Siemens-Werk in Nürnberg
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Siemens-Werk in Nürnberg

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Siemens stellt Großmotorengeschäft auf eigene Beine

Großmotoren waren einst das Kerngeschäft von Siemens. Jetzt gliedert der Konzern den Geschäftsbereich aus. Mit „Innomotics“ entsteht ein eigenständiges Unternehmen mit Sitz in Nürnberg. Die Gewerkschaft übt Kritik, sieht aber auch Chancen.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Mainfranken am .

Dass Siemens sich von Geschäftsbereichen trennt, ist nicht neu. In der Vergangenheit hat der Technologiekonzern beispielsweise Siemens Healthineers oder Siemens Energy abgegeben. Nun trifft es ein einstiges Kerngeschäft: das Großmotorengeschäft LDA („Large Application Drives“). Zum heutigen 1. Juli wird die Sparte ein eigenständiges Unternehmen, mit Namen „Innomotics“. Die Gewerkschaft IG Metall hatte lange gegen die Pläne gekämpft. Für die Beschäftigten ändert sich zunächst einmal nichts. Wohin die Reise langfristig geht, ist allerdings offen.

Aus Großmotorensparte LDA wird „Innomotics“

Wenn Siemens seine Großmotorensparte LDA („Large Application Drives“) ausgliedert, geht direkt ein sogenannter „Global Player“ an den Start. Innomotics beschäftigt weltweit über 15.000 Mitarbeiter und Mitarbeiter. Gut 3.500 davon in Deutschland und rund 1.800 in und um Nürnberg. Bei Bekanntgabe der Ausgliederungspläne hatte Siemens verlauten lassen, dass Innomotics zum Start wohl einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden Euro haben wird. Trotzdem wird der Start als eigenständiges Unternehmen für Innomotics eine Herausforderung, schätzt Roland Wehrer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Nürnberg. „Man verliert halt seine Mutter und auch das Rückgrat“, sagt der Gewerkschafter mit Blick auf die Ausgliederung aus der Siemens AG. An der Geschäftstätigkeit ändert sich indessen erstmal nichts. Innomotics fertigt Nieder- bis Hochspannungsmotoren, Getriebemotoren, Mittelspannungsumrichter sowie Motorspindeln. Chef von Innomotics wird Michael Reichle. Er hatte bereits im Januar die Führung der Großmotorensparte übernommen.

Nürnberg wird Stammsitz

Obwohl Innomotics die meisten Beschäftigten seiner weltweit 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in China und Tschechien hat, wird der Stammsitz des Unternehmens in Deutschland sein: in der Nürnberger Vogelweiherstraße. Deutschland spiele im Bereich Entwicklung für das Unternehmen eine wichtige Rolle. Und in Nürnberg sei letztendlich die Führungsriege für das Weltgeschäft von Innomotics zuhause, hieß es bei Bekanntgabe der Entscheidung Anfang März. Eine Entscheidung, die die Gewerkschaft IG Metall begrüßt. Das sei ein „starkes Signal“ für die Beschäftigten hier am Standort, sagt Roland Wehrer von der IG Metall Nürnberg. In der Vergangenheit hatte sich die Gewerkschaft wegen der noch unklaren Ausgliederungspläne von Siemens große Sorgen um den Standort in der Nürnberger Vogelweiherstraße gemacht.

Für die Beschäftigten ändert sich nichts - erstmal

Für die Beschäftigten ändere sich „am Anfang erstmal gar nichts“, sagt Roland Wehrer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Nürnberg. Schließlich sei Innomotics eine einhundertprozentige Siemens-Tochter. Allerdings habe Siemens von Anfang an betont, „dass das nicht zwingend der letzte Schritt sein wird“, meint Wehrer. Möglich sei, dass Innomotics komplett verselbstständigt, an die Börse gebracht oder an einen Investor verkauft wird. „Da kann man Stand heute noch nicht wirklich abschätzen, was das mal bedeuten wird“, so der Gewerkschafter.

Zu wenig Gewinn und „Green-Washing“ als Trennungsgründe?

Als Siemens seine Ausgliederungspläne für sein Großmotorengeschäft bekanntgegeben hatte, nannte der Konzern keine Gründe. Eine Überraschung war der Schritt ohnehin nicht mehr, war doch der Geschäftsbereich längst auf der Liste der sogenannten „Portfolio Companies“. In dem Unternehmensbereich werden bei Siemens Sparten und Geschäftsbereiche gepackt, die sich nicht so entwickeln wie von der Konzernführung gewünscht. Eine Art „schwarze Liste“. Dem Vernehmen nach waren für Siemens die eingeschränkten Digitalisierungsmöglichkeiten der Großmotorensparte ein Grund, sich von dem Geschäft zu trennen. Nach Ansicht der IG Metall gibt es aber noch weitere Gründe. So hätten die „Large Drive Applications“ die Gewinnmargenvorgaben des Konzerns nicht erfüllt. Außerdem betreibe Siemens durch die Ausgliederung gewissermaßen „Green-Washing“, sagt Roland Wehrer von der IG Metall in Nürnberg. Auch wenn die hergestellten Elektromotoren zwar umweltfreundlich seien: weil sie auch im Bergbau und in der Öl- und Gasförderung eingesetzt werden, habe sich Siemens wiederholt Kritik von Anlegern und Umweltschützern anhören müssen. Durch den Verkauf des Großmotorengeschäfts wolle der Konzern also auch sein Image mit Blick auf den Umweltschutz aufbessern.

Gewerkschaft sieht auch Chancen

Auch wenn die Gewerkschaft das Großmotorengeschäft gerne weiter unter dem Dach der Siemens AG gesehen hätte: die IG Metall sieht durch die Eigenständigkeit auch Chancen. „Bis jetzt war man eingebunden in eine Organisation, in der es recht enge Regeln gibt“, sagt Gewerkschafter Roland Wehrer. Das werde sich nun ein Stück weit ändern. Innomotics könne als GmbH „ein bisschen freier agieren“, als wie man es als Unternehmensbereich von Siemens konnte.

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