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So schlecht steht es um die kommunalen Schwimmbäder in Bayern | BR24

© BR/Katharina Pfadenhauer

Über die Hälfte der 863 kommunalen Hallen- und Freibäder in Bayern ist sanierungsbedürftig. Viele Gemeinden wissen aber nicht, wie sie die Bädersanierung finanzieren sollen.

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So schlecht steht es um die kommunalen Schwimmbäder in Bayern

Über die Hälfte der 863 kommunalen Hallen- und Freibäder in Bayern ist sanierungsbedürftig. Viele Gemeinden wissen aber nicht, wie sie die Bäder-Sanierung finanzieren sollen: Sie tun sich schwer damit, staatliche Fördergelder abzurufen.

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Bürgermeister Frank Stumpf macht sich Sorgen um sein Freibad in Naila. 50 Jahre hat es auf dem Buckel und ist dringend sanierungsbedürftig. "Das größte Problem ist, dass die Wannen, die ja ein Alugussgemisch sind, irgendwann springen können. Wenn uns da die Haut platzt, dann läuft uns das Wasser davon. Im Sprungbecken ist das bereits passiert", klagt Stumpf.

Gemeinden haben kein Geld für Sanierung

Auch energetisch ist das alte Bad der oberfränkischen Stadt extrem veraltet. "Wenn Sie sich anschauen, wie vor fünfzig Jahren gebaut wurde: Da wurden die Wannen noch ohne Isolierung in den Boden gesetzt. Außerdem verschwenden wir Energie, wenn wir warmes Wasser in den Kanal ablassen. Das müsste im Sinne der Wasserwärme-Rückgewinnung wieder aufgefangen werden", erklärt Stumpf.

Das Freibad von Naila muss also generalsaniert werden. Frank Stumpf geht von acht bis zehn Millionen Euro Sanierungskosten aus. Eine Investition, die Stumpf für seine Bürger gerne tätigen würde: "Ein Schwimmbad ist ja auch eine Erholung für die Menschen, die hier leben und arbeiten, und Kinder können dort schwimmen lernen." Wie so viele Kommunen kann sich Naila die Sanierung aber nicht leisten.

Bauministerium fördert mit 120 Millionen Euro

Schwimmbäder und deren Unterhalt sind grundsätzlich kommunale Aufgabe. Die Verantwortung für deren Finanzausstattung liegt teilweise jedoch auch bei den Ländern. Der Freistaat unterstützt die Kommunen mit verschiedenen Programmen. Das bayerische Finanzministerium beispielsweise ist für die kommunalen Hallenbäder in Bayern zuständig. Allerdings: "250 Freibäder in Bayern sind sanierungsbedürftig", sagt Bernd Buckenhofer vom Bayerischen Städtetag.

Der Freistaat hat deshalb vergangenes Jahr das sogenannte Sonderprogramm Schwimmbadförderung (SPSF) aufgelegt – bis 2024 kommt nun auch Geld aus dem Bauministerium: 120 Millionen Euro aufgeteilt auf sechs Jahre. "Für Freibäder gab es noch kein Programm, nur für Hallenbäder, diese Lücke wollten wir schließen. Voraussetzung für eine Förderung ist, dass es Becken gibt, in dem Kinder und Jugendliche schwimmen lernen können, uns geht's darum, das Schwimmenlernen zu fördern", sagt der Bayerische Bauminister Hans Reichhart (CSU). Je nach finanzieller Leistungsfähigkeit der Kommunen bekommen die Gemeinden maximal 45 Prozent Förderung. 

Schwimmbad-Förderung: Zu wenig Geld, zu komplizierte Verfahren

Naila bringt dieses Förderprogramm nichts, es sei finanziell einfach nicht stemmbar: "Im günstigsten Fall würden wir vierzig Prozent bekommen, das wären vier Millionen Euro Förderung. Die restlichen sechs Millionen können wir uns nicht leisten. Ich würde mir wünschen, dass die Freibadsanierungen prozentual höher gefördert werden", sagt Nailas Bürgermeister Frank Stumpf.

Auch der Bayerische Städtetag sagt, dass das Geld nicht ausreicht. "Das ist ein Problem dieses Förderprogramms, dass die Fördersätze zu eng gefasst sind. Für viele Gemeinden ist es nicht attraktiv, sich bei so geringen Fördersätzen in dieses komplizierte Verfahren zu begeben", sagt Buckenhofer. Um alle 450 sanierungsbedürftigen Bäder zu retten, müssten laut Städtetag insgesamt 1,2 Milliarden Euro investiert werden. Um die 241 sanierungsbedürftigen Freibäder instand zu setzen, rechnet der Bayerische Städtetag mit einer Investition von 480 Millionen Euro.

Keine öffentlichen Gelder für Spaßbäder und Saunen

Das Bauministerium beruft sich auf die Förderbedingungen: Freizeit-, Spaßbäder und Saunalandschaften fallen eben nicht darunter, so der Bauminister. "Der Städtetag rechnet ja alles mit ein, deshalb auch diese hohe Summe. Wir aber sagen: Das Schwimmenlernen ist das wichtigste." 39 Anträge hat das Bauministerium derzeit vorliegen, davon wurden 23 bereits genehmigt. "Das heißt, dort fließt das Geld schon, die restlichen Anträge werden wir dieses Jahr bearbeiten", so Reichhart.

Zusätzlich setzt das Bauministerium auf interkommunale Lösungen. Das heißt: Wenn mehrere Gemeinden zusammenarbeiten, sich also Sanierung, Unterhalt, Energiekosten eines Schwimmbads teilen, verspricht Reichhart ein "kleines Add-On beim Fördersatz". Frank Stumpf, der Bürgermeister von Naila, möchte jedenfalls alles daransetzen, sein Freibad auch in diesem Sommer wieder aufsperren zu können. Aber "es kann schon sein, wie es schon mal passiert ist, dass uns die Beckenhaut reißt und dann sind plötzlich zwei bis vier Wochen Renovierung angesagt."

© BR

Mehr als die Hälfte der 863 kommunalen Hallen- und Freibäder in Bayern ist sanierungsbedürftig. Und fast 60 Prozent der Zehnjährigen in Bayern können nicht sicher schwimmen.

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