Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Sexueller Übergriff in Konfirmanden-Zeltlager | BR24

© BR/Martin Breitkopf

Ein zwölfjähriger Junge aus Landshut soll während eines Konfirmandenausflugs nach Oberbayern von fünf 13-Jährigen schwer sexuell missbraucht worden sein. Passiert ist der Vorfall Anfang August, jetzt kommen Details ans Licht.

5
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Sexueller Übergriff in Konfirmanden-Zeltlager

Ein zwölfjähriger Junge aus Landshut soll während eines Konfirmandenausflugs nach Oberbayern von mehreren Gleichaltrigen schwer sexuell missbraucht worden sein. Passiert ist der Vorfall Anfang August, jetzt kommen Details ans Licht.

5
Per Mail sharen
Teilen

Ein zwölfjähriger Bub aus dem Raum Landshut soll Anfang August Opfer eines schweren sexuellen Missbrauchs geworden sein. Mehrere gleichaltrige Jungen sollen den Jungen während eines Konfirmandenausflugs sexuell misshandelt haben. Die Tat ereignete sich laut Polizei bei einem Aufenthalt der Gruppe auf der Ferieninsel Lindenbichl am Staffelsee (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) der Evangelischen Jugend.

Betreuer melden Vorfall

Die Kinder sollen während einer Mittagspause im Zelt an dem Zwölfjährigen sexuelle Handlungen vorgenommen haben. Bekannt wurde die Tat einen Tag später, als eine ehrenamtliche Betreuerin der Gruppe auffällige Gespräche der Kinder mitbekam. Die Landshuter wurden von vier erwachsenen und einem jugendlichen Ehrenamtlichen aus ihren Heimatgemeinden begleitet und betreut. Diese Betreuer meldeten den Vorfall dann tags darauf Mitarbeitern der Ferieninsel Lindenbichl. Während die Polizei den Fall als "schweren sexuellen Missbrauch" einstuft, spricht der Weilheimer Dekan Jörg Hammerbacher von "sexualisierter Gewalt unter Kindern".

Täter strafunmündig

Die Kriminalpolizei Landshut und Garmisch-Partenkirchen ermitteln derzeit noch. Laut Staatsanwaltschaft hat die Tat aber keine strafrechtliche Relevanz. Da die Täter jünger als 14 Jahre sind, seien sie vor dem Gesetz strafunmündig, erklärt Landshuts Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks.

Sensibler Fall

Der Vorfall werde an das Jugendamt weitergeleitet. Laut Weilheimer Dekan Jörg Hammerbacher, in dessen Dekanat die Ferieninsel Lindenbichl am Staffelsee liegt, hätte man in diesem Fall "äußerst sensibel" reagieren müssen, um eine Retraumatisierung des Opfers zu verhindern. Die Eltern des Opfers hätten nach einem Tag Bedenkzeit entschieden, die Polizei einzuschalten. Die Eltern der Beschuldigten wurden aufgefordert, ihr Kind aus Lindenbichl abzuholen. Das Opfer und die Beschuldigten waren auf dem Zeltlager in unterschiedlichen Zelten untergebracht.

Dekan will Runden Tisch

Der Landshuter Dekan Siegfried Stelzner hat nach eigenen Angaben Kontakt zur Familie des betroffenen Jungen aufgenommen. Am Tag der Rückkehr nach Landshut habe er mit den Eltern gesprochen und seine Unterstützung zugesagt. Er habe veranlasst, dass die Beauftragte für sexuellen Missbrauch von der Jugendhilfe des Diakonischen Werks die Familie begleite. Es sei außerdem über therapeutische Hilfsangebote der evangelischen Kirche informiert worden, erläuterte der Landshuter Dekan. Stelzner sagte außerdem, dass ein Runder Tisch für alle betroffenen Eltern geplant sei. Man wolle vermeiden, dass es zu belastenden Begegnungen komme.

Beliebter Ferienort

Die Insel Lindenbichl ist eine Ferieneinrichtung der evangelischen Dekanatsjugend Weilheim mit überregionaler Bedeutung. Anfang August dieses Jahres zelteten dort gleichzeitig 340 Kinder und Jugendliche. Die Betreuung der Gruppen übernehmen Ehrenamtliche oder auch Mitarbeiter aus den jeweiligen Kirchengemeinden. Die Landshuter Gruppe war mit 27 Kindern dort. Lindenbichl bietet die Infrastruktur für solche Freizeiten vor Ort an, die Aufsicht und die inhaltliche Arbeit übernehmen die Gruppen selbst.

Genügend Betreuer vor Ort

Die evangelischen Dekanatsjugend Weilheim die, die Ferieninsel betreut sieht kein Vergehen in der Sorgfaltspflicht. Nach Insiderinformationen sind immer zwei Betreuer für ein Zelt zuständig, jedoch sei eine 24 Stunden Überwachung unmöglich. Außer den Betreuern haben Erwachsene keinen Zugang zu Libi, die Eltern sind weit weg. Mobiltelefone sind nicht erwünscht - genau das ist auch der besondere Reiz. Im Fall der Landshuter Gruppe waren vier Erwachsene und ein Jugendlicher ehrenamtlich als Betreuer dabei. Zum Schutz von Opfer und Täter sollen keine weiteren Informationen preis gegeben werden heißt es von Polizei und Dekanat einheitlich - den Betroffenen sei therapeutische Hilfe angeboten worden