Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Sicherheitsrisiko Biogasanlagen? Dutzende Unfälle seit 2017 | BR24

© BR

Rund 2.400 Biogasanlagen gibt es in Bayern. Aus Gülle, Mist und Pflanzen entstehen Strom und Wärme – eigentlich umweltfreundlich. Aber bei einem Unfall ist vor allem die Umwelt in Gefahr. Und seit 2017 gab es mehr als 50 Biogasunfälle.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Sicherheitsrisiko Biogasanlagen? Dutzende Unfälle seit 2017

Rund 2.400 Biogasanlagen gibt es in Bayern. Aus Gülle, Mist und Pflanzen entstehen Strom und Wärme – eigentlich umweltfreundlich. Aber bei einem Unfall ist vor allem die Umwelt in Gefahr. Und seit 2017 gab es mehr als 50 Biogasunfälle.

Per Mail sharen

Die Laaber fließt im niederbayerischen Pfeffenhausen idyllisch durch die Löwenzahnwiesen. Die Sonne scheint: Normalerweise würden Manfred Weiherer, Vorsitzender des Fischereivereins Pfeffenhausen, sein Sohn Tobias und andere Hobbyangler am 1. Mai am Uferrand sitzen und fischen. Doch das geht nicht, der Verein hat die Laaber hier gesperrt. Der Grund: ein Unfall in einer Biogasanlage.

"Ich war soweit, dass ich gesagt habe, ich hör auf mit dem Verein. Ich hab Angst, dass hier viel kaputt gegangen ist, die Grundfische, die oberen Fische. Man hat drei Kilometer weiter unten noch tote Forellen gefunden." Manfred Weiherer, 1. Vorsitzender Fischereiverein Pfeffenhausen

Hunderte Kubikmeter Gülle liefen in die Laaber

Nur wenige Kilometer flussaufwärts war es am Morgen des 13. März in Rainertshausen zu dem Unfall gekommen. Nach Schätzungen der Polizei liefen aus dem Güllelager einer Biogasanlage mehrere Hundert Kubikmeter Gülle in die Laaber. Ob der Biogasanlagenbetreiber einen Fehler gemacht hat oder es ein technisches Problem gab, das prüfen die Behörden noch.

Manfred Weiherer war am Unglückstag mit Sohn Tobias vor Ort: Dutzende Feuerwehrleute pumpten das verunreinigte Wasser ab, Landwirte brachten das Güllegemisch auf den nahegelegenen Feldern aus, Sperren wurden errichtet. Am Abend wurden die Arbeiten eingestellt. Tobias Weiherer musste mitansehen, wie die Güllebrühe in den Abschnitt der Laaber gelangte, den der Verein gepachtet hat.

© BR

Knapp 2.500 Biogasanlagen gibt es in Bayern. Sie sind vor allem für Landwirte eine wichtige Einnahmequelle. Aus Gülle, Mist und Pflanzen entstehen Strom und Wärme. Klingt sehr umweltfreundlich, doch immer wieder kommt es zu Unfällen.

© BR / Astrid Halder

Hobbyangler Manfred und Tobias Weiherer an der nach Biogasanlagenunfall gesperrten Laaber

Nur wenig später: Biogasunfall in Dorfen

Gerade mal einen Monat später, Anfang April, gab es im oberbayerischen Dorfen ein ähnliches Szenario. Laut Landratsamt Erding hatte ein Landwirt seine Biogasanlage manipuliert, Gärreste flossen in die Isen. Die Behörden stellten Container bereit, in die die Fischer Tausende tote Fische einsammelten.

SPD-Anfrage an die Staatsregierung

Unfälle bei Biogasanlagen gibt es immer wieder. Das zeigt eine aktuelle Anfrage der SPD- Landtagsabgeordneten Ruth Müller und Florian von Brunn an die bayerische Staatsregierung: 2017 und 2018 gab es insgesamt 56 Biogasunfälle in Bayern, 38 mal waren Gewässer betroffen.

Kritik: Kontrolleure fehlen

Florian von Brunn kritisiert, die Kreisverwaltungsbehörden vor Ort, die für die Überwachung und Genehmigung zuständig sind, würden vom Umweltministerium nicht genug unterstützt. Es gebe zu wenig Personal für intensive Kontrollen.

"Das größte Problem ist, dass das Umweltministerium die Verantwortung immer an die Landratsämter abschiebt. Ich finde, wenn es so viele Unfälle gibt, dann muss sich der Umweltminister darum kümmern, das muss dann Chefsache sein." Florian von Brunn, Sprecher der SPD-Landtagsfraktion für Umwelt und Verbraucherschutz

SPD fordert Schutzwälle um Biogasanlagen – sofort

Außerdem fordert der SPD-Abgeordnete flächendeckend Schutzwälle für die rund 2.400 Biogasanlagen in Bayern. Laut Gesetz sind die erst ab 2022 für alle Anlagen verpflichtend. Man könne nicht einfach 3 Jahre warten, man müsse jetzt was tun, sagt von Brunn.

Umweltministerium weist Kritik zurück

Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber von den Freien Wählern gibt dazu selbst kein Interview. Schriftlich teilt sein Ministerium mit, man habe die zuständigen Kreisverwaltungsbehörden bereits angewiesen, "dass eine unverzügliche Umwallung insbesondere bei solchen Biogasanlagen notwendig ist, die bereits Gewässer verunreinigt haben, sowie bei Biogasanlagen, bei denen aufgrund der Nähe zu Gewässern eine unmittelbare Gefahr einer Gewässerverunreinigung vorliegt".

Wie viele Biogasanlagen in Bayern bis jetzt so einen Schutzwall haben, ist dem Umweltministerium allerdings nicht bekannt. Auch die Kritik der Untätigkeit weist das Umweltministerium zurück, Bayern habe sich im Bund sogar dafür eingesetzt, die Sicherheitsstandards für Biogasanlagen zu erhöhen.