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So hat sich die Polizeiarbeit durch Corona verändert | BR24

© pa/dpa/Peter Kneffel

Zwei Polizisten der Bundespolizei am Münchner Flughafen. Hier gab es in den letzten Wochen weniger zu tun - an andere Stelle dafür viel mehr.

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    So hat sich die Polizeiarbeit durch Corona verändert

    Nach drei Monaten hat Bayern den Katastrophenfall wegen Corona wieder aufgehoben, weitere Lockerungen wurden beschlossen. Eine Erleichterung für die Bürger - aber auch für die Polizei.

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    Die Telefone klingelten zum Teil pausenlos, haufenweise E-Mails füllten die Postfächer und auch über die sozialen Netzwerke kam Anfrage über Anfrage rein: Die Bundespolizei in Bayern, in deren Aufgabengebiet der Schutz der Grenzen fällt, hatte in den letzten Wochen aufgrund von Corona sehr viel Arbeit. Insbesondere wegen Fragen zur Einreise nach oder von Deutschland.

    Etwa 1.000 Anfragen pro Tagen hätten die Polizei erreicht, sagt Matthias Knott von der Bundespolizeidirektion München. Besonders beliebt war die Hotline der Bundespolizei: Sieben Tage in der Woche, 24 Stunden am Tag hoben dort Polizisten die Hörer ab und beantworteten Fragen. Gerade ältere Menschen, die nicht die Möglichkeit gehabt hätten, sich im Internet zu informieren, hätten sich sehr dankbar gezeigt, so Knott.

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    Bundespolizei: Arbeit am Telefon statt vor Ort an den Grenzen

    Zum Teil sei es für die Beamten aber gar nicht so einfach gewesen, schnell weiterzuhelfen, schildert Matthias Knott, denn es hätte eine breite Palette an Fragen gegeben. Der Anwalt einer großen Firma wollte sich beispielsweise darüber informieren, wie Mitarbeiter aus dem Ausland nach Hause geholt werden können - 4.000 waren es, in der ganzen Welt verteilt.

    Solche Fragen zu beantworten, braucht Zeit. An jeder Dienststelle wurden dafür deshalb mehrere Beamte abgestellt, denn für die Bundespolizei war klar: so sparen sie sich Arbeit an der Grenze oder am Münchner Flughafen. Zwar gab es aufgrund der Corona-Bestimmungen insgesamt viel weniger Kontrollen, denn der normale Reiseverkehr war ja mehr oder weniger stillgelegt und illegale Einreisen haben die Beamten in den letzten Wochen kaum beschäftigt. Aber dafür wurden die Kontrollen der wenigen Reisenden sehr viel zeitaufwendiger.

    Je länger die Beschränkungen anhalten, desto größer wird die Ungeduld

    Die meisten hatten dafür Verständnis, doch mit der Dauer der Pandemie habe auch die Geduld der Bürger abgenommen, so Matthias Knott. Er schildert den Fall eines Deutschen, der Ende Mai kontrolliert worden sei. Er sei wütend darüber gewesen und schließlich, als er weiterfahren durfte, mit Vollgas davon gebraust. Dadurch habe er einem Beamten den Fuß gebrochen und einen zweiten verletzt. Solche Reaktionen seien zum Glück jedoch Einzelfälle.

    Auch bei der Landespolizei ist man sich einig: Überwiegend reagierten die Menschen positiv auf die Kontrollen im Hinblick darauf, ob die Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie eingehalten wurden. Elke Schönwald vom Polizeipräsidium Mittelfranken sagt, dass sie vor allem über die Sozialen Medien viel Dank erhalten hätten. Am Rande einer Demo seien sogar Blumen an die Einsatzkräfte verteilt worden, berichtet Schönwald.

    300.000 Corona-Kontrollen allein im Stadtgebiet München

    In München hat Polizistin Nicole Hechinger-Weber ähnlich Positives erlebt. Dabei fanden im Bereich des Polizeipräsidiums München seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen über 200 Versammlungen statt - und mehr als die Hälfte hatte einen Corona-Bezug. Zwar gab es bei einigen Anzeigen, etwa weil der Mindestabstand nicht eingehalten oder Masken nicht getragen wurden. Aber auch hier habe es viel Anerkennung von Seiten der Bürger gegeben.

    "Ich denke auch, dass gerade in Anfangszeit, in der viel Unsicherheit herrschte, die Polizei Sicherheit vermittelt hat." Nicole Hechinger-Weber, Polizistin

    Das sehen auch viele Münchner so und zeigen sich zufrieden mit der Polizeiarbeit während der Ausgangsbeschränkungen. Es gibt aber auch solche, denen das Durchgreifen der Polizei, gerade in der Anfangszeit, übertrieben erschien.

    Die Durchführung von Kontrollen und Abarbeitung von Verstößen ist seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen ein großer Teil der Polizeiarbeit geworden. Allein im Bereich des Polizeipräsidiums München gab es über 300.000 Kontrollen, dabei kam es zu mehr als 12.000 Anzeigen nach dem Infektionsschutzgesetz. Und die Bearbeitung läuft noch.

    Schwerpunkt der Polizeiarbeit verschiebt sich

    Der Polizeialltag hat sich verändert, sagt Elke Schönwald vom Polizeipräsidium Mittelfranken. Durch die vielen Kontrollen habe die Arbeit zwar zugenommen, dafür sei an anderer Stelle deutlich weniger zu tun gewesen, ohne Fußballspiele oder abendliche Großveranstaltungen.

    Offizielle Zahlen gibt es noch nicht, aber die internen Auswertungen bei einigen Polizeipräsidien zeigen: Es gab in den letzten Wochen viel weniger Körperverletzungen, Raub, Sexualdelikte und Sachbeschädigungen. Weil auf den Straßen wenig los war, kam es dort auch zu weniger Unfällen. Auch die Einbrüche in Läden und Wohnungen haben abgenommen. Dafür waren die Leute den Einbrechern zu oft zuhause - und in den Läden gab es keine vollen Kassen. Die Fahrzeugeinbrüche nahmen allerdings zu.

    Schutzmaßnahmen gegen Corona bei der Polizei

    Um sicher zu gehen, dass die Beamten ihre Arbeit machen können und nicht selbst an Corona erkranken, gab es auf den Dienststellen gerade am Anfang auch organisatorisch viel zu tun: Feste Streifenbesetzungen, Schichten, Zeitpläne wurden erstellt, um Begegnungen untereinander zu vermeiden und sicher zu gehen, damit sich die Beamten nicht gegenseitig infizieren. Auch der Kontakt mit den Bürgern musste neu geregelt werden. Eine Anzeige zu erstatten war etwa nur einzeln in einem Vorraum mit vorheriger Anmeldung möglich.

    Corona-Schutz hat bei der Polizei aber natürlich auch ihre Grenzen: Etwa wenn es darum geht, bei einer Verhaftung oder eine Verfolgung den Mindestabstand einzuhalten.

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