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Söder in Münchner Synagoge: "Keine Toleranz den Intoleranten" | BR24

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Beim gemeinsamen Gebet in der Ohel-Jakob-Synagoge in München sprach sich Ministerpräsident Markus Söder für härte Strafen für Antisemitismus aus. Er verpflichtete sich zum Schutz des jüdischen Lebens in Bayern und kritisierte die AfD.

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Söder in Münchner Synagoge: "Keine Toleranz den Intoleranten"

Beim gemeinsamen Gebet in der Ohel-Jakob-Synagoge in München sprach sich Ministerpräsident Markus Söder für härte Strafen für Antisemitismus aus. Er verpflichtete sich zum Schutz des jüdischen Lebens in Bayern und kritisierte die AfD.

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"Wir haben nicht die Worte, Ihnen zu danken", so eröffnete der Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman das gemeinsame Gebet in der Hauptsynagoge der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Dass Ministerpräsident Markus Söder am Gebet teilnehme, sei nicht selbstverständlich und zeige Söders Solidarität und, dass ihm die jüdische Gemeinde wichtig sei. "Dieser Tag wird in den Geschichtsbüchern festgehalten werden", so Brodmann. Schon immer habe das jüdische Volk für Frieden, Erfolg und den Wohlstand aller Nationen gebetet.

Verpflichtung zum Schutz jüdischen Lebens

Sein Besuch sei Bekenntnis und Verpflichtung zugleich, sagte Ministerpräsident Markus Söder. Außerdem sei das Gebet die beste Form der Verbindung und des Gemeinsamen. "Das hässliche Gesicht des Antisemitismus ist erwacht", so Söder weiter, "jetzt ist eine Grenze erreicht, an der wir stoppen müssen." Wenn Schüler auf dem Schulhof beschimpft und Familien bedroht würden und sich jüdische Menschen nicht mehr trauten, in der Öffentlichkeit Kippa zu tragen - dann müsse der Staat dagegen vorgehen. Söder sprach sich für härtere Strafen für Antisemitismus aus. Beschämt sein allein reiche nicht mehr aus.

"Keine Toleranz gegenüber Intoleranten" - damit richtete sich Markus Söder auch gegen Politiker und Anhänger der AfD. Es sei ein Tiefpunkt gewesen, als im Juni ein AfD-Politiker im bayerischen Landtag beim Totengedenken für den ermordeten früheren Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke "bewusst sitzen blieb", wie es Söder formulierte. "Diese politischen Bewegungen sind nicht bürgerlich, sondern anti-bürgerlich", so der Ministerpräsident. Die AfD sei eine "Heimat für alte Gedanken und alte Nazis".

Gemeinsames Gebet auf Deutsch und Hebräisch

Nach der Ansprache des Ministerpräsidenten und des Gemeinderabbiners rezitierten beide Psalmen auf Deutsch und Hebräisch. Darunter den Psalm 121: "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?" Dass ein christlicher Politiker in einer Synagoge ein Gebet spricht, ist nicht selbstverständlich.

In ihren Dankworten am Ende des Gebets bezeichnete die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, Söders Besuch als "starkes Signal". Auch Knobloch zeigte sich besorgt mit Blick auf die jüngsten antisemitischen Vorfälle und kritisierte die AfD als "Partei, die uns bedroht", warnte aber auch vor Antisemitismus von muslimischer Seite, von links und aus der Mitte der Gesellschaft.

"Ein neuer, alter Antisemitismus hat sich in den vergangenen Jahren in der Mitte der Gesellschaft erneut explosionsartig ausgebreitet. Es geht längst wieder um die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft." Die Gegner der Demokratie seien aber immer nur so stark, wie die Demokraten schwach sind, fügte Knobloch hinzu und beendete ihre Rede mit den Worten: "Wir sind hier und wir bleiben hier!"