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Sexueller Missbrauch in Bamberg: Unabhängige Kommission startet | BR24

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Eine unabhängige Kommission will die Missbrauchsfälle im Erzbistum Bamberg aufarbeiten. (Symbolbild)

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Sexueller Missbrauch in Bamberg: Unabhängige Kommission startet

Wie in anderen Teilen Bayerns soll auch im Erzbistum Bamberg eine unabhängige Kommission die sexuellen Missbrauchsfälle aufarbeiten. Dabei können auch Opfer mitwirken. Ein "ständiger Gast" wird als Ansprechperson Teil des Ausschusses sein.

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Von
  • Stanislaus Kossakowski

In Bayern soll sexueller Missbrauch in den einzelnen Bistümern aufgearbeitet werden. Auch im Erzbistum Bamberg konstituiert sich die "Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs". Darin sollen auch Opfer mitwirken. Das Ziel: Das Leid der Betroffenen soll anerkannt und Strukturen des Missbrauchs zerschlagen werden.

Deutsche Bischofskonferenz unterzeichnet Erklärung

Die Kommission tagt nicht öffentlich und wird zunächst ihren Vorstand wählen. Der Auftrag der Kommission ist festgelegt in der "Gemeinsamen Erklärung" des staatlichen Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs und der Deutschen Bischofskonferenz. Im April 2020 war diese Erklärung unterzeichnet worden. Demnach meint Aufarbeitung "die Identifikation von Strukturen, die sexuellen Missbrauch ermöglicht oder erleichtert oder dessen Aufdeckung erschwert haben".

Staat und Kirche benennen sieben Kommissions-Mitglieder

Wie die Kommission zusammengesetzt ist und arbeitet, das haben die in Bayern liegenden Bistümer mit der Staatskanzlei in München abgestimmt. Dieser Vereinbarung zwischen Staat und Kirche zufolge gehören der "Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs" im Erzbistum Bamberg folgende sieben Mitglieder an:

  • zwei Missbrauchsopfer
  • zwei Mitarbeiter des Erzbistums Bamberg
  • ein Richter eines staatlichen Gerichts
  • eine freiberufliche Diplom-Psychologin
  • ein Moraltheologe

Die Namen der Teilnehmenden will das Erzbistum bis auf weiteres nicht bekanntgeben. Nach Angaben eines Sprechers komme man damit einem Wunsch der Kommissionsmitglieder nach. Ihnen sei wichtig, dass nicht erkennbar wird, wer die beiden Missbrauchsopfer sind.

Mitwirkung der sexuellen Missbrauchsopfer gefragt

Die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs schließt der "Gemeinsamen Erklärung" zufolge auch den behördlichen Umgang mit Tätern, Täterinnen und Betroffenen ein. Es greifen dabei das kirchliche wie auch das staatliche Recht. Es kommt also in besonderer Weise auf die Missbrauchsopfer an. Das ihnen zugefügte Leid soll anerkannt und "institutionell und gesellschaftlich reflektiert" werden, heißt es in dem Dokument. Unter bestimmten Voraussetzungen sollen die Betroffenen auch "Zugang zu den sie betreffenden Informationen und Unterlagen" bekommen.

Die Frage nach den Verantwortlichen

Welche Rolle jedoch die Frage nach der Benennung der Verantwortlichen einnimmt, bleibt vorerst offen. Die Kommission arbeite eigenständig, versichert Bistumssprecher Harry Luck gegenüber BR24. Das gelte auch mit Blick auf die Frage, ob die Kommission möglicherweise eine neue Studie in Auftrag gibt. Im Erzbistum Köln tobt seit Monaten ein Kampf um die Veröffentlichung einer Missbrauchs-Studie, die Namen verantwortlicher Führungskräfte nennt.

Vertrauensperson für Verdachtsfälle ist Dauergast in der Kommission

In der Bamberger Kommission wird nach Informationen von BR24 Rechtsanwältin Eva Hastenteufel als sogenannter "ständiger Gast" vertreten sein. Sie ist Ansprechperson für Verdachtsfälle des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen im Erzbistum Bamberg. Die Juristin aus dem Landkreis Bamberg zeigt sich auf Anfrage von BR24 überzeugt, dass es Erzbischof Ludwig Schick ernst ist mit der Aufarbeitung.

"Mein Eindruck ist, dass die Bistumsleitung der Erzdiözese Bamberg in jedem Fall die Unabhängigkeit der Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch gewährleisten will und den Prozess der Aufarbeitung unterstützt." Eva Hastenteufel, Rechtsanwältin

Eva Hastenteufel, betont: "Ganz wichtig ist dabei, dass Betroffene an dieser Aufarbeitung beteiligt werden und sich einbringen können." Denn es gehe darum, aufzudecken, Konsequenzen zu ziehen und um den Schutz vor sexuellem Missbrauch in der Zukunft.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick wollte sich im Vorfeld der Kommissionssitzung nicht öffentlich äußern.

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