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Seniorenresidenz Schliersee: Ministerium lädt zu Rundem Tisch | BR24

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Das Pflegeheim gilt nicht erst seit dem Corona-Ausbruch im vergangenen Mai als problematisch. Nun wird bekannt, dass sich das Gesundheitsministerium des Falls angenommen hat.

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Seniorenresidenz Schliersee: Ministerium lädt zu Rundem Tisch

Das Pflegeheim gilt nicht erst seit dem Corona-Ausbruch im vergangenen Mai als problematisch. Nun wird bekannt, dass sich das Gesundheitsministerium des Falls angenommen hat. Es hat sämtliche Aufsichtsbehörden ins Landratsamt nach Miesbach geladen.

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Von
  • Claudia Gürkov
  • Christiane Hawranek
  • Melanie Marks

Die Seniorenresidenz Schliersee beschäftigt weiterhin die zuständigen Aufsichtsbehörden. Das bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat zu einem Runden Tisch geladen.

Das Treffen, an dem neben Vertretern des Ministeriums auch Vertreter der Regierung von Oberbayern, der Pflegekassen wie auch des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen teilnehmen, findet nicht in München, sondern im Landratsamt Miesbach statt. Dessen Heimaufsicht ist für die Einrichtung zuständig.

Heim am Schliersee: "Nicht alle Anordnungen erfüllt"

Auf Anfrage des BR bestätigt das Ministerium den Termin. Es gehe darum, die Entwicklung der Einrichtung und die Versorgung der Bewohner zu beleuchten. Konkrete Ergebnisse seien nicht zu erwarten.

Das Landratsamt Miesbach schreibt, der Runde Tisch diene der fachlichen Unterstützung. Man tausche sich aus und überwache die Seniorenresidenz Schliersee weiterhin engmaschig. Es seien schon Verbesserungen erzielt worden, so eine Sprecherin des Landratsamts: "Es werden nicht alle Anordnungen erfüllt. Aber alle Anordnungen, welche die Bewohner direkt betreffen (z.B. Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung und Medikamentengabe sowie Dokumentation dieser) wurden erfüllt und das ist das Wichtigste."

Ex-Mitarbeiter und Angehörige erheben schwere Vorwürfe

Brigitte Kopcic arbeitete 2015 in der Seniorenresidenz Schliersee als Pflegehelferin. Sie und andere Kollegen berichten von hungernden Heimbewohnern und davon, dass Medikamente falsch oder gar nicht gegeben wurden.

Die frühere Qualitätsmanagerin des Heims, Sylvia Schäfer, arbeitete während der Corona-Krise in der Seniorenresidenz. Sie beklagt im BR-Interview, dass es schon vorher zu wenig qualifiziertes Personal gab und spricht von schweren Hygiene- und Pflegemängeln: Unter anderem habe es in der Unterkunft stark nach Urin gerochen, Medikamente seien abgelaufen gewesen.

"Bitte hol mich hier raus"

Auch Angehörige berichten von "katastrophalen Zuständen", zum Beispiel Claudia Weinfurtner. Ihre Mutter, die frühere Wiesn-Wirtin Marianne Weinfurtner, sei 2017 in dem Heim verwahrlost, ihre Wunden seien nicht ordentlich versorgt worden und sie habe zu wenig Flüssigkeit bekommen. Nach zwei Wochen organisierte Claudia Weinfurtner ihrer Mutter einen Platz in einem anderen Heim. Sie erinnert sich: "Nach dem Aufenthalt in Schliersee hat meine Mutter nie wieder ein Wort gesprochen. Die letzten Worte, die ich von ihr gehört habe, waren: 'Bitte hol mich hier raus!'"

Claudia Weinfurtner beschwerte sich beim Heim, doch die damalige Heimleiterin stritt schriftlich Vorwürfe wie fehlende Wundversorgung oder schlechte Pflege ab, entschuldigte sich allerdings für das Verhalten des Pflegepersonals. Claudia Weinfurtner schöpft nun neue Hoffnung. Im Sommer wurde sie von der Kriminalpolizei vernommen. Denn die Staatsanwaltschaft München II ermittelt seit dem Corona-Ausbruch in der Seniorenresidenz Schliersee wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen und vorsätzlicher Körperverletzung. Dabei durchleuchtet sie auch die Vergangenheit des Heims.

Heim geriet bereits mehrfach in Negativschlagzeilen

Die Einrichtung beschäftigt die Aufsichtsbehörden bereits seit Jahren und über mehrere Trägerwechsel hinweg. Es gab etliche Aufnahmestopps, mehrfach wurden demente Bewohner vermisst. Im vergangenen Mai kam es zu einem Corona-Ausbruch in dem Heim, mehrere Bewohner und eine Mitarbeiterin starben. Der Ausbruch offenbarte gravierende Probleme, darunter einen massiven Personalmangel, abgelaufene Medikamente und schwere Hygieneverstöße. Das Landratsamt forderte damals Amtshilfe bei der Bundeswehr an. Zuletzt kam es Ende Juli zu einem gewaltsamen Übergriff in dem Heim. Ein dementer Bewohner verletzte eine Bewohnerin schwer und missbrauchte sie sexuell. Die Frau starb kurz nach der Tat.

Der BR hat den aktuellen Heimleiter mehrfach für ein Interview angefragt, bis Redaktionsschluss äußerte er sich nicht.

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Das Pflegeheim gilt nicht erst seit dem Corona-Ausbruch im vergangenen Mai als problematisch. Nun wird bekannt, dass sich das Gesundheitsministerium des Falls angenommen hat. Es hat sämtliche Aufsichtsbehörden ins Landratsamt nach Miesbach geladen.

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