BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

"Sichere Häfen": Städte wollen mehr Flüchtlinge aufnehmen | BR24

© BR

Menschen sollen auf der Flucht nicht länger im Mittelmeer ertrinken. Rund 60 deutsche Städte und Gemeinden wollen deshalb schnell und unbürokratisch die Seenotrettung unterstützen. In Bayern sind bereits acht Städte beteiligt.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

"Sichere Häfen": Städte wollen mehr Flüchtlinge aufnehmen

Menschen sollen auf der Flucht nicht länger im Mittelmeer ertrinken. Rund 60 deutsche Städte und Gemeinden wollen deshalb schnell und unbürokratisch die Seenotrettung unterstützen. In Bayern sind bereits acht Städte beteiligt.

Per Mail sharen
Teilen

Regensburg, Würzburg, Erlangen, Bamberg und Fürth - nicht nur im nördlichen Bayern wird die Liste der "Sicheren Häfen" immer länger: Auch München, Grafing und Passau unterstützen mittlerweile die Seenotrettung. Deutschland müsse aufhören, sich abzuschotten, so die gemeinsame Forderung der Kommunalpolitiker, die sich in der internationalen Initiative "Seebrücke" zusammengeschlossen haben. Vor Kurzem hatte auch die Mehrheit im Grafinger Stadtrat dafür gestimmt, "Sicherer Hafen" zu werden.

Immer mehr "Sichere Häfen" in Bayern

Notfalls wollen die bayerischen Städte als "Sichere Häfen" schnell und unbürokratisch auch mehr Hilfesuchende aufnehmen als sie laut Verteilungsschlüssel eigentlich müssten. "Es geht darum, unsere Bereitschaft zu erklären", sagt Grafings Erste Bürgermeisterin, Angelika Obermayr. "Wir können nicht als Gemeinde das deutsche Asylrecht aushebeln oder verändern. Es ist ein Appell an die Bundesregierung: Helft diesen Menschen, nehmt sie auf."

Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik ist überzeugt, dass die gemeinsame Initiative von Zivilgesellschaft und Gemeinden bereits Wirkung zeige. "Innenminister Seehofer und Außenminister Maaß sind jetzt schon sehr aktiv und die letzten Aufnahmen von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer hätten ohne das Zutun der Bundesregierung so nicht stattfinden können", sagt Janik. Einen kleinen Beitrag zum Stimmungswechsel hätten die vielen Städte und Gemeinden geleistet mit ihrer Bereitschaft, Menschen aufzunehmen. "Wir sehen, dass wir unserer humanitären Verpflichtung auch weiterhin nachkommen können und auch wollen."

Sichere Häfen: "Menschenrechte müssen für alle gelten"

Stimmen von Kritikern, die angesichts der Wohnungsnot von Sozialleistungsbeziehern vor neuen Flüchtlingen und vor steigenden Kosten warnen, lassen die Rathäuser der "Sicheren Häfen" unbeeindruckt. In ihrer Potsdamer Erklärung berufen sich die Bürgermeister der Initiative Seebrücke auf die Menschenrechte, die für alle gelten müssten. Menschen zu retten und zu helfen, sei elementar für das Zusammenleben in der Gesellschaft.

Dass Hilfesuchenden geholfen werden muss, sehen auch viele Bürger und die Kirchen so: 200 Menschen haben in Fürth am vergangenen Freitag erstmals für die Initiative Seebrücke und die Seenotrettung demonstriert. Menschen, die von der Besatzung des privaten Seenotrettungsschiffs "Sea-Watch 3" gerettet wurden, könnten jetzt rasch aus Italien aufgenommen werden, sagt die Fürther Sozialdezernentin Elisabeth Reichert. "Ich denke, es wird bei der Verteilung zuallererst auf die Städte Rückgriff genommen, die eine klare Bereitschaft erklärt haben." Reichert geht davon aus, dass Fürth dabei sein wird, "weil wir einfach auch ein gutes Integrationsklima in der Gesellschaft haben."

Die Regierung in Mittelfranken ist bereits informiert, dass in Fürth schon Unterbringungsmöglichkeiten auf die geretteten Flüchtlinge warten. Wann die Stadt und die anderen "Sicheren Häfen" in Bayern tatsächlich Hilfe leisten können, ist aber noch ungewiss.

© BR

Italien und Malta wollen weder Rettungsschiffe für Flüchtlinge in ihren Häfen noch Gerettete an Land lassen. Über 60 deutsche Städte und Kommunen in Deutschland haben sich als "sichere Häfen" deklariert. Was bedeutet das?

Mehr Beiträge aus dem Bereich Religion finden Sie unter BR.de/religion oder in unserem wöchentlichen Newsletter.