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So rüstet sich Bayern für die Corona-Massenimpfungen | BR24

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93 Impfzentren soll es ab Mitte Dezember geben. Eine Mammutaufgabe für Landkreise und Städte. Für die Staatsregierung ist es aber auch eine Frage der Sicherheit: Es geht um Schutz vor möglichem Diebstahl und Anschlägen.

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So rüstet sich Bayern für die Corona-Massenimpfungen

93 Impfzentren soll es ab Mitte Dezember geben. Eine Mammutaufgabe für Landkreise und Städte. Für die Staatsregierung ist es aber auch eine Frage der Sicherheit: Es geht um Schutz vor möglichem Diebstahl und Anschlägen.

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Von
  • Till Rüger
  • Anna Feininger
  • Jonathan Schulenburg

Der 15. Dezember ist das Ziel. Das Errichten der Impfzentren stellt kreisfreien Städte und Landkreise zwar vor logistische und zeitliche Herausforderungen, aber bislang sind viele zuversichtlich, kommende Woche bereit zu sein. 93 Zentren sollen es werden. Das Bayerische Gesundheitsministerium geht davon aus, dass die Kommunen der Vorgabe der Staatsregierung "umfänglich nachkommen". In sieben Kreisen sei die örtliche Auswahl der Zentren aber noch nicht ganz abgeschlossen und das obwohl der Stichtag bereits kommenden Dienstag ist. Trotzdem spricht das Ministerium auf Anfrage des BR Politikmagazins Kontrovers von "sehr guten Fortschritten" bei der Errichtung der Impfzentren.

Herausforderung: Personal finden

Eine ehemalige Bank erscheint dem Landkreis Ebersberg als der ideale Standort für ein Impfzentrum. Ein Einbahnstraßensystem sieht man auf einer Karte, keiner soll sich in die Quere kommen. 600 Quadratmeter Platz für die Patienten, 300 Quadratmeter für die Mitarbeiter. Von 8 bis 18 Uhr soll hier geimpft werden – sieben Tage die Woche.

Für den Landrat Robert Niedergesäß (CSU) war die größte Herausforderung, das Zentrum auszuschreiben und einen Betreiber innerhalb dieser kurzen Zeit zu finden. “Die Firma, die den Zuschlag erhalten hat, bedient sich aus einem Notärztepool und kann sicherstellen, dass das ärztliche Personal auch für den entsprechenden Bedarf sieben Tage die Woche zur Verfügung steht“, sagt Niedergesäß.

Fort Knox für den Impfstoff

Die Immobilie, die sie für das Projekt Impfzentrum gefunden haben, scheint ihnen ideal: Sie mussten nichts aus dem Boden stampfen. Und gleich nebenan sind das Corona-Testzentrum, die Klinik und die Polizei. Robert Niedergemäß, der Landrat, ist begeistert: "Wir haben, was den Impfstoff angeht, einen großen Tresor im Untergeschoss der ehemaligen Sparkasse. Fort Knox für den Impfstoff sozusagen."

Fort Knox also, das Depot der amerikanischen Goldreserven. Pathetischer kann man den Vergleich nicht wählen - aber die Sicherheit ist tatsächlich ein Thema für die Standorte. Sie sollen den Impfstoff aus größeren Verteilzentren in Bayern erhalten. Der Impfstoff der Firma Biontech muss dort tiefgekühlt und verarbeitet werden - danach soll er an die einzelnen Impfzentrenten verteilt und binnen weniger Tage verbraucht werden.

Herrmann: Anschläge nicht auszuschließen

Wo sich genau die Verteilzentren befinden, gibt die Staatsregierung noch nicht bekannt. Auch das ist eine Frage der Sicherheit. Innenminister Joachim Herrmann, CSU, umreißt die Bedenken: "Wir können angesichts der Sicherheitsfragen in ganz Deutschland nicht ganz ausschließen, dass es Extremisten geben könnte, die Anschläge auf solche Einrichtungen verüben oder insgesamt dieses Impfgeschehen torpedieren wollen, andererseits kann es aber auch Kriminelle geben, die den Impfstoff stehlen, um ihn dann weiterzuverkaufen." Sicherheitskonzepte seien überall erstellt, aber Details sollen nicht an die Öffentlichkeit.

Mühldorf am Inn: Drogerie als Impfzentrum

Die Lösungen der Kreise und Städte können unterschiedlicher nicht sein. Der Landkreis Passau lässt einen ehemaligen Flughafenbus als zusätzliches mobiles Zentrum umrüsten. Deggendorf plant Impfwillige durch zwei "Impfstraßen" zu schleusen, die in Containern untergebracht sind. In Mühldorf am Inn wird ein ehemaliger Drogeriemarkt zwischen Penny und Burger King zum Impfzentrum.

Ist das Impfzentrum sicher vor Diebstahl, Anschlägen oder anderen Störungen? Braucht es zusätzlichen Schutz? Der Mühldorfer Landrat Max Heimerl (CSU) erklärt: "Das wurde von Anfang an mitgedacht. Es gibt ein Sicherheitskonzept, das ist ausgeklügelt. Ich bin sicher, dass es auch funktionieren wird. Aber aus Sicherheitsgründen kann und möchte ich dazu nicht mehr sagen."

Zeigen kann der Landrat dafür schon mehr. Eine Theke im Eingangsbereich steht bereits, die Ärztezimmer stehen auch schon. Überall Handwerker.

"Wir sind im Zeitplan. Wir haben richtig Gas gegeben: haben geschaut, dass wir das so schnell wie möglich auf den Weg bringen und wir gehen fest davon aus, dass wir am 15. Dezember startklar sind. Sobald der Impfstoff zur Verfügung steht, können wir hier mit dem Impfen beginnen." Max Heimerl, CSU, Landrat Mühldorf am Inn

Warten auf die Impfstoff-Zulassung

Das Problem: Noch ist unklar, wann genau der erste Impfstoff von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen wird und in den Zentren die Arbeit beginnen kann. Bis spätestens Ende Dezember will die EMA über den ersten Impfstoff entschieden haben. In Bayerns Impfzentren sollen zuerst mehr als 30.000 Impfungen täglich möglich sein. Laut Bayerischem Gesundheitsministerium haben sich schon mehr als 3.000 Ärzte bereit erklärt, sich in den Impfzentren zu engagieren.

In Mühldorf am Inn sollen 300 Menschen am Tag geimpft werden können, an sieben Tagen die Woche von 9 Uhr bis 18 Uhr. Mobile Impfteams sollen in die Alten- und Pflegeheime fahren, um dort zu impfen. Das Personal zu finden war eine große Herausforderung:

"Wir haben das jetzt bei uns so gelöst, dass den Kern des medizinischen Personals unser Inn-Klinikum, unser Krankenhaus, stellt, darüber hinaus haben wir auch Partnerschaften geschlossen mit den Hilfsorganisationen wie Malteser, Bayerisches Rotes Kreuz oder mit der DLRG. Die unterstützen uns beim Aufbau der mobilen Impfteams, aber ganz entscheidend ist auch die Einbindung der niedergelassenen Ärzte. Ohne die wird das nicht gehen." Max Heimerl, CSU, Landrat Mühldorf am Inn

Eine Mammutaufgabe für die Landkreise und Städte.

Interaktive Karte: Hier entstehen die Impfzentren in Bayern

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