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Mit Inkrafttreten des Katastrophenfalls am Mittwoch müssen Besucher in Alten- und Pflegeheimen einen negativen Coronatest vorlegen. Der damit verbundene Mehraufwand stellt die Heimbetreiber aber vor schier unlösbare Probleme.

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Seniorenheime schlagen wegen neuer Corona-Testpflicht Alarm

In Bayern gilt ab sofort eine Testpflicht für Besucher von Seniorenheimen. Auch das Personal muss nun zweimal wöchentlich getestet werden. Was nach einer sinnvollen Idee klingt, um Todesfälle zu vermeiden, ruft jedoch bei Betreibern Kritik hervor.

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Von
  • Carolin Hasenauer
  • Pirmin Breninek

Gut gemeint, ist nicht immer gut gemacht. So lässt sich die Kritik von Heimbetreibern zusammenfassen, die wegen den nun verschärften Corona-Regeln nach eigenen Angaben vor Problemen stehen. Denn vor Ort in den Pflegeeinrichtungen fehle es schlicht an Mitarbeitern, um nun auch noch regelmäßig Corona-Abstriche vorzunehmen. "Wenn wir niemanden haben, der die Tests durchführt, haben wir faktisch ein Besuchsverbot in unseren Einrichtungen", sagt zum Beispiel Sonja Schwab. Sie ist bei der Caritas in Unterfranken zuständig für die Altenhilfe und hat einen Überblick über 50 angeschlossene Einrichtungen.

Besucher nur noch nach Corona-Test

Ab sofort gilt, dass Seniorenheime nur noch von einer Person pro Tag und Bewohner besucht werden dürfen. Diese müssen zudem einen negativen Corona-Test vorweisen. Außerdem muss das Personal der Einrichtungen zweimal pro Woche getestet werden. In der nun gültigen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung heißt es: "Die Einrichtungen sollen die erforderlichen Testungen organisieren." Viele Leitungen würden sich nun fragen, wie sie das zusätzlich zur bereits immensen Arbeitsbelastung bewerkstelligen sollen, sagt Schwab.

Bundesverband: "Besuchsverbot durch die Hintertür"

"Es wäre besser gewesen, ein tatsächliches Besuchsverbot zu erlassen", wird Alexander Schraml noch deutlicher. Er ist Vorsitzender des Bundesverbands der kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen (BKSB). Mit der Regelung des Freistaats würde der "schwarze Peter den Einrichtungen zugeschoben". Es sei für die Heime schwer umsetzbar, wenn sie jetzt auch noch die Besucher testen müssten. "Die Aufgabe der Heime ist es, die Bewohner zu versorgen", sagt Schraml. Und weiter: "Im Prinzip ist die Regelung des Freistaats ein Besuchsverbot durch die Hintertür." Besonders tragisch findet er das mit Blick auf Weihnachten. Schraml befürchtet, dass Bewohner vereinsamen.

180 Mitarbeiter auf 100 Senioren

Aus Sicht von Sonja Schwab, sind die neuen Vorgaben gleich aus mehreren Gründen problematisch. Bislang sei etwa völlig unklar, welche Personengruppen nun als Personal gelten: "Ist das nur die Pflege? Nur die Betreuung? Die Hauswirtschaft?" Wenn unter den Begriff wirklich alle Personen fallen, die in den Heimen arbeiten, dann müssten allein in den Caritaseinrichtungen in Unterfranken wöchentlich tausende Tests durchgeführt werden.

Hinter einem Seniorenheim mit 100 Bewohnern, stünden in der Summe etwa 180 Mitarbeiter, rechnet Schwab vor. Bislang wurden aber nur die Pflegekräfte getestet: freiwillig, einmal pro Woche. Das sei mit Unterstützung des öffentlichen Gesundheitsdienstes erfolgt, inklusive Stichproben bei den Bewohnern.

Mehr Unterstützung und zusätzliche Teststrecken

Schwab fordert nun dringend mehr Unterstützung: Die Heime bräuchten externe Kräfte von Hilfsorganisationen oder Bundeswehr. Auch zusätzliche Linien an den Teststrecken, eigens für Besucher von Seniorenheimen, würde sie befürworten.

In einem Schreiben des Bayerischen Gesundheitsministeriums an die Pflegeverbände heißt es: "Uns ist bewusst, dass dies für alle betroffenen Einrichtungen und insbesondere das Personal, die Bewohnerinnen und Bewohner sowie Zu- und Angehörigen eine große Herausforderung ist." Die Anstrengungen seien aber notwendig, um weitere Corona-Ausbrüche zu verhindern. Sofern Antigen-Schnelltests durch die Einrichtung selbst nicht durchgeführt werden könnten, "können von den Kreisverwaltungsbehörden POC-Antigen-Schnelltests zur Verfügung gestellt werden".

Ministerium will Seniorenheime unterstützen

Auf Anfrage des BR reagiert das Gesundheitsministerium schriftlich: "Der Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie des Pflegepersonals ist ein Kernelement der neuen Corona-Maßnahmen." Weiter heißt es: "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Heime sowohl bei der medizinischen Versorgung als auch bei Testungen zu unterstützen. Wir sind für Testungen unter anderem mit den Hilfsorganisationen im Gespräch."

Tests dürfen nicht älter als drei Tage sein

Inzwischen gibt es zumindest nähere Vorgaben dazu, wie weit im Vorfeld ein Test stattgefunden haben muss. Für Besucher, die in die Heime wollen, gilt demnach: Ein negativer Antigen-Schnelltest darf nicht älter als 48 Stunden sein, ein negativer PCR-Test darf nicht älter als drei Tage sein.

Staatsregierung will FFP2-Masken zur Verfügung stellen

Außerdem müssen Besucher während ihres gesamten Aufenthalts eine FFP2-Maske tragen. Sonja Schwab sieht auch das skeptisch. Nicht weil sie gegen zusätzlichen Schutz ist: Nach ihren Angaben würden diese Masken jedoch in vielen Heimen in zu geringer Stückzahl vorliegen, um sie nun an Besucher zu verteilen. "Es fühlt sich an, als wären wir immer noch im März", sagt die Caritas-Mitarbeiterin.

Laut Beschluss der Staatsregierung vom 1. Dezember, soll in den Wintermonaten jede Woche jeweils ein Besucher eines Bewohners eine FFP2-Maske erhalten. Zwei Millionen Masken will der Freistaat aus seinem Pandemiezentrallager zur Verfügung stellen.

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