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Söder kündigt 500 Euro Bonus für Pflegekräfte an | BR24

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Die Pflegebranche hat zurückhaltend auf die von der Staatsregierung versprochene Prämie reagiert. Die 500 Euro seien ein positives Signal und eine erste Anerkennung, könnten aber nur der Anfang sein, so die Vereinigung der Pflegenden in Bayern.

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Söder kündigt 500 Euro Bonus für Pflegekräfte an

Bayern will den Einsatz der Pflegekräfte in der Coronakrise honorieren. Wie Ministerpräsident Söder ankündigte, sollen 250.000 Beschäftigte 500 Euro Bonus bekommen. Bayerns Pflegevereinigung betonte, dies könne nur der Anfang sein.

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Pflegekräfte sind wegen der Coronakrise derzeit besonders stark belastet - in Bayern sollen sie deshalb nach dem Willen von Ministerpräsident Markus Söder einen Bonus von 500 Euro erhalten. Das kündigte der CSU-Chef am Sonntag über den Kurznachrichtendienst Twitter an.

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Die zunächst einmalige Bonuszahlung gilt nicht nur für das Pflegepersonal in Kliniken, sondern auch für das in Alten-, Pflege- und Behindertenheimen, insgesamt sind das rund 250.000 Beschäftigte. Den Freistaat kostet das etwa 126 Millionen Euro.

Im Bayerischen Rundfunk betonte Söder, der steuerfreie Bonus sei "ein herzliches Dankeschön einfach für alle, die jetzt diesen großen Dienst leisten". Es reiche eben nicht nur zu loben, "ein bisschen Anerkennung sollte auch finanziell drin sein".

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Ministerpräsident Markus Söder will allen bayerischen Pflegekräften eine steuerfreie Bonuszahlung zukommen lassen.

Pflegeverbands-Präsident: "Kann nur der Anfang sein"

Georg Sigl-Lehner, der Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern, sagte dem BR: "Wir nehmen es als positives Signal auf, aber es kann nur der Anfang sein."

Das was man jetzt erlebe, gehe weit über das hinaus, was von einem Menschen abzuverlangen sei, so Sigl-Lehner. Die 500 Euro seien eine erste Anerkennung, nach der Krise müsse aber über einen kompletten Systemwechsel in allen Bereichen der Pflege nachgedacht werden. Betroffen seien außerdem nicht nur die Pflegekräfte in den Heimen, ergänzt Sigl-Lehner, sondern auch Reinigungskräfte, die die immensen Hygienemaßnahmen umsetzen müssen, die Küchenkräfte und viele andere mehr. Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft Verdi.

BRK fordert Anerkennung für Rettungskräfte

Das Bayerische Rote Kreuz lobt die Zahlung an die Pflegekräfte, fordert aber zugleich eine Anerkennung für Rettungskräfte aller Organisationen. "Sie arbeiten an Belastungsgrenzen, haben tagtäglich mit infizierten Patienten zu tun … und viele von ihnen haben sich bereits infiziert", sagte BRK-Präsident Theo Zellner.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) begrüßt die Entscheidung, den Einsatz in der Coronakrise mit 500 Euro pro Pflegekraft zu honorieren. Aiwanger nennt dies ein "Signal der Wertschätzung" für die Pflegekräfte.

Die Bonuszahlung soll an diesem Dienstag im Kabinett beschlossen werden und das Geld so bald wie möglich bei den Pflegekräften ankommen.

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Bayern will den Einsatz der Pflegekräfte in der Corona-Krise honorieren. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger begrüßt die Entscheidung. Er spricht von einem "Signal der Wertschätzung" für die Pflegekräfte.

Grüne forderten bereits vor Tagen "Gefahrenzulage"

Vor wenigen Tagen hatten die Bayerischen Grünen bereits einen ähnlichen Vorschlag gemacht. In einem 20-Punkte-Plan zur Coronakrise, den die Partei beschlossen hat, wird eine steuerfreie Gefahrenzulage für alle Mitarbeiter im ärztlichen und pflegerischen Sektor von bis zu 500 Euro pro Monat gefordert. "Applaus mag das Brot des Künstlers sein. Man kann ihn aber nicht essen und seinen Kindern keine Kleidung davon kaufen", äußerte sich Fraktionschefin Katharina Schulze zu dem Papier.

Mit Konjunkturprogramm Wirtschaft "ankurbeln"

Ministerpräsident Söder zufolge braucht es nach der Coronakrise ein riesiges Konjunkturprogramm, wie er in der "Bild am Sonntag" betonte: "Unsere Exportwirtschaft wird noch länger leiden, selbst wenn wir in Deutschland die Krise überstanden haben. Dann müssen wir die Inlandsnachfrage ankurbeln. Das heißt: keine Steuererhöhungen, sondern Steuersenkungen."

Zudem müsse der Soli schneller und für alle abgeschafft werden. Und die Einkommensteuer sollte insgesamt sinken, damit möglichst viele Arbeitnehmer mehr Geld in der Tasche hätten. Die Automobilindustrie müsse mit einem eigenen Programm gestärkt werden - diesmal nicht mit einer Abwrack-, sondern mit einer Innovationsprämie, so der Ministerpräsident.

Nationale Notfallproduktion für Schutzmasken

Söder sprach sich in dem Interview außerdem für eine nationale Notfallproduktion für Schutzmasken aus. "Es ist auf Dauer nicht akzeptabel, dass wir uns auf dem Weltmarkt gegen die Wildwest-Methoden einiger Länder beim Aufkaufen von Schutzausrüstung zur Wehr setzen müssen", erklärte er.

Dennoch will sich Söder derzeit nicht auf eine Maskenpflicht festlegen. Ein Mundschutz sei kein "gleichwertiger Ersatz" für eine Ausgangsbeschränkung oder Kontaktsperre. Ebenso wenig reiche ein Tuch oder Schal. "Wir brauchen ordentliche Masken", so der Politiker.

Söder: Keine zu schnelle Rückkehr zum Alltag

Im Moment sei laut Söder jedoch Geduld gefragt. Man dürfe jetzt nichts überstürzen. Über eine zu schnelle Rückkehr zum Alltag zu sprechen, verharmlose die Situation und riskiere einen starken Rückfall. "Mit dem 20. April wird nicht alles automatisch so wie vor der Krise", machte er deutlich. "Wir haben bis jetzt allein in Bayern durch unser besonnenes und konsequentes Handeln laut unseren Experten bis zu 25.000 Infektionen mehr verhindert. Das sollten wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen."

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