BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Taktgeber der Union: Ein Jahr Markus Söder als CSU-Chef | BR24

© BR

Söder ein Jahr CSU-Chef

53
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Taktgeber der Union: Ein Jahr Markus Söder als CSU-Chef

Seit einem Jahr ist Markus Söder Parteivorsitzender der CSU. Mittlerweile gibt er auch in der Union den Takt an - obwohl er den CSU-Chefposten aus strategischen Gründen lange abgelehnt hatte.

53
Per Mail sharen
Teilen

Seit genau einem Jahr ist Markus Söder CSU-Chef. Beim Parteitag in München wurde der bayerische Ministerpräsident damals mit vergleichsweise mageren 87,4 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden gewählt. Sein Vorgänger und langjähriger Rivale Horst Seehofer verabschiedete sich damals mit der Mahnung, auf die kleinen Leute aufzupassen - und betonte, er habe sein Werk getan.

Söder wiederum hatte lange aus strategischen Gründen kein Interesse am Posten als CSU-Chef - aber seit er ihn innehat, hat Söder sichtbar Lust an der Doppelrolle gefunden. Dass er sich zunächst sperrte, ist mit Seehofer zu erklären. Der hatte Söder einst angeboten, CSU-Chef zu werden - und wollte im Gegenzug weiter Ministerpräsident und starker Mann in München bleiben. Das wollte Söder aber nicht - bereits im März 2018 übernahm er das Amt des Regierungschefs von Seehofer.

Als CSU-Chef bemühte sich Söder sofort um eine Annäherung an die CDU, nachdem sich Seehofer und die damalige CDU-Vorsitzende Angela Merkel in der Migrationspolitik teils heftig überworfen hatten. Inzwischen ist Annegret Kramp-Karrenbauer CDU-Chefin. Sie sagt über Söder und sich: "Wir beide bilden eine Achse." Und beide versichern: Einen Streit wie zwischen Merkel und Seehofer werde es nicht mehr geben.

Söder gilt als die derzeit dominante Figur der Union

Ursula Münch, Leiterin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, sieht innerhalb der Union einen klaren Vorteil für Söder. "Söder vermittelt diese Zupackungskraft, diese Zuversicht, diese Gestaltungsfähigkeit, diese Macht - und das vermittelt Frau Kramp-Karrenbauer zumindest im Augenblick nicht", sagt Münch. Anders als Söder bei der CSU könne Kramp-Karrenbauer in ihrer Partei zudem nicht unangefochten agieren.

Wie dominant Söder auftritt, ließ sich zuletzt bei der Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten in Kloster Seeon beobachten. Söder preschte mit einem Vorschlag vor, das Bundeskabinett zu verjüngen. Mit Kramp-Karrenbauer oder Bundeskanzlerin Merkel war das nicht abgestimmt - trotzdem folgte ihm Kramp-Karrenbauer überraschend.

Münch: AKK wirkt wie "Begleitfigur"

Söder ist im Moment der starke Mann der Union - dafür sprach auch sein umjubelter Auftritt auf dem CDU-Parteitag in Leipzig vergangenen November. Danach stieg der 53-Jährige sogar selbst zu einem Favoriten für die Kanzlerkandidatur auf. Für Politikwissenschaftlerin Münch erscheint Kramp-Karrenbauer bei solchen Anlässen wie eine Begleitfigur. Söders Rede sei aus bayerischer Sicht völlig normal und gut bekannt gewesen. Dennoch schaffte Söder es, eine Aufbruchstimmung zu vermitteln. "Die CDU war begeistert, weil da fehlt es an Leuten, die das vermitteln, was er vermittelt", sagt Münch.

Söder ist als Parteichef also unangefochten - was seine eigene Basis aber nicht daran hindert, ihm auch mal die Gefolgschaft zu verweigern. Beim Parteitag im vergangenen Oktober wurde Söder zwar mit 91,3 Prozent als Parteichef bestätigt - doch als es darum ging, auf CSU-Kreisebene eine Frauenquote einzuführen, scheiterte er. Sein Frust war unüberhörbar: "Es wirft uns als Partei um Jahre zurück", rief Söder den Delegierten zu. Auch Politikwissenschaftlerin Münch nennt das Ergebnis eine Niederlage, weil man gemerkt habe, dass das nicht eingeplant war und der Widerstand überraschend kam.

Frauenquote: Niederlage beim CSU-Parteitag

Auf seinem Weg, die CSU jünger, weiblicher und auch moderner zu machen, kommt Söder nur Schritt für Schritt voran. Es zeigt sich, dass die Basis regional oft viel traditionalistischer ist als die Führung. Möglicher Kritik an ihm baute Söder schon beim Parteitag vor: "Es braucht dann bitte keiner zum Vorstand kommen und sagen, hier sollt ihr nix sagen, aber die Wahlen sollt ihr dann gewinnen. Das wird auf Dauer schwierig werden."

Inhaltlich richtet Söder die Partei ökologischer und grüner aus. In seiner schwarz-orangen Staatsregierung entstand im Jahr das nicht unumstrittene Artenschutz-Paket. Im politischen Wettbewerb stellte Söder die CSU auf eine Auseinandersetzung mit den Grünen ein, auch wenn er ahnt, dass am Ende womöglich nur eine schwarz-grüne Koalition möglich ist. "Wir setzen auf Sieg und nicht auf Platz", betonte Söder beim Parteitag im Oktober.

Vorgänger Seehofer: Bundesminister auf Abruf

Sein Vorgänger Seehofer mischt sich dagegen nicht mehr ein. Der Bundesinnenminister meidet Parteitage, Klausuren und Sitzungen des Parteivorstands. Und auf Söders jüngsten Vorstoß zu einer Kabinettsumbildung reagierte der 70-Jährige mit einer fast typischen Seehofer-Bemerkung: In seinem Alter müsse man täglich nach dem Aufstehen prüfen, ob man noch im Amt sei. Klar ist allerdings: Sollte Seehofer bald das Amt des Bundesinnenministers verlieren, würde das die CSU nicht besonders erschüttern - denn seit einem Jahr richten sich fast alle nach Söder aus.

© BR

Seit genau einem Jahr hat die CSU einen neuen Chef: Markus Söder.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!