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Söder dämpft Vorfreude auf Weihnachtsmärkte | BR24

© picture alliance/chromorang

Archivbild: Weihnachtsmarkt in Coburg

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    Söder dämpft Vorfreude auf Weihnachtsmärkte

    Gut sechs Wochen vor dem Start der Adventszeit zeigt sich Bayerns Ministerpräsident Söder mit Blick auf die Weihnachtsmärkte skeptisch. Die Corona-Inzidenz wachse überall im Freistaat. Wirtschaftsminister Aiwanger bemüht sich dagegen um Optimismus.

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    Dichtes Gedränge an Marktständen mit Christbaumkugeln und Lebkuchen, ausgelassene Glühwein-Runden im Kollegenkreis - auch das wird es in diesem Jahr wegen Corona im Freistaat nicht geben. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schließt zwar derzeit nicht grundsätzlich aus, dass in sechs Wochen einige Weihnachtsmärkte ihre Pforten öffnen werden, stellte heute aber klar: Wenn es überhaupt Weihnachtsmärkte geben sollte, dann in sehr veränderter Form. "Es wird sowieso keiner so stattfinden, wie man ihn kennt", sagte Söder.

    Wohl kein Weihnachtsmarkt bei Inzidenzwert über 50

    Die grundsätzliche Entscheidung hänge sehr stark von der weiteren Entwicklung der Corona-Zahlen ab, betonte Söder und schob schnell hinterher: "Wobei mein Gefühl mir sagt im Moment, dass es überall stark wächst." Die rote Linie steht für Söder dabei fest: "Ich hab's immer gesagt: Wenn über 50, ist die Wahrscheinlichkeit gering. Muss man einfach so sagen."

    Derzeit liegt in Bayern mehr als ein Dutzend Kommunen über dem Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz). Darunter sind Städte wie München, Augsburg, Schweinfurt und Weiden, aber auch Landkreise wie Regen, Rottal-Inn und Berchtesgadener Land.

    Söder: Unterschied zwischen Stadt und Land

    Insbesondere für die Weihnachtsmärkte in den großen Städten sieht Söder offenbar eher schlechte Perspektiven. Denn bei den Inzidenz-Werten muss seiner Meinung nach unterschieden werden: "50 in der Großstadt sind schwieriger als 70 am Land" - wegen der Nachverfolgbarkeit der Infektionsketten. Immer wieder machte der Ministerpräsident in den vergangenen Tagen und Wochen auch deutlich, wie kritisch er angesichts der Corona-Ausbreitung den Ausschank und Konsum von Alkohol sieht.

    Sollte es in den nächsten vier Wochen gelingen, die Infektionszahlen wieder zu senken, könnten Weihnachtsmärkte laut Söder aber möglich sein. "Ich glaube, das Weihnachtsfest hängt sehr stark insgesamt davon ab, wie entschlossen und konsequent wir jetzt sind." Je weiter die Bekämpfung der Corona-Ausbreitung hinausgeschoben werde, "desto stärker ist Weihnachten im Fokus".

    Aiwanger verbreitet bei Weihnachtsmärkten Optimismus

    Um deutlich positivere Signale bemühte sich derweil in derselben Pressekonferenz der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der im Sommer schon ein Verfechter von Alternativkonzepten für Volksfeste war. Erst am Mittwoch habe es zu den Weihnachtsmärkten einen runden Tisch mit Schaustellern, den Kommunen und verschiedenen Ministerien gegeben, warf er ein. "Und wir arbeiten jetzt hier wirklich am letzten Schliff."

    Aiwanger verwies darauf, dass Weihnachtsmärkte ja Freiluft-Events seien. "Es gibt ja auch Wochenmärkte, Lebensmittelmärkte und so weiter, die natürlich auch stattfinden dürfen", gab der Minister zu bedenken und fügte hinzu: "Wenn wir entsprechende Konzept haben und die Zahlen nicht davongaloppieren, halte ich es für durchaus möglich und durchführbar."

    Aiwanger: Weihnachtsmärkte gut für die Seele

    Nach Überzeugung des Wirtschaftsministers wäre es auch "für die öffentliche Seele" und für "die Psyche" sehr wichtig, wenn Weihnachtsmärkte Ende November öffnen können. Er lehnte es daher ab, jetzt schon alles abzusagen. Stattdessen kündigte Aiwanger Hilfestellungen für die Bürgermeister vor Ort an. "Dass wir wenigstens das Möglichste möglich machen."

    SPD-Fraktionschef kritisiert Söders Äußerung

    Der bayerische SPD-Fraktionschef Horst Arnold hält Söders heutige Äußerungen über die Weihnachtsmärkte im Freistaat für wenig hilfreich. Es brauche klare Richtlinien, sagte Arnold im BR Fernsehen. Dabei gehe es auch um die Frage der Verhältnismäßigkeit. Der SPD-Politiker betonte, dass Weihnachtsmärkte draußen und mit einem Hygienekonzept stattfinden würden.

    Kommunen erarbeiten Konzepte für Weihnachtsmärkte

    In vielen Kommunen wird schon seit Wochen an Konzepten gearbeitet, wie Weihnachtsmärkte in Corona-Zeiten organisiert werden können. In Nürnberg beispielsweise soll der Christkindlesmarkt unter Auflagen stattfinden - mit Einbahnstraßen und Maskenpflicht. Den traditionellen Prolog zur Eröffnung wird es in diesem Jahr aber nur virtuell zu hören und sehen geben: Das Christkind Benigna Munsi wird nicht auf der Frauenkirche auftreten, stattdessen soll der Prolog live im Internet gestreamt werden.

    Auch in Regensburg soll heuer trotz Corona Adventsstimmung aufkommen: Die Stadt plant allerdings einen "dezentralen Christkindlmarkt". Die Buden sollen dabei luftiger stehen, verteilt auf mehrere Straßen und Plätze. Zudem sollen Mund-Nasen-Schutz und Mindestabstand für Besucher Pflicht sein.

    Auch die Stadt München hofft auf einen Weihnachtsmarkt mit "speziellem Corona-Konzept" - sofern es das Infektionsgeschehen zulässt. Einige Kommunen und Veranstalter habe noch keine abschließende Entscheidung getroffen, mancherorts wurden Weihnachtsmärkte für dieses Jahr allerdings schon abgesagt.

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