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Seit 100 Jahren stellt der Maschinenbauer Waldrich in Coburg Schiffsmotoren, Turbinen und andere Maschinen in Spezialfertigung her. Wir blicken auf die Karriere eines Traditionsunternehmens zurück.

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Licht und Schatten: So tickt Bayerns Handelspartner China

China ist zu Bayerns wichtigstem Handelspartner aufgestiegen. Trotz guter Geschäfte warnen Experten vor einer zu großen Abhängigkeit oder einem Technologie-Ausverkauf. Beispiele zeigen allerdings: Die Chinesen können auch anders.

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Von
  • Andreas Schuster
  • Astrid Freyeisen

Seit Jahren arbeitet China mit Hochdruck daran, die USA als stärkste Wirtschaftsmacht der Welt abzulösen. Dass es so kommt, scheint nur noch eine Frage der Zeit. Bayerischen Unternehmen beschert die brummende chinesische Wirtschaft gute Geschäfte. Doch häufig wird die Freude darüber von Ängsten begleitet: vor einer Abhängigkeit oder gar einem Technologie-Ausverkauf. Teils stimmt das. Beispiele zeigen aber auch, dass chinesische Investoren oft zu Unrecht einen schlechten Ruf haben.

Mit chinesischem Investor zurück in die Erfolgsspur

2005 wurde der oberfränkische Werkzeugmaschinen-Hersteller Waldrich Coburg vollständig vom chinesischen Investor "Peking Nummer 1" übernommen. Ein Glücksfall, wie sich herausstellte. Die Chinesen zogen den Gewinn nicht ab, sondern investierten am Standort Coburg über die Jahre rund 60 Millionen. Als der oberfränkische Werkzeugmaschinen-Hersteller zwischenzeitlich in die roten Zahlen rutschte, glichen die Eigentümer aus China die Verluste aus, so Geschäftsführer Falk Herkner.

Anderswo liefen Übernahmen zunächst auch positiv, aber später wurde es oft problematisch: Der Leuchtenhersteller Ledvance in Augsburg – abgewickelt. Der Robotikspezialist Kuka in Augsburg –baute Arbeitsplätze ab, nun scheint sich die Lage zu entspannen. Doch die Übernahme von Kuka wird vor allem kritisiert, weil sie für die Angst vor einem Ausverkauf von deutschem Knowhow steht. Waldrich Coburg sieht sich da laut Falk Herkner nicht gefährdet: "Selbst, wenn jemand Zeichnungen von uns hätte, wäre er nicht in der Lage, gleichwertige Produkte herzustellen. Das Entscheidende ist die langjährige Erfahrung unserer Mitarbeiter."

China ist Bayerns wichtigster Handelspartner

Insgesamt gesehen hat der Handel zwischen Bayern und China über die Jahre stetig zugelegt. Laut dem Bayerischen Wirtschaftsministerium belief sich das Handelsvolumen zwischen dem Freistaat und dem Reich der Mitte im vergangenen Jahr auf 33,9 Milliarden Euro. Zum Vergleich: mit den USA tauschte Bayern Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 29,4 Milliarden Euro aus.

Knapp 1.600 bayerische Unternehmen haben wirtschaftliche Verbindungen nach China. Im Gegenzug sind rund 400 chinesische Firmen im Freistaat aktiv. Genaue Zahlen, wie oft sich chinesische Investoren in bayerische Unternehmen einkaufen oder diese vielleicht sogar ganz übernehmen, liegen laut dem Wirtschaftsministerium nicht vor.

Chinesen wollen die Nummer eins sein

Mit Blick auf wirtschaftliche Entscheidungen stellt China-Experte Kai-Ingo Voigt von der Universität Erlangen-Nürnberg grundlegende Unterschiede zwischen den beiden Ländern fest. Wenn chinesische Unternehmen bei einem deutschen Betrieb als Investor einsteigen oder diesen gar übernehmen, spielt die zu erwartende Rendite anders als bei westlichen Unternehmen nur eine untergeordnete Rolle. "Wir müssen diese Entscheidungen eher als politische Aktionen sehen", so Voigt. Es gehe den Chinesen viel mehr um Marktzugang und um den Zugang zu technologischem Knowhow. "Eines ist klar: China möchte die Nummer eins sein – und das in fast allen Bereichen."

Handel mit China birgt Risiken

Während der Handel mit China vielen bayerischen Unternehmen gute Gewinne beschert, bringt er laut China-Experte Kai-Ingo Voigt auch Probleme und Risiken mit sich. Chinas Kurs bei wirtschaftlichen Entscheidungen könne sich auch schnell ändern. Dafür seien in China aufgrund des politischen Systems keine langfristigen demokratischen Prozesse nötig. Das könne "über Nacht enorme ökonomische Auswirkungen haben", so Voigt mit Blick auf die China-Geschäfte der bayerischen Unternehmen.

Deutsche Unternehmen teils an den Pranger gestellt

Besonders empfindlich reagiert China, wenn sich ausländische Unternehmen politisch äußern. Erst kürzlich hatte beispielsweise die schwedische Bekleidungskette H&M erklärt, keine Baumwolle mehr aus der Region Xinjiang beziehen zu wollen. Grund waren Berichte über Zwangsarbeit. Der Zorn der chinesischen Regierung traf nicht nur H&M, sondern u.a. den Sportartikelhersteller Adidas. Die Herzogenauracher hatten im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen China "scharfe Bemerkungen" gemacht, hieß es in einer parteinahen Zeitung. "Das hat die chinesische Regierung verärgert. Und das führt sofort dazu, dass das Unternehmen wegen vermeintlich schlechter Qualität an den Pranger gestellt wurde", stellt China-Experte Voigt fest. Eine Maßnahme, die Adidas auch wirtschaftlich getroffen haben dürfte.

Teils unterschiedliches Qualitätsverständnis

Obwohl China Bayerns wichtigster Handelspartner ist, gibt es vor allem bei Zulieferungen immer wieder Probleme. Grund sind laut China-Experte Voigt teils unterschiedliche Auffassungen von Qualität. Während in China teils kulturell bedingt die Funktionalität im Vordergrund stand, werden bei deutschen Unternehmen bei der Fertigung von Bauteilen teils nur kleinste Toleranzen akzeptiert. "Das wurde dann in China nicht verstanden", so Voigt.

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Die Wirtschaftsmacht China hat auf die fränkischen Unternehmen einen großen Einfluss. Jedoch ist dieser nicht immer positiv.

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