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So funktioniert das bayerische Wahlsystem
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Autoren

Lorenz Storch
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So funktioniert das bayerische Wahlsystem

Eigentlich wirkt das bayerische Wahlsystem auf den ersten Blick ähnlich wie bei der Bundestagswahl. Jeder Wähler hat zwei Stimmen: Mit einer wird der Abgeordnete für den jeweiligen Stimmkreis ermittelt, also der Volksvertreter oder die -Vertreterin vor Ort. Bei der zweiten Stimme stehen Abgeordnete auf Parteilisten zur Auswahl. Aber, so der Politikwissenschaftler Michael Weigl von der Uni Passau: "Eine Besonderheit ist enorm wichtig auch für den Wähler. Und das unterscheidet ja Bayern auch ganz massiv von der Bundestagswahl: nämlich, dass die Erst- und Zweitstimmen verrechnet werden."

Zwei starke Stimmen

Das heißt: Erst- und Zweitstimme sind gleich wichtig für das Kräfteverhältnis der Parteien im Landtag. Und: auch wenn sich mein Kandidat der Wahl im Stimmkreis vor Ort nicht durchsetzt, ist die Stimme nicht verloren:

"Wenn man bewusst eine kleinere Partei stärken möchte, muss man ihr auch die Erststimme geben, auch wenn man weiß, dass der Kandidat vielleicht nicht die Erststimmenkandidatur wirklich gewinnt." Michael Weigl, Politikwissenschaftler

Generell legt das bayerische Wahlrecht mehr Wert auf den einzelnen Abgeordneten – auch bei der Zweitstimme.

"Man kreuzt keine Partei an, sondern einen Kandidaten auf der Parteiliste. Das muss nicht der alleroberste sein, sondern kann auch der allerunterste sein, je nachdem, wen man haben möchte." Anton Preis, Sprecher des Bayerischen Landtags

Der Wille des Wählers kommt bei der bayerischen Landtagswahl besonders stark zum Ausdruck. Eben weil er die von der Partei vorgegebene Reihung auf der Kandidatenliste nicht akzeptieren muss, sondern durcheinanderwürfeln darf.

"Das bayerischen Landtagswahlrecht lässt da sehr viele Freiheiten. Und die Wähler nutzen das erfahrungsgemäß auch sehr stark. Weil es öfter vorgekommen ist, dass welche, die weiter hinten auf der Liste platziert worden sind, dann in den Landtag gekommen sind. Teilweise auch vom letzten Listenplatz aus, da hat es immer wieder Beispiele gegeben." Anton Preis, Sprecher des Bayerischen Landtags

91 verschiedene Zweitstimmenzettel

Interessant dabei: Auch für die Reihung der Kandidaten auf der Liste zählt ihr Erststimmenergebnis mit – wer im eigenen Stimmkreis stark abgeschnitten, aber nicht gewonnen hat, rückt so nach vorn. Und: Man kann jeden Kandidaten nur ein Mal wählen. Wer in einem Stimmkreis direkt kandidiert, fehlt dort auf der Liste seiner Partei. Deswegen schauen auch die Zweitstimmenzettel in jedem der 91 Stimmkreise Bayerns anders aus.

Das Landesamt für Statistik hat alle Wahlvorschläge ins Internet gestellt. Weil das bayerische Wahlrecht dem Wähler so viele Möglichkeiten eröffnet, kann es sinnvoll sein, sie sich schon vor dem Wahltag anzuschauen. Damit nicht erst in der Wahlkabine die Frage auftaucht – so viel Auswahl, wen genau wähle ich denn jetzt mit meinen zwei Stimmen.