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So halten sich Münchner Piloten in Corona-Zeiten fit | BR24

© BR/Birgit Grundner

Wegen Corona bleiben am Flughafen München viele Flugzeuge am Boden. Damit die Piloten trotzdem nicht aus der Übung kommen, besuchen sie regelmäßig das Lufthansa Aviation Trainingszentrum in Schwaig bei Erding und steigen dort in den Flugsimulator.

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So halten sich Münchner Piloten in Corona-Zeiten fit

Wegen Corona bleiben am Flughafen München viele Flugzeuge am Boden. Damit die Piloten trotzdem nicht aus der Übung kommen, besuchen sie regelmäßig das Lufthansa Aviation Trainingszentrum in Schwaig bei Erding und steigen dort in den Flugsimulator.

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Vor zwei Wochen hat Harry Stöckl eine A 320 nach London geflogen. An sich ist das keine große Sache. Aber momentan ist es auch für einen Piloten mit 13.000 Stunden Flugerfahrung beinahe ein Highlight.

Corona-Tester am Flughafen infiziert

Auch alte Hasen brauchen Training

Nach drei Jahren "Überstunden am Anschlag" habe er in den vergangenen Monaten "fast schon Entzugserscheinungen“ bekommen, erzählt der Lufthansa-Kapitän. Für Copilot Dominik Weber liegt der letzte Flug sogar schon ein halbes Jahr zurück. Als er damals aus Stockholm zurückkam, hätte er nicht gedacht, dass das Fliegen für ihn so lange aus Trockenübungen bestehen würde. Daheim habe er vieles nachgelesen, berichtet er, und auch mit Hilfe von Cockpit-Postern habe er Abläufe durchgespielt und sich so auf dem Laufenden gehalten.

Üben in realitätsnaher Umgebung

Aber jetzt dürfen die Männer wieder mal in ein richtiges Cockpit, und zwar im Lufthansa Aviation Trainingszentrum in Schwaig bei Erding. Das Cockpit dort ist in einem Simulator aufgebaut und nicht zu unterscheiden von einem Arbeitsplatz im Flugzeug. Jeder Pilot trainiert dort sowieso vier Mal im Jahr. Jetzt ist noch ein spezielles Corona-Programm dazu gekommen, damit weiterhin immerhin alle Griffe sitzen, auch wenn es gerade an der echten Flugroutine fehlt. Das Ausgangsszenario an diesem Tag: ein Flug von Nizza nach München, abheben zwischen Meer und Bergen.

© BR/Birgit Grundner

Von außen nur ein "Container", von innen ein Flugzeug-Cockpit

"Kapitän, wir haben ein Problem"

Es ist die perfekte Illusion: Man spürt wirklich, wie sich die Spitze des Flugzeugs in Richtung Himmel hebt, vor dem Fenster verschwindet die Landschaft, die Maschine neigt sich in eine Kurve. Routiniert spulen Harry Stöckl und Dominik Weber ihr Programm ab - unter den kritischen Augen von Trainer Peter Fußner, der hinter ihnen sitzt. Dann "spielt" er einen Purser und meldet ein Problem. Gleich nach dem Start sei ein lautes Geräusch zu hören gewesen, "wie so ein Bang".

Normale Landung trotz eines geplatzten Reifens

Der Flugkapitän und sein Copilot hatten das Geräusch auch schon bemerkt. Sie bleiben ruhig, arbeiten Checklisten im Bordbuch ab, überprüfen Funktionen. Dann gibt Harry Stöckl weitgehend Entwarnung: Beim Start war zwar ein Reifen geplatzt, dadurch steht jetzt ein Hydrauliksystem weniger zur Verfügung. Aber "momentan gehen wir davon aus, dass wir weiter nach München fliegen und eine normale Landung machen". Vorsichtshalber werden die Passagiere trotzdem über eine Borddurchsage informiert. Eine Viertelstunde später "landet" der Airbus A 320 im Erdinger Moos. Trainer Peter Fußner ist zufrieden. "Sehr schön gemacht", lobt er.

Täglich proben 40 Piloten den Ernstfall

Momentan werden im Trainingszentrum in Schwaig jeden Tag 40 Piloten geschult – etwas weniger als sonst. "Vor Corona" ging es meist um Umschulungen auf neue Flugzeugtypen. Jetzt geht es für die Piloten darum, dass sie trotz längerer Pausen fit bleiben für den Flugalltag und damit auch ihre Lizenzen behalten. "Mit dem Fliegen ist es ähnlich wie mit dem Fahrradfahren“, sagt Peter Fußner: "Wenn man es tief drin hat, dann funktioniert das auch." Aber nach monatelanger Pause sei es wichtig, auch solche einstudierten Verhaltensweisen immer wieder aufzuwecken.

Für Lufthansa-Copilot Dominik Weber hat das Warten nach sechs Monaten aber jetzt ein Ende. Auch er steht wieder im Dienstplan. "Der nächste Flug ist am Sonntag", freut er sich: "Dann geht es für fünf Tage wieder quer durch Europa".

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