sucht der Ministerpräsident nach Wegen, den Höhenflug der Grünen zu stoppen: Angesichts der Zuwächse für die Öko-Partei bei der Landtags- und der Europawahl hat Söder die Grünen längst als neuen Hauptkontrahenten der CSU ausgemacht. "Das Duell heißt ab jetzt nicht mehr Schwarz gegen Rot, sondern eindeutig Schwarz gegen Grün", sagte er nach der Europawahl.

Dafür will er die CSU auch ein Stück weit grüner machen. Nach dem Erfolg des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" kündigte Söder an, das Thema Ökologie und Artenschutz werde in Bayern eine Priorität wie in keinem anderen Bundesland bekommen und stellte ein Millionen-Paket in Aussicht. Auch die Wälder will der Ministerpräsident sich einiges kosten lassen. Der Staatswald soll künftig nicht mehr gewinnorientiert bewirtschaftet werden, dem Haushalt entgehen dadurch 10 bis 30 Millionen Euro jährlich.

Hartmann: CSU hat ein Glaubwürdigkeitsproblem

Die Grünen zeigen sich erstaunt darüber, dass Schwarz-Orange ausgerechnet mit Bäumen gegen sie Stimmung macht. "Wir wollen seit Jahren Bayerns grüne Lunge großflächig schützen und klimafest machen", sagte Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann dem Bayerischen Rundfunk. Dazu zählten Aufforstungen und ein dritter Nationalpark. Die Pläne für diesen hatte Söder kurz nach seinem Amtsantritt auf Eis gelegt.

Der Grünen-Fraktionschef fügte hinzu: "Wer – wie CSU und Freie Wähler – gleichzeitig Kahlschlag für Autobahnen, Logistikbetriebe und Discounter ermöglicht und sich für geplante Aufforstungen im Voraus auf die eigene Schulter klopft, hat ein massives Glaubwürdigkeitsproblem."

Widerspruch für die Staatsregierung kommt derweil aus Sachsen: Ausgerechnet die dortige CDU reklamierte auf Twitter die Idee für Söders Wald-Offensive für sich: "Noch ein Unterstützer für die Idee aus unserem Regierungsprogramm. Markus Söder will auch Millionen neue Bäume pflanzen."