Arbeiter an Hochspannungsmast
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Auch nach 2030 braucht es in Bayern laut Tennet noch neue Stromleitungen - allerdings weniger als in anderen Bundesländern.

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So viele Stromtrassen braucht Bayern für 100 Prozent Ökostrom

Wie viele große Leitungen braucht es zusätzlich, um Deutschland 2045 komplett mit Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen. Das haben die Netzbetreiber jetzt erstmals ausgerechnet. Bayern braucht demnach weniger Neubau als andere Bundesländer.

Zum ersten Mal gibt es jetzt eine Vorstellung, wie das Stromnetz nach der Energiewende im Endausbau aussehen könnte. Wenn Deutschland sein Ziel erreicht hat und im Jahr 2045 klimaneutral ist. Das zeigt der Netzentwicklungsplan 2037 mit Ausblick auf 2045, den die Übertragungsnetzbetreiber jetzt vorgelegt haben. Das Ergebnis: Mit Südostlink und Südlink hat Bayern genug unterirdische Gleichstromtrassen, auch für das Energiesystem der Zukunft. Bundesweit dagegen müssen laut den Netzbetreibern noch fünf neue solcher als "Stromautobahnen" bekannten Erdkabel verlegt werden: unter anderem in Bayerns Nachbar-Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen.

Drei zusätzliche Stromtrassen für Bayern 

Innerhalb Bayerns werden zusätzlich zu den bereits bekannten Plänen in den Jahren nach 2030 noch insgesamt drei zusätzliche Stromtrassen nötig. Dabei handelt es sich in allen Fällen um Wechselstromleitungen, die auf Hochspannungsmasten geführt werden. Die für Bayern längste neue Stromleitung im Netzentwicklungsplan führt über 100 Kilometer weit aus der Gegend von Aalen in Baden-Württemberg über Nördlingen bis in den Raum Nürnberg, wo sie Anschluss an die bestehende Juraleitung bekommen soll. Eine zweite ist von Münchberg im Landkreis Hof Richtung Norden vorgesehen, wo sie den Anschluss ans Stromnetz in Sachsen verstärken soll. Der dritte Neubau einer Hochspannungsleitung soll den Stromanschluss für das oberbayerische Chemiedreieck verstärken, die Trasse würde auf 30 Kilometern von Simbach am Inn über Burghausen nach Burgkirchen an der Alz führen.

Viele bestehende Leitungen werden verstärkt

Darüber hinaus hält Tennet es für nötig, bestehende Leitungen im großen Umfang zu verstärken. Das bedeutet im Normalfall einen Ersatzneubau einer Hochspannungstrasse in der Nähe einer bestehenden, mit etwa acht Meter höheren Masten. Die alte Leitung wird danach abgerissen. Das passiert derzeit bereits am so genannten Ostbayernring durch Oberfranken und die Oberpfalz. Insgesamt sind solche Ersatzneubauten auf 570 Kilometern Länge vorgesehen.

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Grafik: Stromtrassen-Ausbau nach 2030

Trassengegner kündigen Widerstand an

Das Aktionsbündnis Trassengegner hat Widerstand auch gegen diese Projekte angekündigt. Die Bürgerinitiativen würden dabeibleiben, den geplanten Übertragungsnetzausbau durch Proteste und juristische Mittel zu verzögern und möglichst zu verhindern. Das Bündnis fordert die Regierungen in Bund und Land in einer Mitteilung auf „nicht länger mit Vollgas in eine gefährliche energiepolitische Sackgasse zu steuern“. Klimaschutz und eine bürgernahe Energiewende würden durch Netzausbau-Pläne verhindert, weil sie auf ein zentralistisches System der Stromversorgung ausgerichtet seien.

Tennet: Leitungen trotz Stromproduktion vor Ort nötig

Der Netzbetreiber Tennet argumentiert anders: Dort geht man davon aus, dass ein klimaneutrales Bayern im Jahr 2045 aus, das übers Jahr gesehen tatsächlich ungefähr so viel Strom produziert wie es verbraucht – dank eines Kraftakts beim Ausbau der Erneuerbaren. Allerdings gebe es tagsüber im Sommer im Freistaat einen hohen Überschuss an Photovoltaikstrom. Zu anderen Zeiten, vor allem im Winter, dagegen braucht Bayern künftig viel Windstrom aus dem Norden. Für den Transport in beide Richtungen sollen die zusätzlichen Stromleitungen dienen.

Gebaut wird erst nach 2030

Zum jetzt vorliegenden ersten Entwurf des Netzentwicklungsplans wird nun zunächst in mehreren Stufen konsultiert – das heißt Experten, Verbände, Kommunen und Betroffene bekommen die Möglichkeit zur Stellungnahme. Die Bundesnetzagentur muss danach entscheiden, ob sie die Pläne der Netzbetreiber für richtig und nötig hält, sie kann auch Veränderungen daran vornehmen. 2024 soll nach bisherigen Plänen dann der weitere Netzausbau in Gesetzform gegossen werden. Gebaut würden diese Stromleitungen dann in den 2030er Jahren.

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