Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Sicherheitskonferenz: Die Zeit der großen Demos scheint vorbei | BR24

© dpa-Bildfunk

Teilnehmer einer Demo gegen die Sicherheitskonferenz

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Sicherheitskonferenz: Die Zeit der großen Demos scheint vorbei

Sie gehören zur Münchner Sicherheitskonferenz fast schon wie der beeindruckende Aufmarsch an Staats- und Regierungschefs, an Ministern und Sicherheitsexperten: Friedensaktivisten, die gegen die Sicherheitskonferenz auf die Straße gehen.

Per Mail sharen

Für viele von ihnen ist die Tagung nichts anderes als eine Versammlung Kriegswilliger. Ein Vorwurf, den SIKO-Chef Wolfgang Ischinger kennt und scharf zurückweist.

"Der alte Vorwurf, hier im Bayerischen Hof würde sich so eine Allianz von Kriegstreibern treffen um den nächsten Krieg vorzubereiten - das ist einfach schlicht und ergreifend dummes Zeug." Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz

Miteinander reden, um so Konflikte zu benennen und einzudämmen. Das erhofft sich SIKO-Chef Ischinger von den einzelnen Veranstaltungen, vor allem aber von den vielen informellen Hintergrundgesprächen.

Kritiker der Sicherheitskonferenz sehen Kriegstreiberei

Dass dabei wirklich Konflikte eingedämmt werden können, bezweifelt indes Thomas Mohr, der Vorsitzende der Projektgruppe "Münchner Sicherheitskonferenz verändern". Er ist seit Jahren einer der Kritiker, die an der SIKO als Beobachter teilnehmen dürfen. Was er dort sieht und hört, überzeugt den Pazifisten nicht.

"Ich hoffe jedes Jahr, dass es irgendwo kleine Ansätze gäbe, wo es nicht um ein Werben um Militär geht, sondern wo es so etwas wie Verständigung, aufeinander Hören auch tatsächlich stattfindet. Und ich bin dann oft enttäuscht gewesen, dass es doch mehr Schaufensterreden sind und mehr Konfrontation." Thomas Mohr, Pazifist

Den Friedensaktivisten fehlt es an Nachwuchs

Thomas Mohr wird daher auch in diesem Jahr parallel zur SIKO die sogenannte "Münchner Friedenskonferenz" veranstalten. Sie findet ebenso wie der Demonstrationszug am Samstag statt. Im Vergleich zu früheren Zeiten ist der allerdings deutlich kleiner. In den vergangenen Jahren konnten die Veranstalter nur noch wenige tausend Demonstranten mobilisieren.

Die Friedensbewegung habe in den zurückliegenden Jahrzehnten deutlich an Attraktivität eingebüßt, räumt Thomas Rödl von der Deutschen Friedensgesellschaft ein: "Ich sehe in welchem Zustand sich die Friedensbewegung befindet. Und das sind bis auf wenige Ausnahmen rüstige Rentner, das ist die Generation 60plus. Und uns fehlt der ganze Bereich 50, 40 Jahre und jünger. Da haben wir einfach keinen Nachwuchs. Und die Organisationen, die es noch gibt, haben zu wenig Ressourcen. In erster Linie Finanzen, aber auch Hauptamtliche, die wirklich etwas auf die Beine stellen können."

Dass die aktuelle weltpolitische Lage, in der es wieder um das Thema Aufrüstung geht, mehr Friedensaktivisten mobilisiert, ist ungewiss. Zwar lautet das Motto der morgigen Demonstration: "Frieden statt Aufrüstung – Nein zum Krieg", doch die Veranstalter selbst rechnen mit maximal 4.000 Teilnehmern, die Polizei geht von deutlich weniger Demonstranten aus. Eine konkrete Gefährdung gebe es nicht, betonen die Behörden.

Diplomatie statt Demonstrationen

Nicht gegen die Münchner Sicherheitskonferenz, sondern gegen Krieg und für den Frieden demonstrieren – das fordert der Chef der Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger. An der Durchschlagskraft der Pazifisten zweifelt er allerdings:

"Wir sind alle hier auf derselben Wellenlänge. Wir wollen keine neue Aufrüstungsspirale in Europa. Ob es dazu hilfreich sein könnte, wenn in deutschen Städten die Friedensbewegung demonstriert, da habe ich so ein bisschen meine Zweifel. Ich glaube, das interessiert weder in Washington noch in Moskau. Hier brauchen wir harte Diplomatie. Ich glaube, die Bundesregierung braucht hier keinen Nachhilfeunterricht von einer wiederbelebten Friedensbewegung." Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz
Video nicht mehr verfügbar

Dieses Video konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© BR

Wieviel Raum werden die transatlantischen Spannungen einnehmen? BR-Reporter Eckhart Querner berichtet von der Sicherheitskonferenz in München.