Seltene Erden sind Metalle. Als wertvoller Rohstoff werden sie bei der Produktion von E-Autos, Katalysatoren und Windkraftanlagen benötigt.
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Seltene Erden sind Metalle. Als wertvoller Rohstoff werden sie bei der Produktion von E-Autos, Katalysatoren und Windkraftanlagen benötigt.

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Seltene Erden auch in Bayern

Seltene Erden wie gerade in Schweden entdeckt gibt es auch in Bayern. Aber nicht genug, um sie als Rohstoffe für die Produktion von E-Autos, Smartphones und Windkraftanlagen zu nutzen. Die Wirtschaft fordert dazu verstärkt Recyclingstrategien.

Lanthan, Neodym, Thulium, Yttrium, Scandium: Was vielen vermutlich fremd klingt, sind Metalle der Seltene Erden (Erden: ältere Bezeichnung für Oxide). Sie werden aus dem Rohstoff "Seltene Erden" gewonnen. Insgesamt 17 weiche Metalle gehören dazu. Ihre Besonderheiten: Sie reagieren schnell, vor allem mit Sauerstoff, brennen leicht, sind stark elektropositiv. Das alles macht sie zum begehrten Rohstoff bei der Produktion von Elektroautos, Windrädern, Katalysatoren, Akkus und elektronischen Geräten wie Fernseher, Handy, Computer. Bisher werden mehr als 90 Prozent der Seltenen Erden in China abgebaut und verarbeitet.

Seltene Erden in Bayern: Zu wenig zum Verwerten

In Zeiten steigender Rohstoffpreise und stockender Lieferketten steigt der Bedarf an Seltenen Erden. Auch in Bayerns Böden schlummern diese wertvollen Metalle. Zwischen 2011 und 2018 hat es dazu bereits Untersuchungen gegeben.

Insgesamt sind 116 Orte in Nord- und Südbayern befahren, beprobt und nach ihren Wertstoffgehalten analysiert worden, teilt das zuständige Landesamt für Umwelt (LfU) in Augsburg auf BR24-Anfrage mit. Das Ergebnis: Es konnten tatsächlich nutzbare Potentiale von Seltenen Erdelementen (SEE), wie Seltene Erden auch heißen, und anderen Hightech-Metalloxiden gefunden werden. Konkret entdeckt wurden: Lanthan, Cer und Neodym sowie Scandium, Yttrium, Praseodym und Samarium. Das sind zum Teil die gleichen Metalle wie beim neuesten Fund in Nordschweden.

Weitere Boden-Untersuchungen in Bayern nicht mehr geplant

Aber: Es ist von allem zu wenig in Bayerns Böden. Die LfU-Experten rechnen vor: Würden aus allen Waschabgängen aller untersuchten Orte die abtrennbaren Metalle gesammelt, aufbereitet und chemisch aufgetrennt werden, könnten in Bayern jährlich rund 300 Tonnen leichte SEE-Oxide und 36 Tonnen schwere SEE-Oxide gewonnen werden. Zum Vergleich: In Schweden wurden nach Angaben des Bergbaukonzern LKAB über eine Million Tonnen an Seltenen Erden gefunden.

Der Bedarf der Industrie an diesen Rohstoffen kann also mit Bayerns geringen Mengen an Seltenen Erden nicht gedeckt werden. Weitere Untersuchungen sind somit in Bayern nicht mehr geplant, so das LfU.

Forderung der Wirtschaft: Mehr Recyceln

Aber: Nicht zuletzt aufgrund des schnell voranschreitenden technologischen Wandels in vielen Bereichen werden sich Bedeutung und Nachfrage an seltenen Erdelementen in Zukunft noch steigern, so das Fazit der Rohstoff-Experten. Und auch die bayerische Wirtschaft fordert, vorhandene Rohstoffressourcen vor Ort mehr zu nutzen. Dazu gehören sogenannte Sekundärrohstoffe. Sie werden aus Industrie- und Haushaltsabfällen wie Glas, Kunststoff, Metall und Verbundstoffe recycelt und in Produktionsprozesse zurückgeführt. In Deutschland fallen jährlich allein 228 Millionen Tonnen Bau- und Abbruch-Abfälle an, teilt die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) mit, die auch den Verband der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie vertritt.

Kreislaufwirtschaft ausbauen für Elektrogeräte, E-Autos und Baubranche

Deswegen fordert die bayerische Wirtschaft mehr Engagement beim Ausbau der Kreislaufwirtschaft in Deutschland. Im zirkulären Wirtschaften steckten beachtliches Potenzial für Wertschöpfung, Nachhaltigkeit und neue Beschäftigungsfelder, sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Dafür sei eine ganzheitliche Strategie mit Recyclinglösungen und deren Automatisierung erforderlich. "Das Angebot an recycelten Materialien muss erweitert, entsprechende Märkte geschaffen werden", so die vbw-Forderung an die Bundesregierung. Wichtig ist das unter anderem für die Produktion von Smartphones und Elektroautos, aber auch für den materialintensiven Bausektor. Hier umfasst allein der jährliche Bedarf nicht metallischer Mineralien laut vbw deutschlandweit 517 Millionen Tonnen.

"ForCYCLE": Bayerische Wissenschaftler forschen am nachhaltigen Ressourceneinsatz

Um mehr Wertstoffe zu recyceln, dazu gehören auch Seltene Erden aus elektronischen Geräten, und in den Produktionskreislauf zurückzugewinnen, gibt es in Bayern seit einigen Jahren den Projektverbund "ForCYCLE".

Finanziell unterstützt vom bayerischen Umweltministerium sind Wissenschaftler dabei, Technologien und Verfahren zum effizienten Ressourceneinsatz und Recycling zu entwickeln. Außerdem fördert Bayern den Aufbau der Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie (IWKS) im unterfränkischen Alzenau im Landkreis Aschaffenburg.

Bis dahin müssen weiterhin die meisten Rohstoff-Produkte aus China importiert werden.

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Vor zwei Wochen wurde in Schweden die Entdeckung des wohl größten Vorkommens Seltener Erden in Europa verkündet.

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