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Archivbild: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist zugeschaltet beim digitalen Bundesparteitag der CDU und spricht ein Grußwort

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    Söder für Deutschland: CSU wirbt um Mitglieder außerhalb Bayerns

    Nach der großen Unterstützung für eine mögliche Kanzlerkandidatur Markus Söders aus der CDU wirbt die CSU offensiv um Mitglieder in anderen Bundesländern. Die Aktion sorgt in den sozialen Netzwerken für Wirbel. Provoziert die CSU die Schwesterpartei?

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    Von
    • Petr Jerabek

    Ob auf Twitter, Facebook oder Instagram: Kurz nach dem Ende des Machtkampfs zwischen dem CDU-Vorsitzenden Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder trommeln die Christsozialen in den sozialen Netzwerken für Unterstützung auch in anderen Bundesländern. "Jetzt deutschlandweit Online-Mitglied werden und Markus Söder unterstützen", heißt es über einem Bild des CSU-Chefs, der vor blauem Hintergrund den Blick in die Ferne schweifen lässt.

    Nun gibt es die Online-Mitgliedschaft der CSU schon seit mehreren Monaten - doch der Zeitpunkt der Social-Media-Kampagne ist bemerkenswert: Am Dienstag zog Söder nach tagelangem Ringen um die Kanzlerkandidatur zugunsten Laschets zurück und sagte ihm die volle Unterstützung der CSU zu - "ohne Groll". Keine zwei Tage später wirbt die CSU offensichtlich um Enttäuschte in ganz Deutschland, die sich einen Kandidaten Söder gewünscht hätten: "Markus Söder unterstützen? Bei uns möglich!" Das lässt sich durchaus als Botschaft an CDU-Anhänger lesen: Wenn Euch der CDU-Vorstand Söder als Kanzlerkandidaten vorenthält - dann kommt halt zu uns.

    Söder, der "Kandidat der Herzen"

    Söder lag in Umfragen über Monate deutlich vor Laschet. Neben mehreren CDU-Ministerpräsidenten und der Jungen Union sprachen sich auch mehrere CDU-Landesverbände für eine Kanzlerkandidatur Söders aus. CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte am Mittwochabend im BR-Politikmagazin "Kontrovers": "Wir hatten eine Woche der Euphorie, des Zuspruchs für Markus Söder aus dem ganzen Bundesgebiet. Markus Söder hat begeistert." Schon am Dienstag hatte er Söder zum "Kandidaten der Herzen" ausgerufen.

    Zwar beschwört die CSU nun die Geschlossenheit der Union. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll es in der Nacht zum Montag zwischen Laschet und Söder aber kräftig gekracht haben: Laschet habe dem CSU-Vorsitzenden klargemacht, dass er eine Kandidatur Söders auf keinen Fall akzeptieren würde.

    Spott in den sozialen Netzwerken

    In den sozialen Netzwerken fragen jedenfalls viele Nutzer, wie die neue Social-Media-Kampagne zu den jüngsten offiziellen Harmoniebekundungen passen soll. Der Bochumer Politikwissenschaftler Ismail Küpeli spottete auf Twiter: "Richtig gut, wie locker Markus Söder mit seiner Niederlage klarkommt und wie die CSU mit aller Kraft Armin Laschet supportet." So mancher User wertete die Aktion als eindeutige CSU-Reaktion auf das Ende des Machtpokers - wahlweise als Provokation, Seitenhieb oder gar Kampfansage an die Schwesterpartei.

    Hunderte Anträge: CSU "kommt kaum hinterher"

    Die CSU-Landesleitung weicht der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der heutigen Social-Media-Kampagne und den Ereignissen Anfang der Woche gibt, freilich aus. Blume verweist auf Anfrage aber immerhin mit Blick auf die Aktion abermals auf den großen Zuspruch für Söder zuletzt. Die CSU freue sich, dass das Angebot der Online-Mitgliedschaft "nun vermehrt nachgefragt wird".

    Konkrete Zahlen zur Online-Mitgliedschaft könnten aufgrund der zeitversetzten Erfassung und Bearbeitung der Anträge noch nicht genannt werden, teilt die CSU-Landesleitung mit. "Allerdings ist seit Montag ein sprunghafter Anstieg bei den Mitgliedsanträgen erkennbar." Die CSU komme bei der Bearbeitung derzeit kaum hinterher. "Es sind in den vergangenen Tagen mehrere Hundert Anträge eingegangen."

    "Geschwisterliche Parteimitgliedschaft" in CDU und CSU möglich

    Ein Mann aus Schleswig-Holstein, der auf Twitter seinen Online-Eintritt in der CSU verkündete, "um ein deutliches Zeichen zu setzen", bekam einen Begrüßungs-Tweet sowohl von CSU-Generalsekretär Markus Blume als auch dessen Stellvertreter Florian Hahn. Zahlreiche weitere CSU-Politiker verbreiteten den Aufruf ihrer Partei weiter.

    Im Gegensatz zu Mitgliedern anderen Parteien können CDUler der CSU online beitreten. Bereits im vergangenen Jahr hatte Blume erläutert, dass die CSU-Mitgliedschaft eigentlich die Zugehörigkeit zu einer anderen Partei ausschließe; die "geschwisterliche Parteimitgliedschaft" in CDU und CSU sei aber auch bisher schon möglich gewesen.

    In weniger als einer Minute in der CSU

    Blume hatte bei der Einführung der Online-Mitgliedschaft im September 2020 geschwärmt: Es sei nun möglich, in weniger als einer Minute mit wenigen Tastenklicks eine CSU-Onlinemitgliedschaft zu begründen. Als erstes Online-Mitglied präsentierte Blume damals den Generalsekretär der CDU, Paul Ziemiak, mit dem er am Vortag in den bayerischen Bergen wandern gewesen sei. Damals war Laschet noch nicht CDU-Chef, der Kampf um die Kanzlerkandidatur noch Zukunftsmusik, und die neu gewonnene Harmonie zwischen den Schwesterparteien wurde sehr großgeschrieben.

    Die Online-Mitgliedschaft kostet im Jahr 60 Euro - und damit 20 Euro weniger als die Vollmitgliedschaft. "Online-Mitglieder erhalten Informationen aus erster Hand! Online-Mitglieder bestimmen Politik mit!", verspricht die CSU im Internet. Allerdings gehören Online-Mitglieder keinem CSU-Ortsverband an und haben somit kein Wahl- und Stimmrecht und können auch nicht für CSU-Gremien kandidieren.

    Sogar Ramelow reagiert

    Auch Politiker jenseits der Union nahmen die CSU-Kampagne heute mit Erstaunen zur Kenntnis. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Claudia Müller aus Mecklenburg-Vorpommern twitterte: "Volle Unterstützung für den gemeinsamen Kandidaten Laschet sieht anders aus." Micha Heitkamp, Mitglied im nordrhein-westfälischen SPD-Landesvorstand, staunte: "Ich weiß gar nicht, was schlimmer ist. Dass die CSU so offen weiter gegen die CDU vorgeht oder dass sie glaubt, ausgerechnet mit Söder einen Personenkult schaffen zu können. Irre."

    Sogar Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kommentierte die Aktion - und stellte sie in einen größeren historischen und politischen Zusammenhang: Auf Twitter verwies er auf den "berühmten Kreuther Trennungsbeschluss", mit dem die CSU 1976 die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU kurzzeitig aufgekündigt hatte. Ramelows Analyse: "Die Bonner Republik stirbt jetzt endlich vor unseren Augen und das ist wirklich gut so. Dies sind nur einige Begleittöne dazu."

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