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Seniorenheim in Wertheim insolvent – Anwalt: Sanierung möglich | BR24

© picture-alliance/dpa

Insolvenz (Symbolbild)

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    Seniorenheim in Wertheim insolvent – Anwalt: Sanierung möglich

    Die Altera Senioren-Domizil Wertheim hat Insolvenz angemeldet. Firmensitz ist im unterfränkischen Schollbrunn. Betroffen sind etwa 100 Bewohner und 91 Mitarbeiter, sagte Anwalt Sebastian Braun dem BR. Er ist als Sanierungsgeschäftsführer eingesetzt.

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    Braun zufolge wurde am Montag (19.08.19) vom Amtsgericht die vorläufige Eigenverwaltung beschlossen. "Wir haben bereits erste Maßnahmen getroffen, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten", so Braun gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Demnach habe es Gespräche mit Lieferanten gegeben, sodass die Versorgung der Bewohner gewährleistet ist. Das Einkommen der Mitarbeiter sei gesichert, die rückständigen Gehälter für Juli würden bald ausbezahlt.

    Sanierungsgeschäftsführer: Voraussetzungen für Weiterbetrieb sind gut

    Laut Braun gebe es bereits Anfragen externer Investoren. Aber auch die bisherige Unternehmensführung sei daran interessiert, das Haus zu sanieren und in eigener Regie fortzuführen. Insofern zeigt sich der Anwalt zuversichtlich, dass Standort und Arbeitsplätze erhalten bleiben können. "Der Bedarf einer solchen Einrichtung ist an diesem Ort gegeben, insofern sind die Voraussetzungen nicht schlecht", sagte Braun dem BR.

    Einzelzimmerbelegung als Verlustgeschäft für Seniorenresidenz

    Als eine der Krisenursachen nennt der Anwalt den Trend zur Einzelzimmerbelegung. Sie habe dazu geführt, dass das Heim weniger Einnahmen generieren konnte. "Der Zuschlag, den die Krankenkassen bei einer Einzelzimmerbelegung zahlen, gleicht nicht die Differenz aus, die eine Belegung des Raums mit zwei Personen bringen würde." Das Problem: Für eine durchgehende Einzelzimmerbelegung wären bauliche Veränderungen nötig, die bei der bestehenden Immobilie wohl nicht ohne weiteres vorgenommen werden können.

    Niedrige Pflegesätze und Zeitarbeiter als weitere Ursachen ausgemacht

    Neben den geringeren Einnahmen aufgrund der Einzelzimmerbelegung hätten auch die zu niedrigen Pflegesätze zu der Insolvenz geführt. Die Pflegesätze sollen nun nachverhandelt werden. Zudem sei Pflegepersonal schwer zu bekommen, weshalb sich das Unternehmen mit Fachkräften aus Zeitarbeitsfirma beholfen habe – was höhere Kosten verursache. Nach einem Bericht des Main-Echos sei der Personalmangel zeitweise so extrem gewesen, dass Angehörige der Bewohner von der Heimleitung aufgefordert worden seien, bei der Pflege mitzuhelfen.

    Keine Stellungnahme der Geschäftsführerin

    Die Geschäftsführerin von Altera, Ulrike Leibfried-Holzwarth, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Leibfried-Holzwarth ist zugleich Geschäftsführerin der "Weideweg – Das Leben GmbH", die ein Seniorenheim in Hasloch (Lkr. Main-Spessart) betreibt. Nach Auskunft von Braun seien diese Unternehmen jedoch rechtlich voneinander getrennt, womit die "Weideweg – Das Leben GmbH" nicht von der Insolvenz betroffen ist.