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Situation bei Conti: "Schock für die ganze Region" | BR24

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In der BR-Bürgersendung "jetzt red i" hat CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer erneut versichert, dass die Staatsregierung alles tun werde, um das Conti-Werk und die Arbeitsplätze dort zu erhalten. "Das können wir auf keinen Fall hinnehmen", so Kreuzer.

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Situation bei Conti: "Schock für die ganze Region"

Über 500 Beschäftigte fürchten um ihre Jobs, seit Continental angekündigt hat, das Werk in Roding zu schließen. Die bayerische Politik werde das "auf keinen Fall hinnehmen", sagte der CSU-Fraktionsvorsitzende Thomas Kreuzer bei "jetzt red i".

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Der Schock sitzt noch immer tief, das war den Rednerinnen und Rednern an diesem Mittwochabend bei "jetzt red i" im oberpfälzischen Roding deutlich anzumerken. Anfang Oktober gab Continental bekannt, sein Werk im Landkreis Cham 2024 zu schließen. Betroffen sind 540 Arbeitsplätze. Eine Montage-Mitarbeiterin sagte in der Sendung, sie sei "maßlos enttäuscht".

Mehrmals wurde der Vorwurf geäußert, Conti lasse die Beschäftigten "im Regen stehen", um im Ausland billiger zu produzieren. Vor allem die Ungewissheit sei schlimm, so die Meinung aus dem Publikum. Einige hoffen, dass es irgendwie in Roding weitergeht, andere strecken schon ihre Fühler nach neuen Jobs aus.

CSU-Fraktionschef: "Das können wir auf keinen Fall hinnehmen"

Sowohl aus der Politik, als auch von Gewerkschaftsseite wurde in der Sendung Unterstützung angekündigt. CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer sprach von einem "Schock für die ganze Region". Damit der Standort Roding noch eine Chance habe, werde man mit der Firmenleitung sprechen.

"Das können wir so auf keinen Fall hinnehmen. Die bayerische Politik wird alles tun - im Gespräch, an Runden Tischen - um zu versuchen, das Werk und die Arbeitsplätze zu erhalten. Wir haben hier gewisse Instrumentarien." Thomas Kreuzer, CSU-Fraktionschef

Konkret nannte Kreuzer den Autopakt und die kürzlich beschlossene "Hightech-Agenda", mit der allein der Automobilzulieferindustrie 120 Millionen Euro für Umstrukturierungsprozesse und Weiterbildung zur Verfügung gestellt würden. "Wir brauchen eine Transformation", so Kreuzer. Aber: "Am Ende entscheidet die Firmenleitung. Das ist einfach so."

IG Metall: "Es geht nur um die Erhöhung des Gewinns"

Die Continental-AG ist nach Bosch der weltweit zweitgrößte Zulieferbetrieb für die Autoindustrie. Bisher werden in Roding hydraulische Komponenten und Pumpen für Benzin- und Dieselmotoren gefertigt. Die Zukunft gehöre aber der Elektromobilität und deshalb müsse man umstrukturieren, heißt es von Unternehmensseite. Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern Johann Horn warf der Firmenleitung vor, nur vordergründig wegen des Wandels in der Automobilindustrie zu handeln.

"Ich glaube, dass viele von den Unternehmen ein bisschen so unter dem Deckmantel der ganzen Veränderungsprozesse Werksschließungen oder Verlagerungen ankündigen. […] Dabei geht es am Ende nur um die Erhöhung des Gewinns." Johann Horn, IG Metall-Chef Bayern

Die Beschäftigten hätten jedoch auch "eine Macht" und würden nun sowohl mit der Gewerkschaft als auch mit Betroffenen aus anderen Unternehmen zusammenstehen. "Für mich ist das noch nicht das Ende", so Horn.

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Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Johann Horn, hat in der BR-Bürgersendung "jetzt red i" in Roding zum Thema "Jobabbau bei Conti und Co." erklärt, für ihn sei die angekündigte Conti-Schließung noch nicht das Ende.

Runder Tisch ohne Ergebnis

Wie es in Roding weitergeht, ist allerdings weiterhin unklar. Ein Runder Tisch mit Conti, Gewerkschaften und Vertretern der Staatsregierung Ende Oktober brachte kein Ergebnis. Er wurde auf März 2020 vertagt. Rodings Bürgermeister Franz Reichold (CSU) und Chams Landrat Franz Löffler (CSU) positionierten sich in der Sendung auf Seiten der Beschäftigten. Stadt und Landkreis hätten in den letzten Jahren viel für Conti getan, sogar ganze Wälder seien gerodet worden, um die Werksansiedlung möglich zu machen. Ein weiterer Transformationsprozess vor Ort sei möglich, eine Verlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland unnötig.

Droht Bayern eine Wirtschaftskrise?

Vor dem Hintergrund des Stellenabbaus in Roding stellte sich auch die Frage, ob der gesamten bayerischen Automobil- und Zulieferindustrie eine Krise droht. Denn auch Firmen wie Schaeffler und Brose kündigten zuletzt Arbeitsplatzabbau an, Mittelständler wie Brandl oder Hörmann schließen ganze Werke. Laut einer Studie des Ifo-Instituts könnten in den kommenden Jahren alleine in Bayern 137.000 Arbeitsplätze der Branche vom Strukturwandel betroffen sein.

Sowohl CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer als auch Johann Horn von der IG Metall erwarten jedoch nicht, dass es so weit kommt. "Nirgends ist man so gut vorbereitet wie in Bayern", sagte Kreuzer. Beide betonten, es gehe jetzt um Technologieoffenheit, um Mobilität auch abseits von E-Autos weiter zu erforschen. So könnten Arbeitsplätze in Bayern gesichert werden.