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Sinkende Einnahmen, hohe Kosten: Zeitungsverlage unter Druck | BR24

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Die Zeitungsverlage in Bayern stehen unter Druck: Die Zahl der Abonnenten sinkt, Einnahmen gehen zurück - bei meist weiterhin hohen Produktionskosten. Nicht zu vergessen die Zeitungszusteller. Auch sie leiden unter der Krise der gesamten Branche.

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Sinkende Einnahmen, hohe Kosten: Zeitungsverlage unter Druck

Die Zeitungsverlage in Bayern stehen unter Druck: Die Zahl der Abonnenten sinkt, Einnahmen gehen zurück - bei meist weiterhin hohen Produktionskosten. Nicht zu vergessen die Zeitungszusteller. Auch sie leiden unter der Krise der gesamten Branche.

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In Zeiten des digitalen Wandels haben die Zeitungsverlage in Bayern ein Problem: Immer weniger Menschen wollen ihre gedruckte Zeitung lesen. Allein in Bayern verlieren die Zeitungen jedes Jahr bis zu drei Prozent ihrer gedruckten Auflage.

Einnahmen sinken, Kosten bleiben

Deutschlandweit ist es noch mehr, teilt der Verband Bayerischer Zeitungsverleger e.V. (VBZV) mit. 36 Zeitungen haben sich in dem Verband zusammengeschlossen. Ihr Geschäftsführer Markus Rick spricht von einer Kostenexplosion bei der Zeitungszustellung. Die Printauflage sinkt, damit auch die Einnahmen; aber die Kosten für die Produktion und journalistische Arbeit bleiben gleich, beziehungsweise steigen zum Teil sogar.

Eine neue große finanzielle Belastung für die Verlage ist der vor vier Jahren eingeführte Mindestlohn für die Zeitungszusteller, so Rick. Dabei leben die meisten bayerischen Zeitungen meist von den Abos, vor allem in der Region. Sie liefern trotz sinkender Auflage und steigender Kosten die Zeitungen bis ins letzte Dorf.

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Zeitungszusteller in Not

Zeitungszustellung ist den Verlagen zufolge ein Verlustgeschäft

Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Deutschland ein allgemein gesetzlicher Mindestlohn. Für Zeitungszusteller gab es aber eine Sonderregelung. Sie hatten zunächst nur einen herabgesetzten Mindestlohn erhalten. Erst seit Anfang 2018 bekommen Zeitungszusteller den Mindestlohn in voller Höhe. Vor dieser Umstellung wurden sie pro zugestellter Zeitung, also nach Stücklohn bezahlt, jetzt erhalten sie einen Stundenlohn. Diese Umstellung auf den Mindestlohn kritisieren die Verlage.

Für sie bedeutet das eine Mehrbelastung von mehreren hundert Millionen Euro. Laut dem Verband Bayerischer Zeitungsverleger werden deutschlandweit die Gesamtkosten für die Zeitungszustellung im kommenden Jahr auf voraussichtlich 1,344 Milliarden Euro steigen. 2014 waren es noch 952 Millionen Euro. Die taz hat bereits angekündigt, ab 2022 nur noch am Wochenende als Printausgabe zu erscheinen.

VBZV: "Zeitungen sind ohne Zusteller aufgeschmissen"

Parallel dazu haben die Zeitungsverlage mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Es gibt immer weniger Zeitungszusteller. Rund 20.000 sind es aktuell in Bayern. Der Job ist offenbar unattraktiv geworden. Trotz Mindestlohn ist die Bezahlung offenbar immer noch zu schlecht: nachts arbeiten, sechs Tage die Woche, bei Wind und Wetter raus.

Außerdem hat die Arbeitsbelastung für die Zeitungszusteller zugenommen, sagt Markus Rick. Sie müssen mehr arbeiten, müssen weitere Wegen gehen, haben größere Gebiete. Ohne Auto funktioniert die Zeitungszustellung nicht mehr. So gibt es nach BR24-Informationen eine Zustellerin aus Landsberg am Lech, die zumindest vorübergehend auch in Ottobrunn die Zeitungen ausgetragen hat, also am anderen Ende von München. Für sie bedeutete das mehr als 70 Kilometer Anfahrtsweg. Das sei aber die Ausnahme, heißt es.

Zeitungszusteller müssen immer mehr arbeiten

Die Zeitungszusteller sind das letzte Glied in der Kostenkette. Sie sind oft Einzelkämpfer. Die Abonnenten nehmen sie nicht wahr, Kollegen sehen sie kaum. "Die Spirale dreht sich für alle", sagt Verbandschef Rick. Oft sind es Hausfrauen, Rentner, Studenten, die als Minijobber Zeitungen verteilen. Auch wenn sie mittlerweile durch den Mindestlohn besser bezahlt werden, fordert die Gewerkschaft Verdi bessere Arbeitsbedingungen für die Zeitungszusteller.

Bernd Mann hat die Interessen der Zusteller jahrelang gewerkschaftlich vertreten. Er sagt, es gebe in Bayern kaum noch Betriebsräte, die sich für die Zeitungszusteller einsetzen. Denn die meisten Zusteller sind in Servicegesellschaften ausgelagert worden. Der Job als Zeitungszusteller habe an Reiz verloren, sagt Bernd Mann. Der Aufwand sei zu groß geworden. Die Verlage hätten sich verspekuliert: "Sie haben ihre erfahrenen Zusteller vergrault und Aushilfen geholt, die schnell wieder abgesprungen sind."

Verlage verlieren Zeitungszusteller an andere Unternehmen

Konkurrenz von neu in Bayern angesiedelten Unternehmen verschärfen das Problem des Personalmangels in der Zeitungszustellung. Denn Konzerne wie Amazon nehmen den Zeitungsverlagen in manchen Regionen die Minijobber weg, etwa im Kreis Augsburg: In Graben hat Amazon mit seinem Logistikzentrum 2011 viele neue Arbeitsplätze angeboten und viele 450-Euro-Kräfte abgeworben. Die Folge: Zeitungen im Kreis Augsburg haben ihre Zusteller verloren. Aber nicht nur auf dem Land ist es ein Problem, Zeitungszusteller zu finden, sondern auch in den Städten. So gebe es in München für bestimmte Bezirke keine Zusteller, berichtet der Geschäftsführer der bayerischen Zeitungen, Markus Rick.

Bund gibt 40 Millionen Euro für die Zeitungszustellung

Finanzielle Hilfe kommt für die Zeitungsverlage nun aus Berlin. Der Bundestag hat im November beschlossen, die Zustellung von Zeitungen und Anzeigenblättern 2020 mit 40 Millionen Euro zu unterstützen. Das reicht bei weitem nicht, sagt VBZV-Chef Markus Rick. Er rechnet vor: Man müsse den Förderanteil für die Anzeigenblätter aus den 40 Millionen Euro herausrechnen. Das seien rund 40 Prozent, also etwa 16 Millionen Euro Förderung aus Berlin. Pro Zeitung bedeute das eine finanzielle Unterstützung von unter einem Cent.

"Das ist eine homöopathische Dosis", meint Rick. 600 Millionen Euro würden helfen. Dann hätten die Zeitungen keine Probleme mehr mit der Zeitungszustellung. Ansonsten – so seine Prognose – würden viele Verlage unter dem Kostendruck zusammenbrechen. Und dann würde auch keine Zeitung mehr früh morgens im Briefkasten liegen.

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  • Katrin Bohlmann
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