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Skurrile Streitfälle: Mit Softair-Waffen gegen den Nachbarn | BR24

© picture-alliance / dpa / Peter Steffen

Gartenzwerg mit Messer im Rücken (Symbolbild).

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    Skurrile Streitfälle: Mit Softair-Waffen gegen den Nachbarn

    Kuhglocken, Papageien oder einfach nur Schnee. Nachbarn können sich über die absurdesten Dinge streiten und nicht selten landet die Auseinandersetzung vor Gericht. Klassiker sind Lärm, der exakte Grenzverlauf oder der Überwuchs von Bäumen.

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    Pappagei und Schubserei

    Ein Papagei hat in einem Mehrfamilienhaus in Neustadt bei Coburg im vergangenen Jahr einen Nachbarschaftsstreit ausgelöst. Ein 49-jähriger Bewohner stellte wegen des dauernden Gekreisches seine Nachbarin zur Rede. Vor der Wohnungstür der Frau eskalierte die Situation: Der Mann schubste die 41-Jährige gegen den Türrahmen, wobei sie sich leicht verletzte. Die Frau erstattete Anzeige wegen Körperverletzung.

    Kuhglocken-Streit in Holzkirchen

    Der Lärm von Kuhglocken störte einen Unternehmer in Holzkirchen derart, dass er vor fünf Jahren vor Gericht zog. Schlaflosigkeit und Depression seien die Folge des ständigen Gebimmels, hinzu käme der Wertverlust seines Grundstücks, so die Argumente des Unternehmers. Mittlerweile ist auch seine Ehefrau vor Gericht mit ihrer Klage gescheitert. Ihr Mann, der in der zweiten Instanz vor das Oberlandesgericht München gezogen war, unterlag ebenfalls. Jetzt will das Ehepaar vor den Bundesgerichtshof. Die Kuhglocken in Oberbayern dürfen also vorerst weiterbimmeln.

    Streit beim Schneeschippen

    Ein weiterer Nachbarschaftsstreit wurde vor dem Amtsgericht München ausgetragen. Ein Nachbar ließ beim Schneeschippen des Öfteren eine Schaufel Schnee auf den Rasen des Klägers fallen. Dies sei mit Absicht passiert, so der Kläger, denn sein Nachbar habe ihm dabei hämisch in die Augen geschaut. Vor Gericht verlangte er die Unterlassung. Seine Begründung: Der zusätzliche Schnee verzögere im Frühjahr die Begrünung der Rasenfläche. Das Amtsgericht München konnte er damit nicht überzeugen. Zwar führe die Provokation zu einer Verschlechterung des nachbarschaftlichen Verhältnisses, dennoch handle es sich bei Schnee letztendlich nur um Wasser, das beim zugeschneiten Nachbargrundstück keine größeren Schäden anrichten könne, so das Gericht. Die Klage wurde abgewiesen.

    Nachbar greift zum Beil

    In Selb im Landkreis Wunsiedel fühlte sich ein Rentner durch die Musik eines jungen Paars wiederholt gestört und schlug deswegen mit einer Axt gegen die Wohnungstür. Die Tür ging zu Bruch. Der Rentner musste wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Bedrohung vor Gericht. Das junge Paar war vier Wochen vor dem Axtangriff eingezogen. Bei der mündlichen Verhandlung sprach der Rentner von einem Martyrium. Keine Nacht habe er wegen der lauten Musik seiner Nachbarn schlafen können. Vor seinem Axtangriff hätten die nächtlichen Ruhestörer noch bei ihm geklingelt und ihn als "Arschloch" bezeichnet. Außerdem habe er sich vor seinem Nachbarn gefürchtet, weil dieser mehrfach vorbestraft sei und mehrmals ein Messer vorgezeigt habe, so der Rentner. Das Schöffengericht verurteilte den Rentner letztendlich zu einer Geldstrafe von 3.000 Euro.

    Monströse Mauern, Stacheldraht, Selbstschussanlage

    Zu einem regelrechten Nachbarschafts-Horror kam es vor einigen Jahren in Bamberg. Der Streit begann 2010 durch eine 16 Meter lange und teilweise über drei Meter hohe, neu errichtete Grenzmauer. Nachbarin Helga K. fühlte sich durch die Mauer massiv eingeschränkt und klagte über zu wenig Licht und eingeschränkte Möglichkeiten beim Einparken. Es folgte eine provokante Trotzreaktion: 400 Meter Stacheldraht, Schreckschusspistole und Flutlichter brachte Helga K. an der Mauer an. Manche Medien berichteten sogar von einer vermeintlichen Selbstschussanlage. Nach Polizeiangaben handelte es sich dabei jedoch lediglich um Softair-Waffen, die strafrechtlich nicht relevant sind. Die Behörden sahen keine Möglichkeit gegen die Mauer vorzugehen, auch wenn die Mauer in Teilbereichen um zwölf Zentimeter zu hoch ist. 

    Manche Nachbarn klagen bis in die letzte Instanz

    Nachbarschaftsstreitigkeiten gehören zu den skurrilsten Fällen, die vor Gericht verhandelt werden und bisweilen gehen die Streitigkeiten bis in die letzte Instanz. So auch bei einem Nachbarschaftsstreit um einen Trompetenspieler in Augsburg. Seine Nachbarn wollten in Ruhe fernsehen. Nachgeben wollte keiner: Beide Seiten haben bis in die letzte Instanz geklagt. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied im vergangenen Jahr, dass das Musizieren eines Nachbarn in seinen eigenen vier Wänden bis zu einem gewissen Maß hingenommen werden muss. Zugleich muss aber nach Ansicht der Bundesrichter ein Ausgleich mit dem Ruhebedürfnis der Nachbarn gefunden werden. Das bedeutet konkret: Eine Beschränkung der Spieldauer auf zwei bis drei Stunden an Werktagen sowie auf eine bis zwei Stunden an Sonn- und Feiertagen. Zudem müssen Ruhezeiten zur Mittagszeit und in der Nacht beachtet werden.