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So bereitet sich die VAG in Nürnberg auf den "Corona-Herbst" vor | BR24

© BR-Studio Franken/Henry Lai

Die VAG in Nürnberg setzt für den "Corona-Herbst" auf Hygiene und Abstand.

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So bereitet sich die VAG in Nürnberg auf den "Corona-Herbst" vor

Täglich fahren Tausende Nürnberger mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt. Gerade jetzt im "Corona-Herbst" ist ein gutes Hygienekonzept gefragt. Die VAG setzt dabei auf Altbewährtes und etwas ganz Neues.

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Von
  • Henry Lai

Bakterien fühlen sich in Bussen und Bahnen wohl. Es ist warm, ständig kommen neue Fahrgäste rein und bringen Keime mit. Und weil die Fahrzeuge ja nicht an jeder Haltestelle gereinigt werden können, ist so ein Bus eigentlich eine große, fahrende Petrischale. Doch keine Panik: Die meisten Bakterien sind eher harmlos – in Zeiten von Corona kann die Vorstellung allerdings schon nervös machen.

AHA auch im öffentlichen Nahverkehr

In diesen Zeiten ist die Hygiene im öffentlichen Nahverkehr besonders wichtig. "Die entscheidenden Maßnahmen im ÖPNV sind eigentlich das, was man als AHA-Regeln kennt. Also Abstand halten, Hygienemaßnahmen beachten und Alltagsmasken tragen. Zusätzlich haben wir von Anfang auch intensiv gelüftet", sagt Frederik Nöth, Referent für Technik und Innovation bei den Nürnberger Verkehrsbetrieben VAG.

Um einen Mindestabstand zwischen den Fahrgästen gewährleisten zu können, werden zum Beispiel mehr Busse eingesetzt. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das eigentlich paradox, weil wegen der Pandemie weniger Menschen als sonst mitfahren. Außerdem hat die VAG die Fahrzeuge jeden Abend mit einer Wischdesinfektion gereinigt. Ein großer Zeitaufwand mit einem nur kurzlebigen Effekt: Denn kaum ist der saubere Bus wieder auf der Straße, ist er eigentlich schon wieder kontaminiert.

Anti-Viren-Spray soll Oberflächen imprägnieren

Ein sogenanntes Imprägnier-Spray soll da helfen. Mit Silberpartikeln soll es Keimen und Viren auf den Leib rücken - auch längerfristig, sagt Thomas Konradt von der Nürnberger Firma Bio-Gate. "Das Spray wird auf Oberflächen aufgebracht, haftet dort für längere Zeit und stattet somit die Oberflächen antimikrobiell und antiviral temporär aus. Also es ist natürlich ideal, um sich gerade gegen Viren zu wehren."

© BR-Studio Franken/Henry Lai

Das Spray im Kanister soll Oberflächen langfristig gegen Viren imprägnieren.

Silber als Virenkiller bekannt

Dass Silberionen Bakterien abtöten können, ist in der Medizin schon lange bekannt. Als Verbraucher findet man das Metall zum Beispiel in Pflastern oder Cremes. Auch in bestimmten Kosmetikprodukten ist Silber – zum Beispiel als besonders winzige Partikel – enthalten. Das ist aber nicht unumstritten, weil diese Partikel auch in den menschlichen Körper eindringen und Zellen schädigen können. Bei dem Spray werden nach Angaben der Firma allerdings größere Partikel benutzt, sodass es keine Nebenwirkungen auf den Menschen gibt.

Experiment im Sommer

Bevor die VAG das Spray als Ersatz für die tägliche Wischdesinfektion eingeführt hat, gab es einen mehrtägigen Test. Dazu wurden zwei Busse über mehrere Tage untersucht. Ein erster Abstrich der nicht behandelten Fahrzeuge diente dabei als Kontrolle. Danach wurde das Spray aufgetragen. An verschiedenen Tagen untersuchten Labormitarbeiter die Keimbelastung in den Bussen. Das Resultat: Im Mittel ist die Zahl der Bakterien um etwa 90 Prozent gesunken – auch Tage nachdem das Spray angewendet wurde. Für die VAG waren die Ergebnisse überzeugend, sodass sie sich für das Mittel entschieden hat – als erster Verkehrsbetrieb in Deutschland.

Weitere Tests beauftragt

Noch ist unklar, wie genau das Spray im Regelbetrieb wirkt und in welchem Rhythmus es aufgetragen werden muss. "Wir sehen uns sicher auch ein Stückweit als Pilotanwender, deswegen haben wir bei einem Testlabor mehrere Testreihen beauftragt", so Frederik Nöth. Darum die weiteren Tests, die – so wie auch der erste Versuch im Sommer – von einem Labor durchgeführt werden, das zur Herstellerfirma gehört. Darin sehen aber sowohl VAG als auch Bio-Gate kein Problem.

Fürth will Spray auch einführen

Egal wie die Tests ausfallen: Zumindest den Winter über wird das Sprühmittel in Nürnberg eingesetzt. Und auch die Kollegen aus der Nachbarstadt Fürth wollen es im Kampf gegen Corona einsetzen. Frederik Nöth von der VAG macht aber auch klar: Ihm wäre es am liebsten, wenn man das Spray gar nicht erst bräuchte.

"Ganz ehrlich: Je früher wir damit aufhören können, weil die Zahlen deutlich zurückgehen oder es bessere Mittel gibt, umso eher werden wir das dann natürlich auch gerne machen." Frederik Nöth, VAG
© BR-Studio Franken/Henry Lai

Die VAG behandelt alle Fahrzeuge mit einem Imprägnierspray.

© BR

In ganz Deutschland steigen mit Ende des Sommers die Corona-Zahlen. Die VAG Nürnberg hat sich deshalb ein Hygienekonzept überlegt, um ihre Tausenden Fahrgäste besser zu schützen.

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