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Sind Katzen wirklich eine Gefahr für Fasane und andere Vögel? | BR24

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Fasan

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    Sind Katzen wirklich eine Gefahr für Fasane und andere Vögel?

    In einem Waldstück im Landkreis Augsburg hatte eine Jägerin grausam eine Hauskatze getötet und für viel Empörung gesorgt. Die Katze musste wohl sterben, weil sie in der Nähe auf Fasane lauerte. Wie gefährlich sind Katzen für Fasane wirklich?

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    Von
    • Veronika Scheidl

    Das Entsetzen und die Empörung waren groß, als die Organisation "Soko Tierschutz" kürzlich ein Video veröffentlicht hatte: Auf diesem ist zu sehen, wie eine Person eine Katze in einer Lebendfalle brutal erschießt. Laut "Soko Tierschutz" handelt es sich bei der Person um eine Jägerin aus dem Landkreis Augsburg. "Soko Tierschutz" hat Anzeige wegen Tierquälerei erstattet, die Polizei ermittelt.

    Nicht alle Jäger dürfen Katzen erschießen

    Dem Bayerischen Jagdverband (BJV) liegen keine Zahlen darüber vor, wie viele Katzen von Jägern geschossen wurden. Zwar lässt das Bundesjagdgesetz das Töten von wildernden Katzen zu, wenn sie weiter als 300 Meter vom nächsten bewohnten Gebäude entfernt sind. "Allerdings haben nicht alle Jäger dazu die Erlaubnis, nur Jäger, die die Funktion des Jagdschutzes in einem Revier innehaben", erklärt der BJV.

    BJV verurteilt grausame Tötung der Katze

    Dass die Katze, die wohl auch einen Besitzer hatte, in der Lebendfalle geschossen wurde, verurteilte der Jagdverband als "grausamen Tötung" und nicht tierschutzgerecht. Für die Jäger in Bayern gelte es als ungeschriebenes Gesetz, dass Haustiere nicht getötet werden. "Wenn eine Katze versehentlich in einer Lebendfalle gefangen wird - so lernen es die angehenden Jäger in der Ausbildung - wird sie in ein Tierheim gebracht, wenn der Besitzer nicht ermittelt werden kann", sagt der BJV.

    Fasane gehören zur Beute von Katzen

    Laut Soko Tierschutz soll es der Jägerin darum gegangen sein, die Katze von eigens zur Jagd gezüchteten Fasanen fernzuhalten. Wie der BJV mitteilt, stellen Katzen durchaus eine Gefahr für Vögel und Fasane dar: "Wenn Katzen in Feld und Wald unterwegs sind, dann fressen sie natürlich nicht nur Mäuse, sondern auch kleine Hasen und vor allem Bodenbrüter. Dazu gehören auch Fasane, Rebhühner, Kiebitze oder auch Feldlerchen".

    Katze: Ein Fressfeind unter vielen

    Das bayerische Landwirtschaftsministerium erklärt, dass die Gefahr der Bejagung von Fasanen durch Hauskatzen generell von den konkreten Umständen abhängig sei. Das Beutespektrum von Hauskatzen variiere je nach Gebiet. Meist würden Katzen Arten erbeuten, die in ihrem Lebensraum am häufigsten vorkommen, etwa Mäuse oder verschiedene Vogelarten.

    Sowohl BJV als auch Ministerium weisen darauf hin, dass Katzen nur ein Fressfeind des Fasans sind. Weitere Fressfeinde sind laut Ministerium vor allem der Fuchs und der Marder, auch Greifvögel wie der Habicht kämen in Betracht.

    Fasan-Population in Bayern gesunken

    Wie viele Fasane letztlich von Hauskatzen gerissen werden, darüber gibt es laut BJV und Landwirtschaftsministerium keine Zahlen. Wohl aber dazu, wie viele Fasane in Bayern gestorben sind: Im Jahr 2019/20 (April bis März) wurden laut Ministerium 15.064 Fasane erlegt, 13.844 davon wurden von Jägern geschossen. Die weiteren Tiere sind Fallwild, sind also bei Verkehrsunfällen oder etwa durch Krankheit oder Riss verstorben.

    Im Jagdjahr 2008/09 wurden laut BJV noch etwa 60.000 Fasane erlegt. Der Rückgang der Fasane sei vor allem bedingt durch die intensive Landwirtschaft, die den Lebensraum der Feldhühner verändert hat und die Zunahme von Raubwild, die die Jungtiere so stark dezimieren.

    In den vergangenen zwei Jahren ist nach Angaben des Jagdverbandes aber eine leichte Erholung der Fasanen-Population zu erkennen, weil viele Jäger neue Lebensräume für die Fasane anlegen, wie Hecken und Wildäcker, und die Beutetiere wie den Fuchs wieder schärfer bejagen.

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