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"Udo"-Fundstelle in Pforzen: Söder erwägt Besucherzentrum | BR24

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Die Fossilien eines Menschenaffen, die im Ostallgäu gefunden wurden, gelten als Sensation: Für Tübinger Wissenschaftler liefert "Udo" den Beweis, dass die Vorfahren der Menschen in Bayern den aufrechten Gang lernten und nicht in Afrika.

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"Udo"-Fundstelle in Pforzen: Söder erwägt Besucherzentrum

Bewahrheiten sich die Annahmen der Forscher, dann würde der Fund des Menschenaffens "Udo" Geschichte schreiben. Die gehenden Vorfahren des Menschen kämen dann nämlich aus dem Allgäu. Nun hat sich Bayerns Ministerpräsident den Fundort angesehen.

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kann sich am Fundort des Menschenaffen "Udo" ein Besucherzentrum vorstellen. Mit Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) besuchte er die Tongrube, begleitet von der Tübinger Wissenschaftlerin Madelaine Böhme, die vergangene Woche mit einer wissenschaftlichen Veröffentlichung über den Fund international Aufsehen erregt hatte. Nach Erkenntnissen von Forschern weisen die Funde darauf hin, dass sich der aufrechte Gang in Europa statt in Afrika entwickelt haben könnte - Millionen Jahre früher als angenommen.

3D-Simulation denkbar

Forscher, Gemeinde, Landratsamt und Unternehmen wollen gemeinsam entscheiden, wie das geschichtsträchtige Erbe zu sichern ist. Denkbar ist laut Söder eine 3D-Simulation, um zu zeigen, wie sich der Menschenaffe fortbewegte. "Es ist wichtig, dass die Leute die Funde sehen können, dass man es anfassen und spüren kann", sagte Sibler und sicherte fachliche Unterstützung bei der Ausarbeitung zu.

Eine wissenschaftliche Sensation

In der vergangenen Woche hatte ein internationales Wissenschaftlerteam um Prof. Madeleine Böhme von der Universität Tübingen Forschungsergebnisse vorgestellt, wonach dort vor mehr als elf Millionen Jahren eine Primaten-Art gelebt hat, die bereits aufrecht gehen konnte. Die Knochenfunde des "Udo" genannten Fossils sind damit mehr als fünf Millionen Jahre älter, als die bislang ältesten Belege für den aufrechten Gang aus Kenia und von der Insel Kreta.

Weitere Forschungen geplant

Landrätin Zinnecker hat zuvor erklärt, die Fundstelle in einer Lehmgrube bei der alten Hammerschmiede für weitere Forschungsarbeiten schützen zu wollen. Auch eine Ausweisung als Naturdenkmal sei denkbar. Die bis vor kurzem unbekannte Primaten-Art, der "Udo" zugerechnet wird, trägt den wissenschaftlichen Namen Danuvius guggenmosi.

Ein Sänger als Namensgeber

Bei den Funden aus den Jahren 2015 bis 2018 handelt es sich um versteinerte Überreste von mehreren Weibchen und einem Männchen. Das männliche Fossil hat das Forscherteam nach Udo Lindenberg "Udo" genannt. Den Unterkiefer des Primaten hatten die Wissenschaftler am 17. Mai 2016, dem 70. Geburtstag des Sängers, entdeckt.