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Klimawandel schafft neuen Lebensraum für Zecken | BR24

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In den Wäldern in Unterfranken sind in diesem Jahr besonders viele Zecken unterwegs. Das hat Förster Stephan Thierfelder beobachtet. Ein Arzt gibt Tipps, wie man die Plagegeister vermeidet.

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Klimawandel schafft neuen Lebensraum für Zecken

In den Wäldern in Unterfranken sind in diesem Jahr besonders viele Zecken unterwegs. Das hat Förster Stephan Thierfelder beobachtet. Ein Arzt gibt Tipps, wie man die Plagegeister vermeidet.

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Von
  • Alisa Wienand

Rund 20 Zecken hat sich Stephan Thierfelder dieses Jahr schon eingefangen – deutlich mehr als im vergangenen Jahr. Thierfelder leitet den Bereich Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt. Als Förster ist er beruflich viel in den Wäldern im Landkreis Schweinfurt unterwegs. Dort hat er festgestellt: Dieses Jahr gibt es besonders viele der kleinen Plagegeister.

Mehr Lebensraum für Zecken durch Klimawandel

Thierfelder führt das darauf zurück, dass es in diesem Frühjahr und im Frühsommer häufiger geregnet hat. "Die Zecken mögen es, wenn es warm und feucht ist", sagt der Förster. Dazu kommt, dass der Klimawandel die kleinen Tiere fördert. Die Laubwälder haben große Schäden von den heißen und trockenen Jahren 2018 und 2019 davongetragen: Bäume sind abgestorben und Teile der Baumkronen sind vertrocknet. Das führe dazu, dass mehr Licht auf den Boden fällt und so mehr Pflanzen auf dem Boden wachsen, sagt Thierfelder. "Je mehr Pflanzen da sind, desto mehr Zecken sitzen da auch drauf."

"Das ist Natur und da sind Zecken einfach da"

Dass es dieses Jahr besonders viele Zecken gibt, fällt auch im Waldkindergarten in Gerbrunn bei Würzburg auf. Die fünfjährige Carla zum Beispiel hat in den letzten Wochen zehn Zecken mit nach Hause gebracht. Deshalb sucht ihre Mutter Sarah Stump sie nach dem Kindergarten immer von Kopf bis Fuß nach Zecken ab. Carlas Mutter führt sogar ein Zeckentagebuch, in das sie einträgt, wann und wo genau sie die Zecken entfernt hat. Die Mütter der Kindergartenkinder sind schon geübt im Umgang mit den kleinen Tieren: "Das ist Natur und da sind Zecken einfach da."

Sind manche Menschen anfälliger für Zecken?

Während die kleine Carla dieses Jahr schon zehn Zecken hatte, hatten andere Kinder aus dem Waldkindergarten deutlich weniger. Das habe aber nichts damit zu tun, dass das eine Kind anfälliger für Zecken sei als das andere, sagt der Arzt Martin Bockholt. Spiele ein Kind im Unterholz, bekomme es schneller Zecken als wenn es auf Bäume klettere.

Überlebenskünstler und Überträger von Krankheiten

In seinen Arztpraxen in Randersacker und in Eibelstadt bei Würzburg hat Bockholt schon im Januar die ersten Zecken von Patienten entfernt. Der Arzt warnt davor, dass Zecken hartnäckig sein können und sogar in der Waschmaschine und im Kühlschrank überleben. Hat sich eine Zecke erst einmal festgesaugt, dann kann sie die Krankheiten Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, übertragen.

Mediziner warnen vor erhöhtem FSME-Risiko

Nicht nur die Anzahl an Zecken nimmt zu. Auch das Risiko, sich durch einen Zeckenstich mit FSME zu infizieren, steigt an. Schon im Mai haben Mediziner und das Deutsche Rote Kreuz vor einer erhöhten FSME-Gefahr gewarnt, die in diesem Sommer von Zecken ausgeht. Ganz Unterfranken ist als Risiko-Gebiet für FSME ausgewiesen. Ausnahme ist nur das Stadtgebiet Schweinfurt. Davor schützen kann eine Impfung. "Habe ich ein Haustier oder gehe ich in die Natur, dann würde ich mich impfen lassen", sagt Arzt Martin Bockholt.

💡 Tipps vom Hausarzt zum Umgang mit Zecken:

  • Vor Zecken schützt am besten die richtige Kleidung: Die Kleider sollten so viel Haut wie möglich bedecken und keine Umschlagsfalten haben, weil sich die Tiere dort verstecken können.
  • Haustiere können zum Beispiel mit einem Zeckenhalsband geschützt werden.
  • Hat sich eine Zecke festgesaugt, sollte sie möglichst schnell mithilfe einer Zeckenzange oder einer Zeckenkarte entfernt werden.
  • Vor der Entfernung sollten keine Öle, Kleber oder ähnliches auf die Zecke gegeben werden. Sonst kann sich das Tier erbrechen und Mensch oder Tier mit Borreliose infizieren.
  • Nach der Entfernung sollte zwei bis drei Wochen beobachtet werden, ob Anzeichen für Borrelliose oder FSME auftreten. Wenn beispielsweise eine kreisförmige Rötung oder Erkältungssymptome auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

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© picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Symbolbild: Warnschild Zecken