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Viele Unternehmerinnen und Unternehmer wollen deutlich mehr testen. Einige nehmen das nun selbst in die Hand.

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    So stemmen sich Bayerns Unternehmer gegen die Corona-Krise

    Viele Unternehmerinnen und Unternehmer in Bayern sind mit der Krisenbewältigung durch den Staat unzufrieden. Deswegen packen Sie selber mit an. BR24 stellt einige Beispiele vor.

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    Von
    • Ben Kutz
    • Cosima Weiske

    "Die letzte Zeit hat gezeigt, dass es keinen Sinn macht, auf Berlin zu warten", erzählt Geschäftsführer Johannes Bisping. So wie dem Telekommunikationsunternehmer aus Lauf an der Pegnitz in Mittelfranken geht es vielen Unternehmern in Bayern. Ihnen geht die Pandemiebekämpfung durch den Staat nicht weit genug. Deswegen packen sie selber mit an.

    Lockdown oder Lockerungen? Viele Regionen wollen mit eigenen Konzepten die Krise bekämpfen. Ist das sinnvoll? Brauchen wir mehr Modellprojekte wie in Tübingen? Darüber diskutiert die Münchner Runde am Mittwoch, 31.03., um 20:15 Uhr im BR-Fernsehen und auf BR24. Unter anderem mit Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann, der Landrätin von Regen, Rita Röhrl, und weiteren Gästen.

    "Nicht nur der Staat, auch Firmen müssen anpacken"

    Schon lange führt Johannes Bisping Pool-Tests in seinem Unternehmen durch. Mit Testkonzepten für eine größere Gruppe Menschen kennt er sich also aus. Dieses Wissen will er an seine Region weitergeben, um Tests für eine breitere Bevölkerung anzubieten. Als Unternehmer – und damit Teil der Zivilgesellschaft – sieht er sich in der Pflicht. "Firmen, Ehrenamtliche und der Staat müssen gemeinsam anpacken, aber nicht der Staat alleine", erzählt Bisping.

    Zwar wünsche er sich schnelleres und konsequenteres Handeln durch die Politik. Er hat aber auch Verständnis für die schwierige Lage. "Der Staat kann das gar nicht alles alleine schaffen. Es ist eine Mammutaufgabe, alle Menschen vor Ort zu testen. Hier braucht es auch private Initiativen", so Bisping.

    Mehrere Testzentren im Nürnberger Land aufgebaut

    Im März gab es eine erste Pilotaktion. Über 300 Menschen wurden in einem Zelt auf dem Laufer Marktplatz kostenlos auf das Coronavirus getestet. Ehrenamtliche haben gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz die Tests durchgeführt. Etwa 10.000 Euro hat allein dieser erste Testtag gekostet. Finanziert wurde die Aktion durch Bispings Firma. Für Bisping ist völlig klar, dass auch die Wirtschaft ihren Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten muss.

    Mittlerweile wurden weitere Testzentren im ganzen Landkreis Nürnberger Land aufgebaut. Die Zentren werden teils durch öffentliche Gelder und teils durch Firmen finanziert. Das Angebot ist nicht nur für Firmen, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger offen und bietet mehr Testmöglichkeiten gerade in ländlichen Gebieten.

    Der Testlieferdienst aus Rosenheim

    Das Problem fehlender Tests hat auch Andreas Bensegger aus Rosenheim erkannt. Sein Unternehmen stattet Firmen normalerweise mit Büromaterial aus: von Druckerpapier und Stiften bis hin zu Technik und Schreibtischen. Und mittlerweile auch mit Masken, Desinfektionsmitteln – und Schnelltests. "Unsere Kunden haben da einen großen Bedarf", erklärt er.

    Und weil nicht nur die Bestandskunden Interesse an Masken und Tests haben, wurde das Angebot auch auf andere Branchen ausgeweitet. Allerdings nur in der Region. "Die Regionalität ist für die Vertrauensbildung extrem wichtig", erklärt Andreas Bensegger. In der Region kenne man sich untereinander. "Hier sind wir verwurzelt und hier wollen wir uns gegenseitig unterstützen". Seit einigen Monaten sind Benseggers Mitarbeiter mit dem eigenen Fuhrpark unterwegs und stellen für viele Firmen die Versorgung mit Schnelltests und anderen Pandemie-Artikeln sicher.

    Mitarbeiter freuen sich über regelmäßige Tests

    Auch Martin Kilian hat sich mittlerweile mit Schnelltests eingedeckt. Er ist Geschäftsführer eines Sicherheitsfachgeschäfts in München. Insgesamt 33 Mitarbeiter machen Schlüssel nach, bauen im Großraum München Schlösser ein oder verkaufen Tresore. Viele Mitarbeiter sind regelmäßig im Kundenkontakt. Martin Kilian ist es wichtig, seine Mitarbeitenden und Kunden zu schützen. Zweimal die Woche werden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Corona getestet.

    "Unsere Mitarbeiter sind total glücklich darüber, dass wir das anbieten", sagt er. Gerade Menschen mit älteren Familienmitgliedern seien dankbar für die regelmäßige Gewissheit.

    Staat soll sich an Tests finanziell beteiligen

    Martin Kilian wünscht sich außerdem, dass sich möglichst viele seiner Mitarbeitenden impfen lassen. Daher schafft er Anreize. "Natürlich können wir das den Leuten nicht vorschreiben", sagt er. "Aber ein Impftag ist für uns ein Arbeitstag." Bei vollen Bezügen haben die Mitarbeiter bis zu einem Tag frei, wenn sie die Impfungen bekommen.

    Wie der Unternehmer Johannes Bisping würde sich auch Martin Kilian finanzielle Unterstützung durch den Staat wünschen. "Jeder Test kostet ungefähr fünf Euro, die zahlen wir momentan selbst. Ich fände es schon fair, wenn der Staat das übernehmen würde."

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