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Im schwäbischen Friedberg sind siebe Menschen an einer Corona-Infektion gestorben. Offenbar hatten sie sich in der Klinik angesteckt. Das bayerische Landesamts für Gesundheit geht von drastischen Versäumnissen aus, so ein interner Zwischenbericht.

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Sieben Todesfälle: Task Force belastet Friedberger Klinik schwer

Eigentlich werden im Friedberger Krankenhaus keine Corona-Fälle behandelt. Doch BR-Recherchen zeigen, dass sieben Menschen gestorben sind, nachdem sie sich wohl in der Klinik infiziert haben. Das Landesamt für Gesundheit sieht massive Versäumnisse.

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Von
  • Andreas Herz

"Einen Tag nach der Operation hat er mich angerufen. Er hat gesagt, dass es ihm gut geht. Er hätte nur ein bisschen Husten." Es ist das letzte Mal, dass Kerstin M. von ihrem Schwiegervater hört. Am 17. Dezember wird der 80-Jährige wegen Darm-Beschwerden operiert. Zu diesem Zeitpunkt hat sich im Friedberger Krankenhaus das Coronavirus bereits verbreitet – in einem Krankenhaus, in dem eigentlich keine Corona-Fälle behandelt werden.

Seit November Ansteckungen im Krankenhaus

Spätestens seit dem 11. November kommt es in dem Krankenhaus zu Corona-Fällen. Besonders brisant: Schon Mitte November treten wohl erste sogenannte nosokomiale Infektionen auf. Das sind Fälle, bei denen sich Patienten oder Mitarbeiter im Krankenhaus mit Corona infiziert haben.

Hygienefachkraft an der Klinik offenbar überfordert

Dem BR liegt exklusiv ein interner Zwischenbericht der Task Force des Landesamts für Gesundheit vor, die das Geschehen am Friedberger Krankenhaus untersucht. Darin heißt es, im Krankenhaus bestehe "keine gesetzeskonforme Überwachung" nosokomialer Infektionen.

Der Bericht schildert, dass der Task Force bei einem Besuch Ende Januar "keine genauen Daten durch die Klinikhygiene" geliefert werden konnten. Die Hygienefachkraft, die dauerhaft in der Klinik angestellt ist, sei mit der Situation nach eigener Aussage überfordert, so der Zwischenbericht.

Ursache für Infektionen außerhalb der Klinik gesucht

Im November habe die Hygienefachkraft letztmals eine Begehung des Krankenhauses durchgeführt: "Es bestehen keinerlei Aufzeichnungen zu nosokomialen Infektionen, die Bewertung hatte augenscheinlich den Fokus, andere – nicht mit dem Klinikaufenthalt oder der Tätigkeit in der Klinik verbundene – Gründe für Infektionen mit SARS-CoV-2 zu finden", heißt es im Zwischenbericht der Task Force.

Keine Prüfung von Infektionen innerhalb der Klinik

Als ein Beispiel beschreibt die Task Force den Fall einer infizierten Ärztin. Bei dieser sei als Begründung für ihre Corona-Infektion angeführt worden, dass sie Kinder habe. Eine Prüfung des Sachverhalts, zum Beispiel ob die Kinder positiv getestet wurden, habe nicht stattgefunden. Auch eine Prüfung nach "innen“, also ob sie sich in der Klinik infiziert haben könnte, blieb laut dem Bericht der Task Force aus.

Der Fall sei nur ein Beispiel von vielen, heißt es in dem Bericht. Notwendige Maßnahmen seien so zu spät eingeleitet worden. Beim Besuch der Task Force Ende Januar sei die Klinik auf ihre gesetzlichen Verpflichtungen hingewiesen worden. "Die unverzügliche personelle Verstärkung der Klinikhygiene wurde dringend angemahnt." Die Klinik-Geschäftsleitung wollte sich zu den nosokomialen Infektionen nicht äußern.

Auch beim zuständigen Gesundheitsamt wurde spät auf die steigenden Infektionen reagiert. Das zeigen BR-Recherchen.

Task Force stellte hygienische Mängel fest

Auch durch hygienische Mängel konnte sich das Virus offenbar ausbreiten. Im Bericht heißt es, dass zum Beispiel FFP2-Masken nicht sachgemäß gelagert wurden, Händedesinfektionsmittel sei nicht eindeutig gekennzeichnet gewesen, Anweisungen für die nötige Einwirkzeit hätten gefehlt. Kot sei nicht ausreichend beseitigt worden.

Auch das Personal habe laut Task Force möglicherweise zur Ausbreitung beigetragen. So hätten die Mitarbeiter in den Pausen keine Masken getragen und Schichtwechsel hätten in "deutlich zu großen Gruppen" stattgefunden, so der interne Zwischenbericht.

Dienstanweisung für Mitarbeiter erst im Januar

Andere interne Dokumente, die dem BR exklusiv vorliegen, zeigen zudem, dass erst am 12. Januar eine Dienstanweisung zum Umgang mit den Covid-Fällen am Friedberger Krankenhaus herausgegeben wird. Das Landesamt für Gesundheit kritisiert diese Dienstanweisung als "sehr knapp gehalten" und merkt zahlreiche Ergänzungen an. Weder das Krankenhaus, noch das Gesundheitsamt wollten sich dazu äußern.

Patienten erfahren nichts von den Vorfällen

Kerstin M. erfährt im Dezember nichts von den Vorfällen im Friedberger Krankenhaus. Knapp eine Woche nachdem ihr Schwiegervater operiert wurde, will sie ihn im Krankenhaus anrufen. Von der Station hört sie zunächst nur, dass er nicht mehr im Krankenhaus sei. Kerstin M. fragt nach, will wissen, wo ihr Schwiegervater ist.

"Das Krankenhaus hat am Anfang nur rumgedruckst. Dann kam raus, dass seine Entzündungswerte nach oben geschnellt sind. Der Bauch wurde noch mal aufgeschnitten. Aber da war alles ok. Dann wurde festgestellt, dass es von der Lunge kommen könnte", berichtet die Schwiegertochter. "Dann wurde ein PCR-Test gemacht. Positiv. Mein Schwiegerpapa hatte Corona", so Kerstin M.. Tage später ist er tot.

Mit einem Infizierten zusammengelegt

Hubert Mayer, Geschäftsführer der Kliniken an der Paar, erklärt, dass die räumliche und personelle Trennung von Infizierten, Verdachtsfällen und Gesunden geschehen sei. Die Schilderungen von Betroffenen lassen daran jedoch Zweifel aufkommen. Laut einer Angehörigen wurde ihr Vater zu einem schwer hustenden Patienten in ein Zimmer gelegt. Erst nachdem die beiden Männer in einem Zimmer lagen, wurde der hustende Mann getestet. Er hatte Covid. Er steckte seinen Zimmergenossen an, der daraufhin starb.

Kerstin M. hat derweil einen Anruf von dem Mann erhalten, der mit ihrem inzwischen verstorbenen Schwiegervater im Zimmer lag. "Er konnte es kaum glauben, dass mein Schwiegervater verstorben ist." Dabei hätte er es erfahren müssen. Als Zimmernachbar war er Kontaktperson ersten Grades. Doch weder vom Krankenhaus, noch vom Gesundheitsamt habe sich jemand gemeldet.

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Im Friedberger Krankenhaus sind sieben Menschen gestorben, die sich offenbar in der Klinik mit Corona infiziert haben. Die Klinik und das örtliche Gesundheitsamt haben versucht, den Corona-Ausbruch herunterzuspielen. BR-Reporter Andreas Herz.