Der Vatikan hat Priester Peter H., einen verurteilten Sexualstraftäter, aus dem Klerikerstand entlassen.
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Der Vatikan hat Priester Peter H., einen verurteilten Sexualstraftäter, aus dem Klerikerstand entlassen.

    Sexueller Missbrauch: Priester aus dem Klerikerstand entlassen

    Der Vatikan hat Priester Peter H., einen verurteilten Sexualstraftäter, aus dem Klerikerstand entlassen. Der Fall hatte deutschlandweit für Empörung gesorgt, weil H. jahrelang weiterhin in bayerischen Pfarrgemeinden aktiv sein konnte.

    Der katholische Priester Peter H., von etwa 30 Betroffenen des Missbrauchs beschuldigt und in zehn Fällen dafür rechtskräftig verurteilt, ist aus dem Klerikerstand entlassen worden. Das hat der 74-Jährige selbst beantragt, nachdem ihm der Vatikan diesen Schritt in einer Rechtsbelehrung als Möglichkeit eröffnet hatte. Das teilte das für Peter H. zuständige Bistum Essen am Montag mit.

    Die sexuellen Übergriffe ereigneten sich dort sowie im Erzbistum München und Freising. Der Fall H. sorgte über die katholische Kirche hinaus deutschlandweit für besondere Aufmerksamkeit. Denn das Missbrauchsgutachten der Erzdiözese München und Freising legte im Januar 2022 offen, dass der damalige Kardinal Joseph Ratzinger und spätere Papst Benedikt den Pfarrer und Sexualstraftäter im Erzbistum München und Freising aufgenommen und ihn in einer Pfarrei eingesetzt hatte. Er selbst bestreitet, dass er über die pädophile Neigung H.´s informiert war.

    Trotz Verurteilung weiterhin in Pfarreien eingesetzt

    Der Umgang mit Pfarrer H. steht mittlerweile beispielhaft für den Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchstätern: Die Übergriffe an mindestens 29 Buben wurden jahrzehntelang gedeckt, obwohl die Pädophilie des Priesters seit Ende der 70er Jahre im Bistum Essen aktenkundig war. Statt ihn zu suspendieren, schickte die Essener Bistumsleitung H. 1980 zur Therapie nach München. Von dort aus wurde H. quer durch Oberbayern versetzt.

    1986 verurteilte ihn das Amtsgericht Ebersberg wegen sexuellen Missbrauchs von zehn minderjährigen Buben. Erneut wurde Pfarrer H. versetzt, dieses Mal nach Garching an der Alz. Als 2010 dann zahlreiche Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche öffentlich wurden, sorgte auch der Fall H. für Entrüstung.

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    Entlassung aus Priesterstand gilt als Höchststrafe

    Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck untersagte ihm daraufhin die Ausübung priesterlicher Dienste. Zehn Jahre später, 2020, beorderte Overbeck den Diözesanpriester H. von Bayern zurück nach Essen, um durch eine engmaschige Führungsaufsicht möglichen weiteren Missbrauchstaten vorzubeugen, wie es heißt. Ihm seien Auflagen und Weisungen auferlegt worden. Der Betroffene habe diesbezüglich auch kooperiert.

    Peter H. nun nicht mehr an kirchliche Weisung gebunden

    Bischof Overbeck sieht die Laisierung angesichts der Schwere der Taten gerechtfertigt. Aber: Wenn H. nicht mehr zum Klerus gehöre, "werden diese Bemühungen in dem Umfang, wie es jetzt geschieht, auf Dauer nicht weitergeführt werden können. Das sehe ich nicht ohne Sorge", schrieb Overbeck nun laut Mitteilung dem Vatikan. Er habe den Vatikan davor gewarnt, H. aus dem Priesterstand zu entlassen. Denn jetzt unterliegt Peter H. nicht mehr der kirchlichen Weisungsbefugnis und darf beispielsweise seinen Wohnsitz frei wählen.

    Für den Ex-Priester bedeutet das, dass er von kirchlichen Auflagen wie zum Beispiel einer therapeutischen Behandlung befreit ist und auch seine Pension künftig nicht mehr von der Kirche bezieht. Für seine Rente müssen nun der Staat bzw. Steuerzahlerinnen und Steuerzahler aufkommen, und zwar in voller Höhe. Er muss bei der Rentenanstalt nachversichert werden, so sind die staatlichen Vorgaben.

    Es gelte, einen verantwortlichen Übergang zu gestalten, sagte der Interventionsbeauftragte des Ruhrbistums, Simon Friede. Das Bistum sei dazu mit H. im Gespräch. Ob er dies annehme, liege nun bei ihm selbst. Anhängige wie zukünftige Mitteilungen und Beschuldigungen würden weiter gemäß der geltenden Richtlinien bearbeitet. Das Bistum bleibe mit den Betroffenen in Kontakt.

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