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Servicestellen kaum gefragt | BR24

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Hand eines Arztes füllt Formular aus - im Vordergrund ein Stetoskop

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    Servicestellen kaum gefragt

    Eigentlich herrscht großer Bedarf: Rund zehn Millionen Menschen in Bayern haben von Januar bis März einen Arzttermin vereinbart. Nur 2.000 wurden von der Termin-Servicestelle vermittelt. Von Nadja Häse

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    Das Ergebnis der Versichertenbefragung der kassenärztlichen Bundesvereinigung zeigt: Die Zahl der vermittelten Termine der Servicestellen ist verschwindend gering. Die Einrichtung dieser Stellen durch die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) in jedem Bundesland hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe forciert. Seit dem 25. Januar 2016 sollen sie zentralisiert Arzttermine vermitteln, um Wartezeiten zu verkürzen. Gesetzlich Krankenversichersicherte können den Service wahrnehmen, wenn sie eine Überweisung zum Facharzt haben. Davon ausgenommen sind Termine beim Augenarzt oder beim Gynäkologen.

    "Serviceorientiert ist Angebot nicht"

    Verkürzte Wartezeiten – das klingt erst mal gut. Allzu rosig sieht die Umsetzung aber nicht aus. Zum Teil kann die Arztterminsuche über eine Servicestelle komplizierter werden. Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, findet die Servicestellen grundsätzlich richtig, moniert aber:

    "Es gibt keine bundesweit einheitliche Telefonnummer, an die sich die Patienten wenden können. Die Sprechzeiten der Servicestellen variieren in den KV-Bezirken stark. Serviceorientiert ist dieses Angebot nicht." Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz

    Patienten offenbar sowieso zufrieden

    Mit Blick auf die Ergebnisse erscheint die Einrichtung der Termin-Servicestellen eher verwunderlich. Rund 80 Prozent der Befragten empfinden die Wartezeit auf einen Arzttermin nicht als zu lange. Genau wie letztes Jahr hat knapp die Hälfte weniger als drei Tage auf einen Termin gewartet. Dementsprechend geht nicht einmal jeder Zweite der Befragten davon aus, dass es durch die Servicestellen schneller geht. Immerhin haben bundesweit knapp 70 Prozent von den Servicestellen gehört, in Bayern wissen nur rund 60 Prozent davon. Im Vergleich mit den anderen Bundesländern liegt Bayern damit an vorletzter Stelle.

    Dass die Servicestellen auf eher geringes Interesse stoßen, hat womöglich noch einen anderen Grund: Sie berücksichtigen bei der Vermittlung nicht den Wunscharzt des Patienten. Deswegen empfiehlt selbst die Kassenärztliche Vereinigung Bayern ihren Versicherten, eigenhändig einen Termin beim Arzt des Vertrauens zu vereinbaren – ohne den Service der KV Bayern.