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Sexuelle Gewalt gegen Kinder nimmt zu | BR24

© pa / dpa

Sexueller Missbrauch von Kindern (Symbolbild)

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    Sexuelle Gewalt gegen Kinder nimmt zu

    Etwas weniger Misshandlungen von Kindern, aber mehr sexuelle Gewalt. Das hat die Polizeiliche Kriminalstatistik 2019 ergeben. Besonders deutlich ist auch die Zunahme von Kinderpornografie-Fällen.

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    In Bayern hat die Polizei im vergangenen Jahr 1.699 Fälle des Missbrauchs von Kindern registriert. Damit blieb die Zahl laut Kriminalstatistik nahezu unverändert auf dem Niveau des Vorjahres, als 1.696 Fälle erfasst wurden.

    Im Freistaat weniger Missbrauchsfälle als bundesweit

    Bundesweit stieg die Zahl der von der Polizei registrierten Missbrauchsfälle hingegen deutlich an, von 12.321 auf 13.670. Im Ländervergleich liegt Bayern unter dem Durchschnitt. Nach der Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA) kommen im Freistaat 13 Fälle des Kindesmissbrauchs auf 100.000 Einwohner, im bundesweiten Durchschnitt sind es 16. Die wenigsten Fälle wurden im Stadtstaat Hamburg mit 11 pro 100.000 Einwohner gezählt, Thüringen hatte mit 27 Fällen die vergleichsweise meisten.

    Anstieg bei sexueller Gewalt

    Insgesamt wurden 2019 mehr Jungen und Mädchen Opfer von sexueller Gewalt. Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2019 registrierte bundesweit 15.936 Fälle, im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von mehr als 1.000. Zudem stieg die Zahl der gemeldeten Fälle der Verbreitung von Kinderpornografie: 12.262 Fälle registriert die Statistik, eine Steigerung um 65 Prozent.

    Bei Gewalt gegen Kinder allgemein sind die Fallzahlen unverändert hoch. Im vergangenen Jahr wurden 112 Kinder vorsätzlich oder fahrlässig getötet oder sind in Folge von Körperverletzung gestorben. Aus der heute vorgestellten Auswertung geht hervor, dass 93 Opfer unter sechs Jahre alt waren. Die Gesamtzahl ist im Vergleich zu 2018 um 24 zurückgegangen. Im Bereich Kindesmisshandlung wurden 4.055 vollendete Fälle registriert - 74 weniger als 2018.

    BKA: Keine Hinweise auf mehr Probleme in Corona-Krise

    Bei der Polizei gehen nach Auskunft des BKA in der Corona-Krise nicht mehr Hinweise auf Gewalt und Missbrauch in der Familie ein als sonst. Diese Daten seien jedoch mit äußerster Vorsicht zu interpretieren, sagte BKA-Chef Holger Münch. Das Dunkelfeld sei groß und die Auflagen in der Corona-Pandemie könnten dazu beitragen, dass familiäre Konflikte eskalierten.

    Zugleich seien Kinder weniger im Kontakt mit Menschen wie Erziehern, Lehrern oder Kinderärzten, an die sie sich normalerweise wenden könnten, sagte Münch. Es sei möglich, dass die Corona-Auflagen zu einer Zunahme von Gewalt führten, die die Polizei derzeit aber nicht beobachten könne.

    Missbrauchsbeauftragter warnt vor Folgen häuslicher Isolation

    Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, ist besorgt, dass trotz der alarmierenden Zahlen in Zeiten von Corona der Kinderschutz als weniger wichtig angesehen wird. Dabei seien Kinder durch häusliche Isolation noch größeren Gefahren familiärer Gewalt ausgesetzt, befürchtet er. Zwar seien bislang nicht mehr Fälle gemeldet worden. Beruhigen könne das allerdings nicht. Denn es fehle der Kontakt zu helfenden Einrichtungen wie Kitas oder Schulen, die den Jugendämtern oft Auffälligkeiten mitteilten.

    Rörig dringt deshalb darauf, den Kampf gegen sexuelle Gewalt trotz Corona-Krise weiter voranzutreiben. "Nur ein Bruchteil der Kraft, die jetzt im Kampf gegen Corona und seine Folgen eingesetzt wird, würde in meinem Themenfeld schon bahnbrechende Verbesserungen bringen und vielen tausend Mädchen und Jungen lebenslanges Leid ersparen", sagte Rörig. Der Kampf gegen Missbrauch und Folgen sei eine nationale Aufgabe.

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