Die Jugend der Bayreuther Wasserwacht ist nicht nur Bayerischer Vizemeister im Rettungsschwimmwettbewerb 2023. Die Wasserretter engagieren sich vehement dafür, dass nicht nur möglichst viele Kinder früh schwimmen lernen, sondern noch weitaus mehr.
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Die Jugend der Bayreuther Wasserwacht ist nicht nur Bayerischer Vizemeister im Rettungsschwimmwettbewerb 2023.

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Weniger Grundschüler können schwimmen: Wie die Wasserwacht hilft

Jeder fünfte Grundschüler in Bayern kann nicht richtig schwimmen. Das sind doppelt so viele Kinder wie noch vor fünf Jahren. Die Wasserwacht will diesen Trend stoppen, die Kinder profitieren doppelt.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Dienstagabend im SVB Bad in Bayreuth. Auf den Bahnen des Schwimmades herrscht reges Treiben. Um die 80 Kinder und Jugendliche trainieren hier. Sie alle sind Mitglieder der Wasserwacht Ortsgruppe Bayreuth. Wie der zehnjährige Ben und die neunjährige Naomi. "Ich bin bei der Wasserwacht, weil schwimmen Spaß macht und es hier einfach cool ist", sagt Ben. Und weil es einfach ein gutes Gefühl sei, jemanden helfen zu können, ergänzt Naomi.

Früh lernen, anderen zu helfen

Auf dem Trainingsplan steht heute eine ganz besondere Rettungsübung: das Abschleppen. Naomi und Ben sind mit ihrer Gruppe schon im Wasser. Am Beckenrand steht Jugendtrainerin Viktoria Mader und gibt klare Anweisungen, die die Kinder verstehen. Zeigt ihnen, wie es richtig geht. "Ihr müsst die Hände unter die Schultern nehmen, dann rutscht ihr nicht ab!". Seit ihrem fünften Lebensjahr ist sie Mitglied der Bayreuther Wasserwacht. Mittlerweile hat sie den Lehrschein und darf ehrenamtlich Kinder und Jugendliche schulen.

"Die Kinder wachsen einem einfach ans Herz, da macht man das einfach gerne", so Viktoria Mader. Mit der Abschlepp-Übung will sie den Kindern vor allem Sicherheit geben. Es sei wichtig, schon im jungen Alter zu trainieren, damit sie andere Menschen im Notfall helfen können. Aber auch Baderegeln und Erste-Hilfe-Maßnahmen lernen die Kinder hier. "Jeder kann helfen, egal wie alt. Und wenn es nur das Absetzen eines Notrufes ist."

Zahl von Nichtschwimmern bei Grundschülern verdoppelt

Die Zahl der Grundschüler, die nicht schwimmen können, hat sich innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. Eine aktuelle Umfrage der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) aus dem Januar 2023 zeigt, dass vergangenes Jahr rund ein Fünftel der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren nicht richtig schwimmen konnten. Wie die Umfrage auch zeigt, sind weitere 23 Prozent der Kinder nach Angaben ihrer Eltern unsichere Schwimmer.

Nach Angaben der DLRG gingen Mütter und Väter fälschlicherweise davon aus, dass Kinder mit einem Seepferdchen-Abzeichen schon schwimmen könnten. Die DLRG macht auch die ausgefallene Schwimmausbildung während der Corona-Pandemie für den hohen Anteil der Nichtschwimmer verantwortlich.

Keine Nachwuchssorgen, aber Platzprobleme

Für Schwimmkurse braucht es ausreichend Wasserflächen, sagt Karin Diehl. Sie ist die Vorsitzende der Wasserwacht Ortsgruppe Bayreuth. Die Nachfrage nach Schwimmkursen sei auch bei ihnen deutlich höher als das Angebot. Ihre Kurse finden eigentlich im Stadtbad statt. Doch das ist seit Monaten immer wieder geschlossen. "Das macht uns wirklich Bauchschmerzen – wir brauchen das Stadtbad dringend!".

In diesem Jahr feierte die Ortsgruppe der Bayreuther Wasserwacht ihr 75-jähriges Jubiläum. Nachwuchssorgen hat man aktuell nicht. Von insgesamt 550 Mitgliedern sind 100 Kinder und Jugendliche. Aktiv mitmachen kann jeder ab dem Seepferchen. Es sei aber wichtig, schon die Kleinen immer wieder zu motivieren, damit sie am Ball und der Wasserwacht nach dem Teeniealter erhalten blieben, so Karin Diehl. Die ehrenamtlichen Trainer denken sich daher auch immer wieder neue Übungen aus, wie beispielsweise Unterwasser-Memory. "Da lernen sie spielerisch, die Augen unter Wasser offen zu halten", erklärt Viktoria Mader.

Bayreuther gehören zu Bayerns Besten

Eine Stunde pro Woche ist Training für die Kinder und Jugendlichen. Erst Ende Mai hat die Gruppe von Viktoria Mader den zweiten Platz des bayerischen Rettungsschwimmwettbewerbs belegt. Das macht Naomi, Ben, Jakob, Lena, Keira und Johanna ziemlich stolz: "Damit hätten wir gar nicht gerechnet, das ist schon cool", freuen sich die Sechs. Statt Leistung stünden aber Spaß und Kameradschaft im Vordergrund bei der Wasserwacht, betont die Vorsitzende der Ortsgruppe. Und: Selbstbewusstsein.

Der 10-jährige Jakob bringt es auf den Punkt: "Ich finde gut, dass ich das kann. Wenn wirklich etwas passiert, dann könnte ich vielleicht einen retten!". Nicht aber, ohne vorher die eigene Sicherheit zu überprüfen, denn es "wäre ja doof, wenn man dann selber auch ertrinkt."

Ein Junge in Badehose und blauer Taucherbrille taucht durch einen roten Reifen.
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Eine von vielen Übungen beim Jugendtraining der Wasserwacht

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