BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern
© BR
Bildrechte: BR

Ministerpräsident Markus Söder hält eine Corona-Impfpflicht für Kinder für denkbar.

3
  • Artikel mit Video-Inhalten

Söder bringt Corona-Impfpflicht ab zwölf Jahren ins Spiel

Ministerpräsident Markus Söder kann sich vorstellen, dass die allgemeine Corona-Impfpflicht auch für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gilt. Das würde zu deutlich mehr Sicherheit an den Schulen führen, sagte er bei "jetzt red i".

Von
Christine MemmingerChristine Memminger
3

Die Stimmung ist angespannt, die Blicke sorgenvoll. Am Abend vor dem Bund-Länder-Gipfel antwortet Markus Söder bei "jetzt red i" auf die Fragen der Bürgerinnen und Bürger zu den aktuellen Corona-Maßnahmen.

Nur fünf Personen sitzen im Publikum, wo sonst über hundert Platz haben. Dabei war das Interesse im Vorfeld der Sendung groß, viele hätten den Ministerpräsidenten gerne live mit ihren Anliegen konfrontiert. Entsprechend erreichen die Redaktion im Sekundentakt E-Mails und Kommentare. Es gibt viel Redebedarf zu Beginn des Corona-Winters.

Söder: Impfpflicht ab zwölf Jahren "wäre gut"

Vor allem die von Söder favorisierte allgemeine Impfpflicht gegen Covid-19 sorgt für viele Fragen. Ob diese denn auch für Kinder gelten soll, will eine Zuschauerin wissen. "Das muss man diskutieren", antwortet der Ministerpräsident. "Generell wäre es natürlich gut, wenn die Impfpflicht zumindest bei denen, wo der Impfstoff schon erprobt ist, ab zwölf, auch stattfinden würde."

Das ließe sich laut Söder erstens schnell durchführen und würde zweitens "die Schule absolut sicher machen". Musikunterricht oder Sport wären dann auch entsprechend schneller wieder für Jugendliche möglich. Er könne sich auch vorstellen, dass direkt im Klassenzimmer geimpft wird. In Bezug auf jüngere Kinder müsse man noch abwarten, wie das Impfangebot angenommen wird.

Mutter fordert von der Politik eine Entschuldigung

Die dreifache Mutter Solvejg Lindner aus Samerberg in Oberbayern konfrontiert den Ministerpräsidenten mit dem Wunsch ihrer Tochter, dass Corona endlich vorbei sein soll. "Dann muss sie halt wirklich her, die Impfpflicht, und zwar schnell und heute, damit es endlich vorbei ist", meint Lindner. Bereits dreimal musste die Familie inzwischen in Corona-Quarantäne und hat Angst um ihre Gesundheit.

Die Versäumnisse der Politik sieht Lindner in den Sommermonaten, als das Impftempo nachgelassen hat. Deshalb fordert sie Söder auf: "Ich würde mir wünschen, dass ein Politiker wie Sie sich auch mal hinstellen und sagt: Leute, wir haben es vercheckt. Es tut uns Leid, wir haben das im Sommer nicht gemacht."

© BR
Bildrechte: BR

Solvejg Lindner fordert bei "jetzt red i" eine Entschuldigung von Ministerpräsident Söder.

Söder: "Es macht null Spaß"

Diese Entschuldigung bekommt sie vom CSU-Vorsitzenden nicht, dafür Verständnis. "Ich wünsche mir auch dass es vorbei ist", sagt er. "Es macht null Spaß." Stattdessen verweist Söder darauf, dass er als einer der Wenigen auch im Sommer zu mehr Impfungen geraten hätte. "Wenn ich alles alleine entscheiden könnte, wäre es leichter." In der Demokratie müsse man aber Kompromisse machen.

Auch dem Vorwurf vieler Eltern, dass Kinder und Jugendliche in der Corona-Pandemie hinten angestellt wurden, widerspricht Söder in der Sendung. "Kinder und Familien sind das Wichtigste", sagt er. Deshalb würden jetzt auch mit Erfolg die Schulen offen gehalten. Gegenüber einer Verlängerung der Weihnachtsferien äußert er sich skeptisch, da viele Eltern dann ein Betreuungsproblem bekämen. Mit Maske und Testen seien die Schulen sicher. Dem BR sagte Söder zuvor allerdings: Sollte man sich bundesweit einigen, könnten "die Ferien etwas vorher stattfinden".

Impfpflicht als einziger Ausweg aus der Pandemie

Der bayerische Ministerpräsident betont, dass auch die Politik noch immer in der Pandemie dazulerne: "Es gibt für das Ganze keinen Plan." Dass die Impfquote von 65 Prozent nichts gebracht habe und es so viele Impfdurchbrüche gebe, hätte auch viele Experten überrascht. Wegen der Virusvariante Omikron sei zusätzlich "maximale Vorsicht" geboten. Mit Bedauern beschreibt Söder, dass er selbst an unzähligen Impfaktionen teilgenommen und die Leute zum Impfen animiert, es allerdings nicht ausgereicht habe.

"Wir wollen ja unser Leben wieder zurück", argumentiert er. Da helfe jetzt nur eine allgemeine Impfpflicht, mit ebenfalls entsprechenden Auffrischungsimpfungen. Das könnte auch über die dritte Impfung hinausgehen. "Wir werden dann so viel impfen müssen, wie es im Zweifelsfall notwendig ist", meint er.

Rückmeldung: Pflege und Hausarztpraxen überfordert

Auch Carolin von Ritter-Zahony, pflegerische Leitung der Covid-Intensivstation am Klinikum rechts der Isar in München, spricht sich in der Sendung für eine allgemeine Impfpflicht aus. Sie berichtet von einer "sehr angespannten" Situation, da die Maximalauslastung der Station erreicht sei. Das Pflegepersonal ist auch in ihrem Krankenhaus am Limit. Langfristig müsse sich etwas an der Attraktivität des Berufes ändern, aber gegen die vierte Corona-Welle helfe jetzt auch kein zusätzliches Geld, so die Pflegefachkraft.

Der Hausarzt Sven Heidenreich aus Altdorf in Mittelfranken spricht außerdem von einer Überlastung der Kassenärzte. Die Aufklärung über eine Corona-Impfung sei bürokratisch ähnlich aufwendig wie die Aufklärung über eine Herz-OP und binde viel Zeit.

Söder: Pflegesystem "auf den Kopf" stellen

Söder verspricht, dass die Impfzentren den Hausärzten diese Arbeit jetzt wieder mehr abnehmen und auch Apotheken bald Impfungen anbieten sollen. "Das werden wir jetzt schnell hinbekommen", sagt er. Das gesamte Pflegesystem müsse außerdem "auf den Kopf gestellt" werden.

Die Rückmeldung aus dem Publikum jedoch bleibt verhalten. Hausarzt Heidenreich bezweifelt, dass es schnelle Lösungen geben wird und Pflegerin von Ritter-Zahony überlegt, ob sie unter diesen Bedingungen ihren Job in Zukunft überhaupt weiter machen will.

© BR
Bildrechte: BR

Markus Söder: "Es macht null Spaß."

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Sendung

jetzt red i

Schlagwörter