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Erst testen, dann lernen. Der erste Schultag nach den Ferien war für die Schüler im Präsenzunterricht ungewohnt: Zum ersten Mal mussten sie einen Corona-Selbsttest machen. An der Grundschule Emskirchen funktionierte das gut.

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Selbsttests in der Schule: Entspannter Auftakt in Mittelfranken

Erst testen, dann lernen. Der erste Schultag nach den Ferien war für die Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht ungewohnt: Zum ersten Mal mussten sie einen Corona-Selbsttest machen. An zwei Schulen in Mittelfranken lief das ganz entspannt.

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Von
  • Karin Goeckel

Grundschullehrerin Edith Patzak steht schon um kurz nach sieben in ihrem Klassenzimmer, um den allerersten Corona-Selbsttest für ihre Klasse vorzubereiten. Auf jeden Tisch stellt sie einen Plastikteller mit Namen und einem Testkit. Darauf liegen, noch steril verpackt, ein Corona-Testplättchen, ein langes Wattestäbchen und ein Plastikröhrchen mit einer Flüssigkeit darin. Eine Halterung für das Teströhrchen hat der Hersteller vergessen. Edith Patzak legt deshalb noch einen bunten Lego-Duplostein dazu – wenn die Kinder ihn umdrehen, können sie das Röhrchen kippsicher hineinstellen. "Ich hoffe, die Kinder kommen mit den ganzen Sachen klar und verwechseln nichts", meint die Lehrerin.

Kinder sind bei Corona-Selbsttest ruhig und diszipliniert

Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ist ab heute Wechselunterricht. Von der Klasse 2b an der Grundschule Emskirchen haben deshalb nur 13 Kinder Unterricht – die zweite Gruppe lernt zu Hause, sie ist morgen in der Schule. Die Mädchen und Buben kommen extra eine Viertelstunde eher ins Klassenzimmer, setzen sich ruhig und diszipliniert an ihren Platz. Dass sie sich zum ersten Mal selbst testen müssen, nehmen sie gelassen hin, lauschen konzentriert den Erklärungen ihrer Lehrerin. Edith Patzak hat Erklärbilder ausgedruckt, befestigt eines nach dem anderen mit einem Magneten an die Tafel.

Klasse 2b aus Emskirchen zieht Selbsttest gemeinsam durch

Dann wird es ernst mit dem Selbsttest. Erst Händewaschen, dann packt die Klasse ein Teil nach dem anderen gemeinsam aus. Als sich die Kinder das Wattestäbchen in die Nase einführen, zählen sie miteinander bis 15, pressen die aufgesogene Nasen-Flüssigkeit im Röhrchen aus und tragen es auf dem Testplättchen auf. Alle kommen zurecht, bloß einem Kind fällt beim Auspacken das Wattestäbchen auf den Boden. Kein Problem, Edith Patzak hat ein Ersatzstäbchen für den Jungen.

Kinder finden Corona-Selbsttest nicht schlimm

Nach einer Viertelstunde das Ergebnis: Auf dem Testplättchen erscheint bei keinem der Kinder ein zweiter Strich. Keiner in der Klasse 2b ist infiziert. "Wir können also ganz entspannt in den Schultag starten und unsere Arbeit machen", sagt Edith Patzak lächelnd. "Da fällt uns ein Stein vom Herzen." Sie ist sich sicher: Schon bald werden die Selbsttest routiniert ablaufen, dann dauern sie auch keine halbe Stunde mehr. Auch die Kinder sind erleichtert – der erste Selbsttest war nicht schlimm, findet Luca. "Mir hat's gut gefallen, es hat nicht wehgetan, war nur ein bisschen unangenehm." Und seine Klassenkameradin Charlotte meint: "Es hat ein bisschen gekitzelt, aber das kann man schon öfters machen."

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Corona-Selbsttest an der Grundschule in Emskirchen: Lehrerin Edith Patzak hat alles für ihre Schüler vorbereitet.

Einige Eltern an der Grundschule Emskirchen lehnen Testungen ab

Für Grundschulrektorin Ute Zimmer sind die Selbsttests zwar eine Herausforderung, aber auch eine Erleichterung, denn so werde der Unterricht für alle ein Stück sicherer. Auch viele Eltern sähen das so und unterstützten die Selbsttests in der Schule. Allerdings gebe es eine Reihe Eltern, die ihr Kind weder im Klassenzimmer noch in einem Testzentrum testen lassen wollen und deshalb nicht zum Unterricht schicken. "Das sind nicht wenige", berichtet Ute Zimmer. Von 300 Schülerinnen und Schülern seien es aktuell etwa 30. Die Rektorin geht davon aus, dass noch weitere dazu kommen werden. Diese Kinder müssten dann selbstständig zu Hause lernen. Zusätzliche Videoschalten gebe es nicht.

Gymnasium Herzogenaurach: Abiturienten sind froh, dass sie in die Schule können

Am Gymnasium Herzogenaurach hingegen weigert sich keiner der Schüler, sich selbst zu testen. Weil der Landkreis Erlangen-Höchstadt in dieser Woche wegen der hohen Sieben-Tage-Inzidenz Distanzunterricht hat, sind nur die Abiturklassen und die Hälfte der 11. Klassen im Schulgebäude beim Präsenzunterricht. Die etwa 190 Schülerinnen und Schüler sind froh, in der Schule zu lernen und sich so gut aufs Abitur vorbereiten zu können. Sie hoffen, dass mit Hilfe der Corona-Selbsttests auch die Abitur-Prüfungen möglich sind – ein "geschenktes" Abitur will hier keiner.

Schulleiter: Abitur-Prüfung darf nicht ausfallen

Schulleiter Norbert Schell befürwortet das ebenfalls. Abitur-Prüfungen seien für die jungen Menschen wichtig, sagt der Bezirksvorsitzender Mittelfranken der Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der Bayerischen Gymnasien. "Wenn ich in ein Studium gehe, kann ich mir sagen: Ich habe das Abitur geschafft, dann werde ich auch die nächste Prüfung schaffen", sagt Schell. "Dieses Erfolgserlebnis den Schülern zu nehmen, fände ich ganz schlimm." Wer das Abitur geschafft habe, gehe gestärkt aus so einer Prüfung heraus.

Bayern will Abi-Prüfung trotz Corona durchziehen

Bislang sieht Bayern trotz dritter Coronawelle aber keine Notwendigkeit, das Abitur ausfallen zu lassen. "Das Abitur 2021 findet in Bayern wie angekündigt statt", sagte ein Sprecher des Kultusministeriums vor einer Woche. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte einen Ausfall der Prüfungen ins Gespräch gebracht, sollten die Infektionszahlen weiter stark ansteigen.

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Der erste Schultag nach den Osterferien: Für die Teilnahme am Präsenzunterricht in Bayerns Schulen ist seit heute ein negativer Corona-Test verpflichtend. Wie finden das Schüler und Lehrer?

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