Tausende Fans auf dem Rasen des Max-Morlock-Stadions in Nürnberg, dazu zahlreiche Ordner in neongelben Westen.
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Beim Platzsturm im Max-Morlock-Stadion im Mai 2022 ist eine junge Frau sexuell belästigt worden.

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Sexueller Übergriff im Stadion: Angeklagter freigesprochen

Mai 2022: Der 1. FC Nürnberg hat sein letztes Heimspiel gegen Schalke 04 bestritten, die Gäste feiern den Aufstieg. Beim Platzsturm bemerkt eine FCN-Anhängerin, dass sie begrapscht wird. Sie erstattet Anzeige, eine Verurteilung gibt es nicht.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten Franken am .

Der im sogenannten Stadion-Grapscher-Prozess angeklagte 34-jährige Mann ist vor dem Amtsgericht Nürnberg freigesprochen worden. Ihm war vorgeworfen worden, im Mai vergangenen Jahres im Nürnberger Max-Morlock-Stadion eine 20-jährige Frau sexuell belästigt zu haben. Er bestritt die Tat bis zuletzt.

Freispruch: Zweifel an der Schuld des Angeklagten

Im Verlauf der Verhandlung sind Zweifel an der Schuld des Mannes aufgekommen. Gründe für den Freispruch, den auch die Staatsanwaltschaft gefordert hatte, waren unter anderem der negative DNA-Abgleich und die Zeit, die verging, zwischen der Tat und einem von der Geschädigten gemachten Foto des Angeklagten.

Beide befanden sich in einer großen dynamischen Menschenmenge, sodass nicht gesichert sei, ob sich die hinter der jungen Frau befindlichen Männer nicht ständig neu anordneten, so die Begründung des Urteils.

Der Vorfall hatte sich am letzten Spieltag der Saison 21/22 ereignet, als der 1. FC Nürnberg sein Heimspiel gegen Schalke 04 ausgetragen hatte. Schalke wurde Zweitliga-Meister und stieg auf. Nach dem Spiel wurden die Tore zum Innenraum geöffnet und viele Fans strömten auf den Platz. So auch die 20-jährige Frau. Mitten in der Menschenmasse sei sie immer wieder im Schritt, am Po und im Hüftbereich berührt worden. Sie sei in eine Art Schockstarre verfallen, erklärte sie vor Gericht.

Probleme bei der Identifizierung

Mit ihrem Handy hatte sie aber dennoch nach hinten fotografiert. Im Prozess ging es um die Frage, ob der Mann auf den Fotos tatsächlich derjenige war, der sie auch berührt hatte. Einem Zeugen war damals aufgefallen, dass sich das Opfer in einer psychischen Ausnahmesituation befunden hatte und kam der jungen Frau zu Hilfe. Im Prozess wollte er den Angeklagten wiedererkannt haben. Allerdings war er wenige Wochen nach dem Vorfall, als die Polizei ihm Fotos vorgelegt hatte, nicht dazu in der Lage, den mutmaßlichen Täter zu identifizieren.

Frau bekam Hassnachrichten

Die Geschädigte würdigte nach dem Urteil die Erklärung der Richterin, dass diese der Überzeugung sei, dass die Tat an sich stattgefunden habe. Nur der Täter sei nicht gesichert identifizierbar. Diese Überzeugung war der jungen Frau insbesondere deshalb so wichtig, da sie zahlreiche Hassnachrichten bekommen hatte, dass sie sich nur in den Vordergrund spielen wolle. Auf Twitter gab die junge Frau nochmal eine Stellungnahme zu dem Fall ab, in der sie unter anderem auch den beiden Vereinen für ihre Unterstützung dankte. Es sei wichtig, "dass jede Person, die in irgendeiner Art und Weise belästigt wird, ernst genommen wird."

Der freigesprochene 34-Jährige sagte im Anschluss an die Urteilsverkündung, dass er so etwas niemandem wünsche. Nachdem sein Foto in einer Tageszeitung abgebildet war, litten er und seine Familie unter zahlreichen Beschimpfungen und Ausgrenzungen. Er sieht seinen Ruf durch die veröffentlichten Fahndungsfotos geschädigt.

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