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Oberstdorfer Gartenschläfer freut Tierschützer | BR24

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Seltene Tierart bei Oberstdorf entdeckt

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Oberstdorfer Gartenschläfer freut Tierschützer

Am Söllereck bei Oberstdorf ist eine seltene Tierart aufgetaucht: der Gartenschläfer. Er zählt zu den gefährdeten Tierarten. Deshalb reicht schon ein eher schlechtes Foto aus, um die Tierschützer zu begeistern.

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Wildbiologe Henning Werth schaut sich Fotos an seinem Computer an. Stundenlang klickt er sich durch die Aufnahmen, die seine 16 Wildkameras den Sommer über automatisch gemacht haben. Es sind tausende Bilder.

Ein auffälliger Schwanz

Immer wieder sind Tiere zu sehen, die in die Fotofallen getappt sind. Hermeline, Marder, Mäuse, Füchse. Doch dann schreckt er beim Durchklicken plötzlich auf: "Mich hat eben diese eine Aufnahme stutzig gemacht, obwohl man eigentlich nur einen Schwanz gesehen hat. Aber der passte nicht zu den Tieren, die ich sonst so auf den Fotos sehe." Der weiße Streifen an den Flanken des Schwanz ließ in ihm einen Verdacht aufkeimen: Es könnte ein Gartenschläfer sein.

Experten bestätigen den Verdacht

Um sicher zu gehen, schickt er die Aufnahmen an Experten. Die waren sich sofort sicher: In Oberstdorf ist ein neuer Gartenschläfer-Bestand nachgewiesen worden. Mit einer Hinterteil-Aufnahme.

Der Gartenschläfer, der am Söllereck entdeckt worden ist, sieht ein bisschen aus wie ein Siebenschläfer. Aber weil das Fell bei einem Gartenschläfer rund um die Augen schwarz ist und aussieht wie eine Maske, ist sein Spitzname Zorro.

© BR/Wagensommer

Wildbiologe Henning Werth und seine Wildkamera

Warum gibt es immer weniger Gartenschläfer?

Entstanden ist das Bild im Totholz am Rand einer Weidefläche am Söllereck. Dort scheint es dem Nager gut zu gefallen. Früher gab es ihn in 26 Ländern, jetzt nur noch in fünf. Warum er so stark zurückgeht, wissen selbst Experten wie Henning Werth nicht: "Haben die Gartenschläfer Probleme mit Parasiten? Mit Krankheiten oder Feinden? Hat das Insektensterben mit dem Rückgang zu tun oder die klimatischen Bedingungen? Wir wissen es nicht genau."

"Wir haben eine besondere Verantwortung"

Um die Art besser schützen zu können, will man die Tiere jetzt auch in Oberstdorf besser erforschen. Noch sind sie im Winterschlaf, aber schon im kommenden Sommer will Henning Werth versuchen, sie zu beobachten oder an weiteren Standorten nachzuweisen.

Werth hofft, dass der ein oder anderen Standort geschützt wird: "Vielleicht Gehölzentfernungen vermeiden, denn die Gartenschläfer brauchen das Gehölz, die Deckung, die Nahrungspflanzen. Wir haben eine besondere Verantwortung für diese Art. Deutschland hat zehn Prozent vom Weltbestand."

Wichtig sind für den Schutz Hinweise aus der Bevölkerung, sagt Henning Werth. Wer einen Gartenschläfer mit seiner Zorro-Maske gesehen oder fotografiert hat, kann es bei ihm oder auf der Internetseite des Bund Naturschutz melden.

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