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Skiweltcup auf der Kandahar: Corona-Auflagen und Wetterkapriolen | BR24

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Über 300 Helferinnen und Helfer kämpfen gegen Wetterkapriolen mit Corona-Auflagen

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    Skiweltcup auf der Kandahar: Corona-Auflagen und Wetterkapriolen

    Die legendäre Kandahar-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen fordert seit jeher die Rennläufer. Dieses Wochenende gehen die besten Damen an den Start, das Wochenende darauf die Herren. Doch in der 68. Auflage des Ski-Klassikers ist alles anders.

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    Von
    • Martin Breitkopf

    Keine Fähnchen im Zielraum, kein Jubel, keine Zuschauer und Siegesfeiern. Dafür Corona-Tests, Maskenpflicht, Abstandsregeln. Was wird das mit der legendären Kandahar in ihrer 68. Auflage machen? Seit Monaten dreht sich alles nur noch um Hygiene-Regeln, die Auflagen von FIS und Behörden sind immens. Organisations-Chef Peter Fischer und sein Team sind seit Monaten gefordert.

    Corona dominiert alles bei der diesjährigen Kandahar

    Beim Check in für Sportler, Betreuer und Medienvertreter gelten Hygieneauflagen wie in einer Klinik. Das Kongresshaus in der Ortsmitte hat sich in einen Hochsicherheitstrakt verwandelt. Sicherheitspersonal überwacht, dass kein Unbefugter reinkommt, Maskenpflicht, Hände desinfizieren, dazu obligatorischer Corona-Test und natürlich jede Menge Absperrungen für Wege und ein einziger Schilderwald.

    Auch der Kontakt zu Sportlern und Betreuern ist strengstens untersagt. Jeder muss in seiner Blase bleiben. Zusätzlich ist auf jeder Akkreditierung ein Barcode, mit dem per Scanner genau das Bewegungsprofil nachverfolgt werden kann. Im Fall der Fälle sollen so bei einem positiven Corona-Fall schnellstmöglich Kontaktpersonen gefunden werden. Florian Fischer vom Organisationskomitee bestätigt im BR-Interview, dass sich derzeit alles nur noch um Corona drehen würde. Ihm gehe es viel zu wenig um den Sport, sagt Fischer.

    Fischer: Das Leben ist kein Wunschkonzert

    Der Corona-Wahnsinn gipfelt bei Peter Fischer. 24-mal hat er schon den Skiweltcup in Garmisch-Partenkirchen organisiert. Dieses Jahr ist sein letztes Mal. Fischer dachte, er habe schon alles erlebt bei der Organisation einer solchen Großveranstaltung – doch dann kam Corona. Seinen Abschlussweltcup hat er sich definitiv anders vorgestellt. Doch wie er sagt, ist das Leben kein Wunschkonzert. Gerade jetzt sei aber seine langjährige Erfahrung gefragt. Jetzt brauche es ruhige, souveräne Entscheidungen, die oft schnell getroffen werden müssten, da sich die Corona-Lage schnell ändern könne, so Fischer. Letztlich gehe es um Gesundheit, Sicherheit und auch um viel Geld.

    Durch den Mehraufwand mit Corona entstehen erhebliche Mehrkosten, und auf der anderen Seite fehlen die wichtigen Einnahmen aus den Eintrittsgeldern und weiteren Einnahmen. Noch ist völlig unklar, wie das Defizit ausgeglichen werden kann. Derzeit laufen verschiedene Anfragen für finanzielle Hilfen – unter anderem bei der FIS und dem Staat. Letztlich fehlen die Einnahmen für die Nachwuchsarbeit des Skiclubs Garmisch, denn der Erlös des Weltcups spielt dafür die zentrale Rolle.

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    Seinen Abschiedsweltcup hat sich Peter Fischer anders vorgestellt.

    Und jetzt macht auch noch das Wetter kapriolen

    Die Herausforderung schlechthin: die Rennstrecke. Jetzt spielt auch noch das Wetter verrückt. Steigende Temperaturen, Regen im Tal, Schnee auf dem Berg. Die Wetterkapriolen fordern die Helferinnen und Helfer auf der Piste. Wegen Ansteckungsgefahr sind weniger Helfer im Einsatz als sonst. Das macht es noch schwieriger. Schaufelten und rutschten früher ganze Trupps von 30 bis 50 Personen, sind es jetzt immer nur kleine Grüppchen mit maximal vier Personen.

    Für alle auch auf im Freien gilt Maskenpflicht, das erschwert die Arbeit mit Schneeschaufel und Rechen. Für die nächsten Stunden sind weitere Schnee- und Regenfälle angekündigt. Für die Helfer auf der Piste wird es ein Wettlauf gegen die Zeit. Jede Hand wird gebraucht, um jeder Starterin faire Bedingungen zu ermöglichen. Das Training heute musste schon mal abgesagt werden.

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    Die Kandahar-Abfahrt wäre vorbereitet – jetzt schlägt das Wetter Kapriolen.

    Kandahar-Spirit bleibt auf der Strecke

    Für Samstag ist eigentlich die Abfahrt der Damen geplant, Sonntag dann der Super-G. Die ARD überträgt beide Rennen am Wochenende live ab 11 Uhr. Jedoch verheißen die Wetteraussichten nichts Gutes. Das Organisationskomitee vom Skiclub Garmisch hat getan, was in seiner Macht steht. Unermüdlich schuften die ehrenamtlichen Helfer, die teilweise sogar ihren Urlaub geopfert haben. Doch schon jetzt ist allen klar: Der typische Spirit der Kandahar bleibt auf der Strecke. Trotzdem ist der Skiweltcup wichtig nicht nur für Image und Nachwuchs, sondern auch um einfach zu zeigen: Es gibt auch noch was anderes außer Corona!

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