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Markus Söder bei der JU in Neuburg
© © Screenshot Twitteraccount Markus Söder

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Regina Kirschner
© © Screenshot Twitteraccount Markus Söder

Markus Söder bei der JU in Neuburg

Im Grunde geht es um ein umstrittenes Foto. Darauf abgebildet: Der bayerische Ministerpräsident am Rednerpult. Im Hintergrund ein überdimensionales Logo samt Slogan: "Bavaria One – Mission Zukunft." In der Mitte des Logos das Konterfei von Markus Söder - quasi als Kommandant der Mission Zukunft.

Söders Tweet

Das Foto wurde bei einer Wahlkampfveranstaltung der Jungen Union geschossen. Söder war so begeistert, dass er es anschließend selbst twitterte und dazu schrieb: "Zukunft heißt Technologie. Bayern ist Marktführer: Wir investieren in Digitalisierung, Robotik, künstliche Intelligenz, Hyperloop und Raumfahrt und entwickeln sogar Quantencomputer.""

Häme und Spott für Söder

Im Netz kam Söders Tweet gar nicht gut an. Die Nutzer auf Twitter hatten dafür vor allem eines übrig: Spott und Häme. Von "selbstverliebtem Personenkult" war da die Rede. "Die Selbstüberschätzung von Ministerpräsident Markus Söder reicht schon bis zum Mond", twitterte die taz. Ein Nutzer schrieb in Anlehnung an den Song Major Tom: "Jetzt ist Major Markus völlig losgelöst." Andere wollten den bayerischen Ministerpräsidenten am liebsten gleich mit auf den Mond schießen oder stichelten: "wenigstens habe Söder bei seiner Rede nicht auch noch einen Raumanzug an".

Für Söder sind das "Kinderdebatten“"

Söder reagierte genervt auf die Kritik in den sozialen Medien und verteidigte das Raumfahrtprogramm der Staatsregierung.

"Es zeigt doch in welchem Zustand wir in Deutschland über Politik diskutieren. Wir haben solche Herausforderungen vor uns. Und wenn manche sich über ein Logo wundern, dann ist doch klar, wie deren Zukunftskapazitäten aussehen. Unser Land braucht Entscheidungen für die Zukunft und keine Kinderdebatten." Ministerpräsident Markus Söder

Urheber ist die JU, nicht die Staatskanzlei

Außerdem käme das umstrittene Logo ja nicht von ihm selbst und nicht vom Staat. Das Foto, das Söder auf der Bühne mit dem großen Logo im Rücken zeigt, wurde am Mittwoch bei seinem Auftritt bei der Jungen Union in Neuburg an der Donau geschossen. Die JU wiederum nutzt das Logo schon seit Wochen als Werbe-Gag im Wahlkampf. Manchen Medien wirft Söder daher Fake News vor.

"Zunächst einmal ist beeindruckend, wie mittlerweile mit Fake News operiert wird. Sogar Medien verwenden Fake News. Da wurde versucht, Logos, die die JU bei Wahlkampfveranstaltungen verwendet, zu unterstellen, das würde der Staat machen. Man merkt leider das Niveau in diesem Wahlkampf, das täglich sinkt." Markus Söder, Ministerpräsident

Kritik der Opposition: "Ulknummer" und "Bavarian Größenwahn"

Die Opposition hingegen kritisiert das Raumfahrtprogramm als Bavarian Größenwahn und hält das Ganze für eine absurde Wahlkampfmasche - angesichts der schlechten Prognosen für die CSU. Schließlich hat Söder das Bild ja auch selbst getwittert und mit einem Werbetext für "Bavaria One" versehen.

Der Spitzenkandidat der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, kritisierte daher in der BR-Wahlarena gestern Abend: Bavaria One sei eine "Ulknummer". "Wenn er (Söder) sich vor einem riesigen eigenen Bild fotografieren lässt, das ausschaut, wie der nordkoreanische Präsident, dann muss ich sagen, hat er jedes Fingerspitzengefühl verloren", so Aiwanger im BR Fernsehen.

SPD hält Söder für "entrückt"

Auch Uli Grötsch, Generalsekretär der BayernSPD kann sich da nur die Augen reiben. Es brauche in Bayern andere Dinge als ein 700-Millionen-Raumfahrtprogramm, ärgert er sich: "Das zeigt mir, wie entrückt Herr Söder offenbar schon ist. Und dass er sich auch noch auf einem Logo abbilden lässt, dazu mögen sich die Menschen selber eine Meinung bilden."

FDP nutzt JU-Logo als Bildvorlage

Allerdings: Nicht alle scheinen den Post Söders so absurd zu finden. Der Spitzenkandidat der FDP nutzte das Logo gleich in eigener Sache. Martin Hagen hat das Bild von Markus Söder mit seinem eigenen Konterfei ersetzt und dazu geschrieben: "Mission Zukunft – natürlich mit uns!"