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Shutdown am Flughafen - Stille im Erdinger Moos | BR24

© Birgit Grundner

Es ist ruhig geworden im Erdinger Moos. Wegen der Corona-Krise wurde der Betrieb am Flughafen München runtergefahren. Statt um die 1.000 sind es aktuell kaum 50 Starts und Landungen am Tag. Ein Genuss, auch für die sonst Lärmgeplagten in Attaching.

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Shutdown am Flughafen - Stille im Erdinger Moos

Es ist ruhig geworden im Erdinger Moos. Wegen der Corona-Krise wurde der Betrieb am Flughafen München runtergefahren. Statt um die 1.000 sind es aktuell kaum 50 Starts und Landungen am Tag. Lärmgeplagte in Attaching freuen sich.

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Von
  • Birgit Grundner

Es gibt ein neues Gesprächsthema in Attaching, der Gemeinde, die bisher wohl am stärksten unter dem Flughafenlärm gelitten hat: Vögel - richtige Vögel. Denn seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben die Flughafen-Betreiber Kurzarbeit angemeldet, ebenso Lufthansa als größter Kunde. Flugzeuge sind kaum noch in der Luft.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Vögel statt Flugzeuge

Uhus, Eulen, Amseln, Rotschwanz sind zu hören, sogar einen Eichelhäher habe ein Attachinger in seinem Garten entdeckt. "Das ist wirklich schön", sagt eine Anwohnerin. Sie könne jetzt sogar am Flughafenzaun spazieren gehen und "man hört vom Flughafen wirklich nichts. Es ist staad".

Ausschlafen und Garten genießen

Seit am Flughafen fast gar nichts mehr geht, gehe in Attaching plötzlich ganz vieles wieder, sogar ausschlafen bei offenem Fenster. Ganz wichtig ist das auch für Brigitte Dötterböck. Früher habe sie um 5 Uhr in der Früh das Fenster schließen müssen, damit sei es jetzt vorbei. "Das ist wunderbar", erzählt sie. Und: Endlich könnten die Flughafen-Nachbarn auch den ganzen Tag im Garten sein – ohne Lärm.

Weniger Flugzeuge, das heißt auch weniger Kerosin, weniger Schadstoffe. Franz Spitzenberger, der eine chronische Bronchitis hat, merke es körperlich. Er brauche jetzt weniger Medikamente.

So still wie seit fast 40 Jahren nicht mehr

So ruhig war es seit den 1980er-Jahren nicht mehr, erinnert sich Anna Brückl. Laut geworden sei es ja nicht erst mit der Flughafen-Eröffnung 1992. "Als der Bau begonnen hat, lärmte ja die Baustelle und seitdem ist es laut, von fünf in der Früh bis nachts um 12. Das ist jetzt anders."

Sorge um Arbeitsplätze

Doch der Shutdown am Flughafen hat auch eine Kehrseite, das ist auch den Attachingern bewusst: die Sorge um die Arbeitsplätze. Denn der Flughafen ist ein großer Arbeitgeber.

Corona-Krise - Aus für dritte Startbahn?

Über den Landkreis Freising hinaus bekannt geworden ist Attaching durch seinen Widerstand gegen eine dritte Startbahn. Zumindest dieses Thema, so hoffen die Gegner, sollte jetzt endgültig vom Tisch sein. Die dritte Startbahn sei schon begraben, meint eine Anwohnerin. Und Michael Buchberger ist sich sicher: "Da wird kein Bagger mehr rollen. Weil ich glaube, die bisherigen Flugzahlen, die sie leicht bewältigt haben, werden wir nicht mehr bekommen."

Buchberger war einer der Kläger im Startbahnprozess. Sein Mitleid für den Nachbar-Flughafen in der Corona-Krise hält sich in Grenzen. "Der Flughafen hat auf uns nie Rücksicht genommen. Und jetzt schlägt das Pendel in die andere Richtung."

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